Eingewanderte Art schadet Schultheisweiher

Kampf dem Sumpfkrebs

+
In Sumpfgebieten der amerikanischen Südstaaten oder Nordmexikos ist der rote Sumpfkrebs heimisch. Durch seine weite Verbreitung wurde er jedoch auch zu einem gefürchteten Problem. Auf dem Bild lässt sich die Größe eines Exemplares gut abschätzen, das aus dem Schultheisweiher geholt wurde.

Offenbach - Der Schultheisweiher ist immer wieder eine Schlagzeile wert. Es ist auch in der besonderen Einstufung begründet: Ein ausgewiesenes Naturschutzgebiet, in dem ein Badebetrieb nur gestattet ist. Von Martin Kuhn 

Um das zu erhalten, hatte die Stadt eine mehrjährige ökologische Sanierung gestartet – erfolgreich. Nun könnte es wieder von vorne losgehen.
Das Umweltamt hat die Badesaison 2017 am Schultheisweiher offiziell beendet. „Trotz einiger schwieriger Tage und vielfältiger Herausforderungen hat der Weiher seine Aufgabe gut erfüllt“, betont Leiterin Heike Hollerbach mit Blick auf den 10,4 Hektar großen See (mittlere Wassertiefe 2,49 Meter), der etwa zur Hälfte für den Badebetrieb freigegeben ist.

Sorge bereitet ihr dort neben einem stetigen Wasserverlust (geschätzt: 20 Millionen Liter in den vergangenen Jahren) indes eine eingeschleppte, problematische Art (sogenannte Neozoen): Zuletzt wurde im Schultheisweiher der Amerikanische Sumpfkrebs entdeckt. Er ist ein gefährlicher Überträger der Krebspest, gegen die er selbst immun ist. Bei einheimischen Arten verläuft selbst die milde Infektion tödlich.

Satter Fang: In einem Eimer hat das große Krabbeln begonnen. Die Entsorgung übernimmt der Berufsfischer.

Um die Lage einzuschätzen, wurde eine Stichprobe gemacht, um die Größe der Population im Bürgeler Mainbogen einzuschätzen. Im Auftrag des Umweltamtes verteilte dazu ein Berufsfischer vom Verband Hessischer Fischer und Fachmann für invasive Krebsarten zwanzig Reusen im Weiher. Aus der Stichprobe schätzt der Fachmann die Population des Amerikanischen Sumpfkrebses auf mehr als 5000 Individuen. Gefangen wurden bei der Aktion auch größere Weibchen, welche bis zu 500 Eier tragen können. Andere Krebsarten wurden nicht nachgewiesen.

Das erinnert stark an die Situation, als seinerzeit (ausgesetzte) Graskarpfen das gesamte Ökosystem aus dem Gleichgewicht brachten. Die Stadt ließ seit 2006 bei 17 Abfischungen 2,6 Tonnen Graskarpfen aus dem Schultheis holen. Mit weiteren Maßnahmen (Einbringung von Kaliumchlorid, neue Wasserpflanzen, neuer Fischbesatz) hat die Stadt in sechs Jahren den Weiher biologisch saniert und parallel den Badebetrieb komfortabler gestaltet. Das summierte sich auf mehr als 200.000 Euro auf.

Und jetzt ist weiteres Geld erforderlich. Heike Hollerbach sagt: „Entscheidend ist die Reduzierung der Nährstoffe.“ Die erhebliche Belastung durch die starke Zunahme der Wasservögel, die Krebse, und die Abnahme der Wassermenge sei eine große Herausforderung. „Da es um ein kompliziertes Ökosystem geht, müssen wir erst eine Prognose der Gewässerentwicklung erstellen und eine Bewertung ausgewählter Maßnahmen und Maßnahmenkombinationen hinsichtlich Leistungsvermögen, Nachhaltigkeit und Kosteneffizienz vornehmen – damit die Maßnahmen auch in die richtige Richtung führen.“

27. Jazz-Matinee in Offenbach: Bilder

Eine mögliche Maßnahme: Man setzt auf einen natürlichen Feind der Sumpfkrebse – Aale. Da stellt sich die Frage, was passiert, wenn diese ortsfremde Art in den Schultheis eingesetzt wird? Auch das ist darzustellen. Und das gibt es nicht kostenlos, das Umweltamt rechnet mit Kosten um die 60.000 Euro – mit Zuschüssen aus Landes- oder Bundestöpfen ist dabei nicht zu kalkulieren. Es wird wohl allein an der Stadt hängen bleiben. „Dafür brauchen wir erst die Zustimmung der Stadtverordneten. Wir müssen uns nun zunächst finanzielle Mittel besorgen, um den Schultheis-Weiher als Badegewässer zu erhalten“, sagt die Amtsleiterin.

Die weiteren Maßnahmen stimmt das Umweltamt in verschiedenen Abstimmungsterminen mit den oberen Behörden ab. Der Krebsfang mit unterschiedlichen Reusen wird fortgesetzt.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare