Neue Krippe in Offenbach

U3-Versorgung: Kampf den Wartelisten

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Melanie Haferberg, Sven Pfaff und Vermieter Alfred Clouth freuen sich auf die Eröffnung der Kinderkrippe „Zwergenstübchen“ am 15. September.

Offenbach - Der Sprössling ist ein Jahr alt, Mama will wieder arbeiten. Doch dann findet sie keinen Betreuungsplatz. Die Krippen setzen sie auf die Wartelisten – und die sind lang... Eine Erfahrung, die junge Eltern fürchten. Von Veronika Schade

Melanie Haferberg und ihr Mann Sven Pfaff haben sie selbst nach der Geburt ihres Sohns gemacht. „Das war sehr frustrierend“, erinnern sie sich. Es wurde zur Initialzündung für ein Projekt, das ihrem Leben eine Wendung gegeben hat: Am 15. September eröffnen sie die Krabbelstube „Zwergenstübchen“ an der Bieberer Straße 95-97.

Bis zu 48 Kinder im Alter von neun Monaten bis zum Kindergarteneintritt sollen dort einen Ganztagsplatz finden. Derzeit gehen die Bauarbeiten in die letzte Phase, die Böden werden gelegt, die Wände gestrichen. Zum Greifen nah ist die Eröffnung nach rund vierjähriger Realisierungszeit, die das Ehepaar immer wieder vor neue Herausforderungen stellte. „Es waren viele Behördengänge und Genehmigungen notwendig, die Konzepte und Finanzierung mussten stimmen, die richtigen Räume gefunden werden“, fasst Haferberg zusammen.

Idee einer Kinderkrippe

Die gelernte Erzieherin arbeitete als Tagesmutter, nachdem es mit dem Betreuungsplatz nicht geklappt hatte – und war immer voll besetzt. „Das bestätigte uns, wie groß der Bedarf ist, und ließ uns den Glauben an unser Ziel nie verlieren“, sagt Pfaff. Erste Gespräche mit dem Jugendamt über die Eröffnung einer U3-Einrichtung führten sie 2010, den Verein „Zwergenstübchen“ gründeten sie 2011, die passenden Räume fanden sie erst 2013. Die 650 Quadratmeter großen, über dem Penny-Markt gelegenen Flächen waren von Vermieter und IHK-Chef Alfred Clouth ursprünglich als Büros geplant. Doch die Idee einer Kinderkrippe überzeugte ihn: „Es gibt in der Nähe keine vergleichbaren Angebote. Offenbach ist eine wachsende Stadt, es besteht Rechtsanspruch auf Betreuung. Die Einrichtung wird betriebswirtschaftlich ausgelastet sein.“ Nicht zuletzt könnten Fach- und Führungskräfte rekrutiert werden. „Und es kann kaum Ärger mit Nachbarn geben, der Abstand ist groß genug“, schmunzelt er.

Die Gesamtinvestition beträgt 600.000 Euro, davon bezuschusst das Land die Einrichtung mit 180.000 Euro. Ein Viertel der Plätze ist belegt, Anmeldungen sind willkommen. Auch von potenziellen Mitarbeitern. „Wir haben noch sieben von zwölf Stellen zu vergeben“, sagt Haferburg, die die Leitung der Krippe übernimmt. Ein pädagogisches Grundkonzept steht. So sollen die Kleinen nach dem „Berliner Modell“ behutsam eingewöhnt werden. „Die Eltern sind anfangs dabei, nach und nach aber immer kürzer“, erklärt die 32-Jährige. Ansonsten möchte sie mit den Kollegen den Tagesablauf erarbeiten. „Wir sind ein neues Team, wir müssen uns zusammensetzen, uns austauschen, gemeinsam Leben ins Projekt bringen.“

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

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Trotz innerstädtischer Lage sollen die Kinder ihren Bewegungsdrang ausleben können. Neben den Gruppenräumen gibt es einen „Toberaum“, die große Dachterrasse mit Sandkasten lockt nach draußen. Ein ebenerdiger Duschbereich mit Regendusche ermöglicht Planschen und Matschen. „Da können die Kinder einfach mal nackt sein, ihren Körper spüren.“ In der Küche werden Mahlzeiten frisch zubereitet.

Mehr Informationen:

www.zwergenstuebchen-ev.de

Das „Zwergenstübchen“ eingerechnet, gibt es in Offenbach 1442 U3-Betreuungsplätze, davon 436 in der Tagespflege und 1006 in Einrichtungen. Das Soll von 45 Prozent der Population, das sich die Stadt auferlegt hat, sei damit nicht erfüllt: Dieses liege bei 1745 Kindern, folglich fehlten 303 Plätze. „Wir scheinen den Bedarf aber gut zu befriedigen“, sagt Claudia Kaufmann-Reis, stellvertretende Leiterin des Eigenbetriebs Kindertagesstätten Offenbach (EKO). „Es gibt im Moment keine Wartelisten.“ Zudem seien weitere Einrichtungen im Entstehen, die der AWO und zweier Vereine. Ingesamt gibt es in Offenbach 86 Kinderbetreuungs-Einrichtungen, 32 davon gehören „privaten“, also nicht-städtischen oder kirchlichen Trägern an. Plätze für Unter-Dreijährige bieten bisher 42 Einrichtungen.

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