Anschluss ohne Kontrolle

+
Auf in den Untergrund: Die Videokamera rollt durch den Kanal und überträgt Aufnahmen auf einen Monitor.

Offenbach - Wieder ist der Dialog gefragt: In diesem Fall geht’s um die vorgesehene Dichtigkeitskontrolle der privaten Hausanschlüsse an den öffentlichen Abwasserkanal. Erst verordnete das Land eine Prüfung, jetzt wird diese ausgesetzt. Von Martin Kuhn

Die Frage, die es zu beantworten gilt: Stehen Aufwand und Nutzen in einem angemessenen Verhältnis? „Für den Bürger ändert sich nichts“, fasst Christian Loose die wichtigste Nachricht des Stadtbetriebs zusammen. Das will die CDU auf parlamentarischen Weg geprüft wissen.

Bislang sei der ESO nur intern aktiv gewesen, „ohne Außenwirkung“, wie Loose betont. Daran ändert sich eigentlich nichts: Der kommunale Eigenbetrieb wartete bislang auf die Umsetzung der sogenannten Eigenkontrollverordnung (EKVO), jetzt, ob sie überhaupt einmal kommen wird.

Worum geht’s?

Worum geht’s? Der Stadtdienstleister übernimmt Kontrolle und Reinigung des öffentlichen Kanalnetzes. Und das bedeutet reichlich Arbeit: Das mehr als 260 Kilometer lange Kanalnetz in Offenbach stammt zum Teil aus dem späten 19. Jahrhundert.

In regelmäßigen Abständen müssen Netz, Regenrückhaltebecken und Regenüberläufe kontrolliert und gereinigt werden. In den meisten Kanälen geschieht dies mit Hilfe einer Videokamera, die durch den Kanal rollt und ihre Aufnahmen auf einen Monitor überträgt. Kanäle ab 1,20 Meter Durchmesser werden von ESO-Mitarbeitern begangen. Zeigen sich Schäden, folgt die Reparatur.

Intention der ausgesetzten EKVO

Auf in den Untergrund: Die Videokamera rollt durch den Kanal und überträgt Aufnahmen auf einen Monitor.

Intention der ausgesetzten EKVO: Nun sollten auch die Übergänge von den Häusern ins öffentliche Kanalnetz untersucht werden; was bislang nie geschehen ist. Experten fürchten, dass durch fehlerhafte Anschlüsse das Grundwasser verschmutzt wird. Idee des städtischen Eigenbetriebs: Bündelung der Arbeiten „auf rein freiwilliger Basis; wir wollten den Eigentümern lediglich ein Angebot unterbreiten“, sagt Loose. Heißt: Bei der turnusmäßigen Kontrolle der öffentlichen Kanäle wäre auch ein Blick auf private Hausanschlüsse geworfen worden.

Bei Schäden wäre eine Bündelung der Arbeiten vorgeschlagen worden. Vorteil: Straßen beziehungsweise Gehwege wären nur einmal aufgerissen, ein (auch zeitlicher) Flickenteppich vermieden worden. Auch finanziell hätte es sich rechnen können bei einer solchen Zusammenfassung. Bei der Kanalsanierung rechnet der ESO mit etwa 1000 Euro pro Meter; da kommen schnell große Summen zusammen.

Nachweis über die fachgerechte Sanierung

Der Sprecher betont: „Letztlich hätte der Eigentümer entscheiden müssen, wen er beauftragt.“ Fest steht jedoch: Zur Beseitigung des Schadens wäre er verpflichtet, dem ESO einen Nachweis über die fachgerechte Sanierung zu erbringen. So weit kommt es nicht – bislang. Denn die Ingenieurkammer Hessen und der Bund der Ingenieure für Wasserwirtschaft, Abwasserwirtschaft und Kulturbau (BWK) befürchten nachhaltige Schäden für Grundwasser und Umwelt. „Die Aussetzung der vorgesehenen Dichtheitskontrolle privater Anschlusskanäle halten wir für bedenklich“, so Kammerpräsident Professor Udo F. Meißner.

Lesen Sie dazu auch:

Kanalsanierung kostet rund 700.000 Euro

Neue Lage bei den Kanalgebühren

Auch die lokalen Unionschristen werden aktiv. Der stellvertretende CDU-Fraktionschef Roland Walter möchte vom Magistrat erfahren, welche Auswirkungen die Aussetzung der Eigenkontrollverordnung auf die Offenbacher Abwassergebühren haben wird: „Der Magistrat soll Auskunft darüber geben, ob die Abwassergebühren gesenkt werden können, wenn künftig keine Kanalinspektionen mehr durchgeführt werden.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare