Die EVO kann nah bleiben

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Die Oberbürgermeister-Initiative sichert Stadtwerken im Verbund der MVV mit Partnerschaft auf Augenhöhe die Eigenständigkeit.

Mannheim/Offenbach (tk/fp) ‐ Im Schulterschluss haben die drei Oberbürgermeister von Mannheim, Kiel und Offenbach für ihre jeweiligen regionalen Energieversorger eine „Partnerschaft auf Augenhöhe“ (Kiels OB Torsten Albig) vereinbart.

Das gilt offensichtlich auch für die Beziehung zur Mannheimer Konzernmutter MVV Energie AG, die in den vergangenen Monaten mit ihrer Strategie „MVV 2020“ an allen Standorten der Töchter für Aufregung gesorgt hatte. Es bestand die Befürchtung, dass MVV verschiedene Dienstleistungen in Mannheim konzentriert. Dem klaren Bekenntnis der Oberbürgermeister zu einer weiterhin kommunal verankerten, dezentralen Energieversorgung hat sich nach einer gemeinsamen Erklärung auch MVV-Vorstandsvorsitzender Dr. Georg Müller angeschlossen. Das Projekt „Einmal gemeinsam“ soll nun laut Müller mit den kommunalen Anteilseignern und den Arbeitnehmervertretern noch 2010 unter Dach und Fach gebracht werden. Im Offenbacher Rathaus wird es als guter Schritt hin zu einer Bestandssicherung für die EVO gewertet. Getreu ihrem Werbespruch kann die EVO nah bleiben.

„Nachhaltigkeit, Effizienz und starke regionale Identität“

Im Anschluss an das gemeinsame Gespräch im Mannheimer Rathaus betonten die drei Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz (Mannheim), Torsten Albig (Kiel) und Horst Schneider (Offenbach), dass sie die Unternehmensgruppe mit ihrer im letzten Jahr erarbeiteten Strategie „MVV 2020“ auf dem „dritten Weg zwischen den vier großen Energiekonzernen und den vielen kleinen und mittleren Stadtwerken“ wettbewerbsorientiert und in gesellschaftlicher Verantwortung weiter entwickeln wollen: „Wir setzen auf Nachhaltigkeit, Effizienz und unsere starke regionale Identität.“

Einig in der Einschätzung

Nach Ansicht des Mannheimer Oberbürgermeisters Dr. Peter Kurz hat die MVV Energie im Verbund mit den Stadtwerken Kiel und der EVO die strategischen Weichen für einen erfolgreichen Wachstumskurs, vor allem im Bereich der Erneuerbaren Energien und der umweltfreundlichen Fernwärme, gestellt. Auf der Grundlage einer starken regionalen Verankerung nutze die Unternehmensgruppe damit ihre Chancen in dem sich verschärfenden Wettbewerb. Dr. Kurz: „Wir sind uns einig in der Einschätzung: Die Optimierung des Bestandsgeschäfts ist Voraussetzung, um wachsen zu können. Unvermeidbarer Arbeitsplatzabbau wird sozialverträglich in enger Abstimmung mit den Arbeitnehmern der Standorte umgesetzt.“ Aber: „In den strategischen Wachstumsbereichen, vor allem im Vertrieb, bei den Energiedienstleistungen und bei der Erzeugung aus erneuerbaren Energien werden auch Arbeitsplätze aufgebaut.“

Gemeinsame Größe gezielt nutzen

Den drei Oberbürgermeistern geht es darum, „den Stadtwerke-Verbund zu stärken“. Dabei sollen die drei eigenständigen und eigenverantwortlichen Stadtwerke ihre Stärken in die Gruppe einbringen, Schwächen gemeinsam beseitigen und weitere Synergien heben. Kiels OB Torsten Albig: „Wir müssen unsere gemeinsame Größe dort nutzen, wo wir Wettbewerbsvorteile erzielen und die eigene Wirtschaftlichkeit verbessern können; wir müssen unser Know-how auf allen Geschäftsfeldern austauschen und unsere Partnerschaft auf Augenhöhe leben.“ Die Eigenständigkeit der Stadtwerke ist dabei die Prämisse, unter der dieser Verbund in den kommenden Jahrzehnten eine sichere und preiswerte Energieversorgung gewährleisten, aber auch seine Aufgabe als Arbeitgeber und Impulsgeber in den drei Regionen erfüllen kann.

„Stadtwerke sind fest in den Städten und Regionen verankert“

Dieses Modell basiert laut Oberbürgermeister Horst Schneider auf der lokalen und regionalen Stärke der Stadtwerke. Schneider: „Unsere Stadtwerke sind fest in den Städten und Regionen verankert. Mit regionalen Kooperationen“, so Schneider weiter, „können die Grundlagen der Zusammenarbeit erweitert und weiter gefestigt werden. Dazu gehört es, Wachstumsfelder der Region eigenständig zu besetzen - mit eigenem Vorstand, Vertrieb und weiteren Zentralfunktionen. So dezentral wie möglich, so zentral wie nötig“, gilt dabei als Grundsatz der Unternehmensgruppe. Notwendig sei auch, so der Offenbacher Oberbürgermeister abschließend, dass die Service-Gesellschaften weiter gemeinsam getragen werden und an den heutigen Standorten verbleiben.

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