Schulbeginn

Die Kapazität ist ausgereizt

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Wie an der Goetheschule werden überall neue Kontakte geknüpft. Schwesterchen hat zwar eine Schultütchen, muss aber noch auf ihren großen Tag warten.

Offenbach - Paul hält seine Schultüte ganz fest im Arm. Der Sechsjährige ist stolz darauf, einer der über 160 Erstklässler zu sein, die ab diesem Schuljahr die Goetheschule besuchen werden. Von Corinna Hiss

Die Schule im Nordend dürfte hessenweit bei den Neuaufnahmen mit an der Spitze liegen: Sie schickt sieben Klassen mit ABC-Schützen ins Schulleben, zwei davon sind Ganztagesklassen. Paul wird eine davon besuchen. Er kommt in die 1G und freut sich, „viel lernen zu können“.

Zu den sieben regulären kommen noch zwei Vorklassen. Schulleiterin Gabriele Schranz muss gleich zwei Einschulungsfeier an einem Tag ansetzen, auf einmal wäre die große Zahl nicht zu bewältigen. Das Einzugsgebiet ihrer Schule reicht vom Hauptbahnhof über das Kaiserleigebiet bis hin zum Main. Es vereint viele Muttersprachen. „Bei uns trifft sich die ganze Welt, und darauf sind wir stolz“, betont Gabriele Schranz bei der Feier.

Gern würde die Schule alle Kinder ihrer Quartiere aufnehmen, doch ist ihre Kapazität längst ausgereizt. Über 600 Schüler muss sie fassen – mehr bringt keine Schule Hessens in nur einem Gebäude unter. Und es wird nicht leichter, in Offenbach steigen die Schülerzahlen gegen den Landestrend weiter.

„Unsere Hoffnung liegt ganz in der Hafenschule, die hoffentlich zum Schuljahr 2015/16 fertig wird“, sagt Thomas Löhr, Leiter des Stadtschulamts. Er kennt die Problematik auf der Goetheschule, meint auch, dass eine Grundschule in der Größenordnung einfach zu groß sei.

Nach den Sommerferien sollten nach den früheren Anmeldungen in Offenbach 1154 Grundschüler starten. Die Zahl kann sich aber noch ändern. Dr. Peter Bieniußa, Leiter des Staatlichen Schulamts für Stadt und Kreis, weiß, dass die Verteilung der Kinder auf die verschiedenen Grundschulen aufgrund des großen Andrangs in Offenbach schwierig ist. Feste Schulbezirksgrenzen gibt es nicht mehr, dafür „Überschneidungsgebiete“, in denen die Kinder gleichmäßig auf die umliegenden Schulen verteilt würden.

Nicht nur für die Erstklässler war gestern ein großer Tag, ebenso fanden sich die ehemaligen Viertklässler an ihren weiterführenden Schulen ein. Laut Schulamt kommen von den insgesamt 1111 Grundschulabgängern 410 aufs Gymnasium und 406 auf Integrierte Gesamtschulen. 249 Schüler werden eine Förderstufe besuchen, 46 die Förderschule. Wieder wollten zu viele Schüler auf die Integrierte Schiller-Gesamtschule wechseln. Etliche müssen mit anderen Gesamtschulen vorlieb nehmen.

Von einer nennenswerten Abwanderung Offenbacher Schüler auf die umliegenden Schulen im Landkreis, von der oft gemunkelt wird, weiß Bieniußa nichts: „Manche Bieberer Schüler wechseln aufs Adolf-Reichwein-Gymnasium in Heusenstamm, dafür wechseln aber auch Schüler aus dem Kreis auf Offenbacher Gymnasien, wie auf die die Leibnizschule, weil es dort Lateinklassen gibt.“ Insgesamt halte sich das also die Waage, und es handle sich auch eher um einzelne Fälle.

Dieses Schuljahr wird auch zum ersten Mal islamischer Religionsunterricht für Erstklässler angeboten. Hierbei ist das Land Hessen Vorreiter aller Bundesländer, allen voran ist die Region Offenbach. In Offenbach selbst bieten zwei Grundschulen – Humboldt- und Mathilden- - Islamunterricht an. Drei weitere sind im Landkreis zu finden. Damit der Unterricht zustande kommt, muss jede Schule mindestens zwölf Teilnehmer haben, das Interesse ist aber deutlich größer. Bei der Unterrichtssituation ist Bieniußa optimistisch. „Wir gehen davon aus, dass kein Unterricht ausfallen wird, da alle Stellen an Offenbacher Schulen besetzt sind.“

Bei der Einschulungsfeier in der Goetheschule ist der emotionalste Punkt erreicht, als die Kinder mit ihrer Lehrerin in den jeweiligen Klassenräumen verschwinden und die Eltern allein gelassen werden. „Stolz bin ich allemal“, sagt Pauls Mutter, „Aber das Loslassen fällt schon schwer.“

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