Konkurrenzdruck macht Unternehmen zu schaffen

Kappus will insolvente Firma sanieren

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Anfang des Jahres hatten die Abrissarbeiten an der ehemaligen Seifenfabrik in der Luisenstraße begonnen. 

Offenbach - Das Offenbacher Traditionsunternehmen Kappus ist insolvent. Das bestätigte Geschäftsführer Wolfgang Kappus im Interview mit unserem Redakteur Marc Kuhn. Ziel sei nun die Sanierung des Seifenherstellers.

Der Seifenproduzent Kappus soll pleite sein. Stimmt das?

Wir sind nicht „pleite“, sondern haben aus Sanierungsgründen eine Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet mit dem Ziel der Sanierung der Kappus-Gruppe und den Erhalt der Arbeitsplätze mithilfe des existierenden Managements und einer zusätzlichen Sanierungsgeschäftsführerin zu erreichen.

Wo liegen die Gründe für die Insolvenz?

Der Verbraucherpreis der Stückseife als Massenprodukt ist seit 1945 unverändert. Die flüssige Seife, obwohl weniger nachhaltig und nicht so umweltfreundlich, wird aus Gründen der Convenience (Bequemlichkeit) von vielen Verbrauchern vorgezogen. Der harte Wettbewerb des Handels, der den Seifenpreis als Zeichen seiner Leistungsfähigkeit nutzt, lässt nur ganz geringe Erträge zu. Nachbarstaaten mit günstigeren Löhnen und Kosten liefern uns ständige Preiskämpfe. Dies hat dazu geführt, dass von den 200 Seifenfabriken mit eigenem Verband, die es 1945 noch gab, heute außer der Kappus-Gruppe noch zwei kleinere existieren. Wenn unsere Gruppe die Produktion einstellt, wird es keine Seifenproduktion in Deutschland mehr geben.

Ist der Wettbewerb in der Seifenbranche zu hart für deutsche Unternehmen? Ist die Konkurrenz aus China zu groß?

Der Wettbewerb aus China ist gering. Das Produkt Seife ist zu schwer und zu wenig werthaltig, um von Ostasien nach Deutschland transportiert zu werden. Der Konkurrenzdruck kommt aus den Nachbarstaaten Polen, Griechenland und Türkei. Diese Staaten haben geringere Löhne, naheliegende große Seifenmärkte in Osteuropa und dem Nahen Osten, keinen übertriebenen Verbraucherschutz und weniger Verwaltungsaufwand und können deshalb oft billiger anbieten.

Kappus ist im vergangenen Jahr nach Waldhof gezogen. Hat sich die Firma mit der Standortverlagerung finanziell zu viel zugemutet?

Der Umzug wurde teurer als geplant, da baurechtliche Vorschriften besonders bei Brandschutz, Arbeitsschutz sowie die Grundsanierung der Halle die Kosten nach oben trieben. Das ist aber nicht die Ursache der Liquiditätsprobleme.

Das alte Firmengelände in der Offenbacher Innenstadt hat Kappus verkauft. Trotz der Finanzspritze kam es zur Insolvenz. Warum?

Der Verkauf des Grundstücks, der den lange von der Stadt gewünschten Anschluss des Westends an die Innenstadt ermöglichte, und der Umzug in das Industriegebiet Waldhof waren ein Nullsummenspiel. Der Abriss der Fabrik in der Luisenstraße dauerte lange und war teuer. Eine „Finanzspritze“, wie viele glauben, gab es nicht.

Wird das Unternehmen weitergeführt?

Ja, die Kappus-Gruppe wird weiter Seife produzieren.

Wie sieht die Zukunft Ihrer Mitarbeiter aus?

Das Unternehmen arbeitet mit seinen Mitarbeitern weiter.

Bleibt Kappus in Offenbach?

Vorerst gibt es keine anderen Pläne.

Bilder vom Künstlermarkt in Offenbach

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