Müssen lernen, laut zu sein

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Bieten in unregelmäßigen Abständen Gewaltschutztraining für verschiedene Gruppen an (von links): Rita Nowakowsky, Studioleiterin Schahrzad Mansouri und Silke Nowakowsky.

Offenbach - In dunklen Ecken lauern Schatten, vermummte Gestalten ziehen rachsüchtig um die Häuser. Das Böse ist überall und will den Schutzlosen an den Kragen. Eine Vorstellung, die bloß im Krimi existiert, sagt Silke Nowakowsky. Von Eva-Maria Lill 

Und sie muss es wissen, schließlich arbeitet sie hauptberuflich als Kriminalhauptkommissarin. „Die Statistiken zeigen: Offenbach ist sicher und viel besser als sein Ruf“, betont die 42-Jährige. Nebenbei begeistert sich die Limeshainerin für Karate und bietet gemeinsam mit ihrer Schwester Rita erfolgreich Gewaltschutz-Seminare in der Wetterau an. Seit diesem Monat gibt’s ihr Programm auch in Offenbach. Die beiden haben mit dem hiesigen Karate-Studio Eastend 52 einen engagierten Partner für ihre Pläne gefunden. Unterstützt wird das Projekt vom Bund Deutscher Kriminalbeamter.

Chefin des Studios am Goethering 52 ist Schahrzad Mansouri. In den Räumlichkeiten unterrichtet sie momentan etwa 100 Schüler pro Woche. Seit März 2013 unterhält sie das Studio in Offenbach, arbeitete vorher 18 Jahre in Frankfurt, zwölf Jahre lang war sie außerdem Bundesjugendtrainerin. „Mich fasziniert an Karate vor allem die Ästhetik, die Dynamik und die Disziplin“, erläutert die 45-Jährige. Besonders die Zusammenarbeit mit Kindern hat es ihr angetan: „Es ist spannend zu sehen, wie Jüngere aufblühen, wenn sie mit zielgerichtetem Arbeiten und Regeln konfrontiert werden.“

Doch nicht nur Kinder profitieren von der Sportart: „Hauptsächlich trainiere ich Erwachsene zwischen 30 und 50, die bereits einige Dinge ausprobiert haben und neue Herausforderungen suchen.“ Mit Gewaltschutzarbeit befasst sich Mansouri schon länger, Nowakowsky kennt sie seit acht Jahren. „Damals durften wir Karate im Europäischen Parlament vorstellen und mit dem Vorurteil der ,Schlägermentalität’ aufräumen“, berichtet die Frankfurterin.

In Gefahrensituationen einen kühlen Kopf bewahren

Um falsche Mythen geht es auch bei den Seminaren im Karate-Studio Eastend 52. Den Anfang machten ein Kurs für Frauen und einer für Jungen, weitere Zielgruppenangebote sind in Planung. „Häufig wird Gewaltschutztraining bloß körperlich angegangen“, erzählt Silke Nowakowsky, „Der beste Ausstieg aus einer gefährlichen Situation ist aber, sich erst gar nicht darauf einzulassen.“ Es geht also nicht um Tritte und Schläge, sondern um Prävention. Dafür stellen die drei Leiterinnen Opferverhalten vor, sprechen über Täterpsychologie, Körperhaltung und Macht der Stimme.

„70 Prozent der Angriffe werden abgebrochen, wenn das Opfer deutlich macht, dass es nicht bedroht werden will. Wir müssen lernen, laut zu sein. Ein ,Halt, stopp, ich will das nicht!’ bringt meist schon den gewünschten Effekt“, so die Kriminalhauptkommissarin. Neben der Theorie gibt es in den Seminaren jedoch auch viel Praxis. Beispielsweise werden Atemtechniken erprobt, um in Gefahrensituationen einen kühlen Kopf bewahren zu können. „Ab einem Puls von 140 ist das Herz oben und das Hirn unten“, verdeutlicht die Seminarleitung. Dann fällt es schwer, überlegt zu handeln. Fürs nächste Jahr sind weitere Gewaltschutztrainings geplant, unter anderem zum Thema „Verhalten im öffentlichen Nahverkehr“ und „Verhalten am Auto/Parkplatz/Parkhaus“.

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