Offenbacher Traditionsunternehmen hat Geschäftsbetrieb eingestellt

Aus für Karl Seeger

Offenbach - Nach einem langen Kampf ums wirtschaftliche Überleben ist die einstige Offenbacher Karl Seeger Lederwarenmanufaktur endgültig untergegangen. Von Marc Kuhn

Der Geschäftsbetrieb sei eingestellt, die verbliebenen 18 Mitarbeiter entlassen worden, sagte Insolvenzverwalterin Ulrike Hoge-Peters unserer Zeitung. „Meine Aufgabe ist aktuell leider nur noch, die Immobilie, Maschinen und Markenrechte zu verwerten. “ Die Firma Industrierat sei mit dieser Aufgabe beauftragt worden. Ähnlich sei mit dem früheren Traditionsunternehmen Goldpfeil verfahren worden.

Im Oktober des vergangenen Jahres war gegen Karl Seeger das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Im Juli hatte die einst zum Luxusgüterhersteller Montblanc gehörende Firma den Antrag auf Eröffnung des Verfahrens gestellt. Der Altgesellschafter und Großkunde habe offene Rechnungen nicht beglichen, hatte Jesko Bode damals erklärt. Dem Wirtschaftsanwalt gehört mit Familienmitgliedern die Lübecker Stalhof Industriekapital GmbH, die im Jahr 2009 Karl Seeger von der Montblanc-Gruppe übernommen hatte. Sie gehört zum Richemont-Konzern.

Im Insolvenzverfahren seien Gespräche mit Investoren geführt worden, berichtete Hoge-Peters. „Alle haben Abstand genommen.“ Sie hätten zu viel Geld investieren müssen. Im November habe sie nur noch die Möglichkeit gehabt, den Geschäftsbetrieb einzustellen oder das Angebot der inzwischen von Bode und einem Partner gegründete Karl Seeger AG anzunehmen, erläuterte Hoge-Peters. An diese sei das Unternehmen übertragen worden. Doch: „Die haben es auch nicht geschafft“, sagte die Insolvenzverwalterin. Der Umsatz habe nicht ausgereicht, erklärte Hoge-Peters weiter. Im April sei die Firma geschlossen worden.

Das 1889 gegründete Unternehmen Karl Seeger gehörte seit 1992 zu Montblanc. Über viele Jahre wurde der Name aber nicht genutzt. Im März 2009 hatte Richemont beschlossen, Lederprodukte an seinem Standort in Florenz herstellen zu lassen und das Werk in Offenbach zu schließen. Nachdem Bodes Beteiligungsgesellschaft eingestiegen war, kehrte die Belegschaft damals an die Arbeitsplätze zurück.

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