Ledermanufaktur Karl Seeger erneut in Turbulenzen

Offenbach ‐ Das Offenbacher Traditionsunternehmen Karl Seeger hat Insolvenz angemeldet. Gestern sei der Antrag auf Eröffnung des Verfahrens gestellt worden, sagte Jesko Bode unserer Zeitung. Von Marc Kuhn 

Dem Wirtschaftsanwalt gehört gemeinsam mit zahlreichen Familienmitgliedern die Lübecker Stalhof Industriekapital GmbH, die im Juni des vergangenen Jahres den Hersteller hochwertiger Lederprodukte von der Montblanc-Gruppe gekauft hatte. Sie gehört wiederum zum Richemont-Konzern. Der Altgesellschafter und Großkunde habe offene Rechnungen im Wert von fast 400.000 Euro nicht beglichen, begründete Bode die Entscheidung. Der Geschäftsbetrieb werde aufrechterhalten. Entlassungen seien nicht geplant. Zurzeit beschäftigt Karl Seeger 45 Mitarbeiter.

Bereits in der Vergangenheit seien Gespräche mit potenziellen Investoren geführt worden, berichtete Bode. Sie hätten die „Geschichte fantastisch“ gefunden. Die „geschäftliche Verquickung mit dem Altgesellschafter“ habe sie aber gestört. Bode will jetzt weiter mit Investoren verhandeln. Er zeigt sich zuversichtlich. „Ich möchte schnell aus dem Verfahren raus und mit der Marke weiter strahlen.“

Karl Seeger, 1889 gegründet, gehörte seit 1992 zu Montblanc. Der Name wurde aber viele Jahre nicht mehr benutzt. Im März der vergangenen Jahres hatte Richemont beschlossen, Lederprodukte an seinem Standort in Florenz herstellen zu lassen und das Werk in Offenbach zu schließen. Im Juni ist Bode mit seiner Beteiligungsgesellschaft eingestiegen. Die Belegschaft kehrte an ihre Arbeitsplätze zurück.

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