Im karnevalistischen Getöse

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Der Gemaa-Elfer hat wieder die richtige Mischung getroffen.

Offenbach ‐ Ein Jahr haben die Kappen der Gemaa pausiert. Nicht, dass zwischendurch nichts passiert wäre. Fünf Vorstandsmitglieder haben sich zurückgezogen, die Spitze ist neu formiert. Und jetzt startet der Frohsinn mit zwei Sitzungen im Emil-Renk-Haus wieder durch. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Mit einem selbst getexteten Lied schwört Alleinunterhalter Werner Hengge die Schar der Kostümierten auf den „Neubeginn der Elfer“ ein. Aber zunächst gehört die Bühne jenen, die das ganze karnevalistische Getöse noch gar nicht verstehen. Die Übungsstunde der Kleinsten in der Turnabteilung beschreibt Sitzungspräsident Jürgen Kofink wie folgt: „Sie kommen zusammen rein, sie hören zusammen auf, und zwischendrin macht jeder, was er will.“ Die sieben Mädchen der „Rasselbande“ können sich die Choreografie zwar noch nicht vollständig merken, ahnen aber schon genau, wie man nach Muppet-Art die Puppen tanzen lässt und Nenas 99 Luftballons interpretiert, um das Publikum zu verzücken. Ergebnis: die erste Zugabe des Abends.

Mehr Bilder von der Kappensitzung

Berliner Luft bei der Kappensitzung der Gemaa-Elfer

Neue Schlagzeilen gibt´s auch, das Protokoll hat bei der Gemaa Tradition: In bekannter „...nur kenne muss mers, des is wischdisch“-Manier schmettert Jürgen Kofink 23 Beschwerden aus der Bütt. Von Afghanistan über Bundespräsidentenwahl bis Lena Meyer-Landrut und Stadion-Neubau lässt er keine Möglichkeit zur Spöttelei aus. Als Zugabe werden im Zählreim „Zehn smarte Medienstars“ musikalisch abgedankt.

Und Humor scheint vererbbar. Kofinks Tochter Bianca steht mittlerweile auch schon im 13. Jahr auf der Bühne. Als Ärztin Dr. Bianca Vogel tritt sie in die Fußstapfen des Vaters; sie hat sich für jedes Kalauerende ebenfalls einen Spruch zum Mitsprechen ausgedacht: „Name nenne darf ich nicht, ich steh‘ ja unter Schweigepflicht!“ Mit abstrusen Behandlungsvorschlägen, etwa zur Brustvergrößerung („Der Clou ist: Wir nehmen den Bauch von ihrem Mann und machen ihn bei Ihne vorne dran.“) hat sie die Lacher auf ihrer Seite.

Für die Fastnacht unverzichtbar: „Booodo“ Charly Engert.

Zum Toben bringt das Volk aber auch ein Nicht-Lederanier. Boris Reisert, 24-jähriger Schiedsrichter bei der TG Ober-Roden, der bereits im zarten Alter von sieben Jahren die Bütt unsicher machte, ist zum ersten Mal bei der Gemaa und zieht mit leicht rauchiger Stimme und wildem Körpereinsatz alle in seinen Bann. „Ein Abend auf der Couch“ findet seinen Höhepunkt in einer nicht enden wollenden Aufzählung vor kreischendem Publikum.

Als weitere Akteure begeistern: Peter Magel, Ehrenrat von 1999, Charlie Engert als „Booodo“ und die Ranstaajodler der Kolpingelfer. Wie gut ist es da, dass zwischen all dem Klamauk zur Entspannung immer wieder nur das Auge gefordert wird. Tolle Tanzdarbietungen haben die Mädels des Karneval-Klub Disharmonie Heusenstamm im Programm. Der Gardetanz „Berliner Luft“ wird dem begeisterten Publikum gleich zweimal gezeigt und entlockt die erste Rakete. Heimlicher Star des Abends: Der zweite Auftritt der ebenfalls disharmonischen Kunstturnerin Isabele Schultheis könnte der Auftakt zu einer Karriere als echtes Funkemarieche sein.

Sabine I. hat als Tempelseerin ein Heimspiel

Fliegende Petticoats zu fetziger Musik gibt´s dagegen aus dem eigenen Haus. Die „Pretty Girls“, große und kleinere Mädchen der Turnabteilung, tanzen zu Songs aus dem Musical „Grease“ das Amerika der 50er Jahre. Da sind danach die „Explosions Girls“ mit ihrer eher düsteren Formation nach Musik von Michael Jackson ein Kontrastprogramm.

Für alle Akteure gibt‘s als Dankeschön entweder den „Hans-Durchlauf-Orden“ (Pfälzer Wein) oder „Hüftgold“ (Schokolade), die Damen bekommen ihrer Körpergröße angepassten Blumenschmuck.

Der fällt bei Offenbachs Karnevalsprinzessin Sabine I., Lady of Temple Lake, standesgemäß am schönsten aus. Die Hoheit hat als Tempelseerin ein Heimspiel. Anders ihr Gefährte Herbert II. vom Bieberer Berg, der „rauchende Feste“ wünscht. Erfrischend, wenn nicht immer alles nach Mauskript läuft.

Der Prinzessin Liedbeitrag aber hat es verdient, einmal zitiert zu werden. Also zur Melodie von Andrea Bergs „Du hast mich 1000 mal belogen“: Ich brauch das Gefühl, satt zu sein. Zu keiner Mahlzeit sag ich nein. Ich kenn jede Pommesbud. Mein Mann sagt: jetz isset jenug. Ich hab mich tausend Mal gewogen, ich machte tausend Mal Diät. Ich hab mir Slimfast reingezogen, man hat mir Pillen angedreht. Ich hab nur Wind in meinen Därmen, hab kein Auge zu gemacht. Schlich zum Kühlschrank wie ein Dieb in der Nacht. Such nach ´ner Wurst, such nach Wein. Gerade in der Nacht muss das sein. Doch mein Kühlschrank schlägt Alarm: Wieder krieg ich nichts in den Darm. Ich hab mich tausend Mal.....

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