Wie Wagners einen internationalen Szenetreff geschaffen haben

Kartmesse 2018 schon halb ausgebucht

Offenbach - Vor Parma, Tokio und Chicago kommt Offenbach. Zumindest was den Motorsport betrifft. Denn die hiesige Kartmesse ist die größte weltweit. Zum 25. Mal hat die Schau von Botho und Alice Wagner am Wochenende internationale Hersteller und globales Publikum angezogen.Von Sarah Neder

Tief in einer Nacht 1995, so gegen 2 Uhr, kommt Botho Wagner von einer Tagung heim und weckt seine Frau Alice auf: „Wir sollen eine Kartmesse organisieren“, sagt er. „Ok“, sagt sie. Knapp drei Monate später eröffnen die Wagners ihre erste Schau für Motorsport. Die Premiere der IKA Kart 2000 liegt mittlerweile 25 Jahre zurück. Was zu Beginn noch im 900 Quadratmeter großen Mühlheimer Bürgerhaus Platz fand, ist heute die größte Kartmesse weltweit. Internationale Aussteller füllen acht Hallen an der Kaiserstraße. Wo der Besucher hinsieht: Helme, Chrom, Reifen, Lenkräder. Besuchermassen schlendern durch die Gänge.

Dazwischen: das Ehepaar Wagner. Er ist 81, sie 80 Jahre alt. Sie kennen alle Rennsportgrößen: Die Schuhmachers, den Vettel. Denn: „Es gibt in der Formel 1 niemanden, der nicht aus dem Kartsport kommt“, sagt Botho Wagner, der bis 1972 selbst aktiver Motorsportler war. An diesem Wochenende werden Tausende Besucher darunter Italiener, Chinesen, Araber durch die Gänge spaziert sein. Auffällig aber erwartungsgemäß: Die Kartmesse zieht vor allem Männer an. Botho Wagner sagt: „Es gibt drei Typen von Besuchern: Den Profi, den Amateur und den Bahnbetreiber.“

Jeder sucht unterschiedliche Produkte unterschiedlicher Preiskategorien. Das weiß auch Robin Metz, der mit seiner kürzlich gegründeten Firma aus Frankfurt zum zweiten Mal individualisierbares Helm-Design in Offenbach anbietet. Über ein gigantisches Touch-Display führt Metz den Designgenerator vor. Nicht nur Farben und Muster, sondern auch Flaggen, Initialen und Sponsoren-Logos sind frei wählbar. Ein nach persönlichen Vorlieben und in Handarbeit gestalteter Helm reicht von etwa 500 bis 4500 Euro. „Das hängt ganz vom Athleten ab“, sagt Metz. Der Grundsatz lautet: Je besser der Fahrer, desto teurer der Kopfschutz. Umso teurer die Ausstattung, desto erfolgreicher der Fahrer – diese Faustregel nennt Branchenkenner Wagner. Denn wer oben mitfahren will, muss Kapital mitbringen. „Es gibt da keine Grenze nach oben“, sagt der gebürtige Offenbacher und fügt hinzu: „Wer’s beim Hobby belassen will, kommt hingegen relativ günstig davon.“

Neben der Ausstellung innovativer Technik ist die IKA Kart 2000 ein wichtiger Treffpunkt der Szene. Firmen geben Seminare über ihre Neuheiten, der ADAC oder der Deutsche Motorsportverband tagen dort. Für die Offenbacher Schau stehen alle Zeichen auf weiteres Wachstum. „Ich bin mit der Entwicklung sehr zufrieden“, sagt der Messe-Schöpfer. Enkel Marcel Fuchsberger soll irgendwann einmal übernehmen. Sorgen bereiten Botho Wagner aber Offenbacher Gedanken, die Messeparkplätze – wegen Begrünung oder Bebauung – zu verkleinern, denn sein Publikum reise immer mit eigenem fahrbarem Untersatz an. „Wenn das so kommt, muss ich hier weg“, befürchtet Wagner.

Für die nähere Zukunft scheint der Unternehmer aber noch zuversichtlich, weiter in Offenbach bleiben zu können. Das Ehepaar steckt nämlich schon in der Planung für die 26. IKA Kart 2000. Botho Wagner verrät: „Bis morgen Abend ist bereits mehr als die Hälfte der Aussteller für 2018 gebucht.“

Kartmesse in Offenbach

Rubriklistenbild: © Neder

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