Kartmesse in Offenbach

Schumi ist allgegenwärtig

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Tradition und Innovation im Kartsport begegneten sich in den Offenbacher Messehallen.

Offenbach - Gummigeruch wabert durch die Messehallen, Motoren brummen auf. Aber die Zukunft des Kartsports ist leise. Und kommt ohne Abgase aus. Die Firma Smartemotion, einer von 500 Ausstellern auf der 22. IKA-Kart, setzt auf Kartfahrer mit grünem Fuß. Von Katharina Hempel 

Die Firma vom Bodensee präsentiert auf der Leitmesse erstmals einen Bausatz, mit dem Piloten ihre Benzinkarts auf Elektrobetrieb umrüsten können. „Das ist ressourcenschonend, weil sie sich kein neues Gefährt kaufen müssen“, sagt Ralf Pioch von Smartemotion. Zweifel an der neuen Technik verfliegen laut Marketingchef so schnell, wie das E-Kart beschleunigt: unter drei Sekunden auf 100 kmh. „Die Bedenken sind da – bis einer drin sitzt“, berichtet er. „E-Karts haben ein höheres Drehmoment, eine bessere Energieausbeute und eine unglaubliche Geschwindigkeit. Wenn man aufs Gaspedal tritt, ist der Motor sofort da. Er hat nicht die Flexibilität eines Benzinmotors, der länger braucht, bis er anspringt.“

Die E-Motoren von Smartemotion sind auf eine Renndistanz ausgelegt. 30 Minuten flitzen sie ohne Probleme, nach einer Viertelstunde Ladezeit ist ihr Akkublock wieder startklar. Ralf Pioch: „Auf 100 Metern fahren sie einen Vorsprung von 50 Metern heraus. Kein Benzinkart käme dagegen an.“ Das findet mittlerweile auch Tobias. Der Sohn von Smartemotion-Geschäftsführer Georg Schmidt ist begeisterter Kartfahrer und gibt zu, gegenüber E-Motoren skeptisch gewesen zu sein: „Ich hatte am Anfang meine Zweifel, dass sie sich im Kartsport durchsetzen würden. Benzingeruch und Motorengeräusche gehören schließlich dazu. Aber Leistung und Drehzahl haben mich überzeugt“, sagt der 19-Jährige. „Außerdem sind sie so leise, dass man damit in der Mittagsruhe fahren könnte.“

Die nachhaltige und umweltfreundliche Entwicklung des Kartsports wird eben im Kopf entschieden. Dem kann sich Messeorganisator Botho Wagner nur anschließen: „Viele Motorsportler sind allem gegenüber misstrauisch, was nicht nach Benzin riecht und knattert. Dabei ist der Elektro- dem Benzinmotor eindeutig überlegen, weil sofort Schub da ist.“ Ein anderes Thema, das die Besucher und Aussteller der Kartmesse beschäftigt: Michael Schumacher. Drei Wochen nach seinem schweren Skiunfall liegt der ehemalige Rennfahrer immer noch im Koma. Seine Fans bangen weiterhin um sein Leben. „Schumi ist hier allgegenwärtig“, sagt Botho Wagner, der mit ihm persönlich befreundet ist. „Jeder fragt mich: Wie geht es ihm? Weißt du was? Aber ich kann leider auch nicht mehr sagen.“

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Hinter dem Organisator der IKA-Kart wird es laut: Am Stand von Rimo-Transportgeräte drücken Besucher das Gaspedal eines ausgestellten Karts durch. Der Lärm ist aber nur akustische Show. „Es gibt Leute, die würden nie in ein E-Kart einsteigen, weil es keinen Krach macht“, sagt auch Rimo-Produktionsleiter Georg Roters. „Wir bieten Rennbahnbetreibern drei verschiedene Motorengeräusche für ihre E-Karts an: Sechszylinder, V8 und Formel 1. Wir haben sie mit einem Mikrofon am Auspuff aufgenommen.“ Damit schließt die Firma aus dem sauerländischen Sundern seit zwei Jahren eine Marktlücke: Sie kümmert sich um den satten Sound, der E-Motoren fehlt. Das Brummen ist Last- und Drehzahlabhängig. Im Stehen blubbert der akustische Motor vor sich hin, tritt der Fahrer auf das Gaspedal, heult er auf. Die Lautsprecher sind auf Nierenhöhe hinter dem Fahrersitz eingebaut, der damit die Vibration des Motors spürt. Über der Hinterachse befindet sich die Soundanlage: Dort lässt sich mit einem Knöpfchen der Motorsound lauter oder leiser stellen. Kartfahrer der Zukunft haben Strom im Blut.

Kartmesse in Offenbach (2013) 

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