Kartoffelschalen werden zu Biogas

+
In dieser provisorisch auf dem Gelände der Deponie Wicker installierten Sortieranlage landet derzeit der komplette Offenbacher Hausmüll - jährlich 30 000 Tonnen.

Offenbach - Zunächst probeweise für ein Jahr lässt der Stadtdienstleister ESO seit Januar biologische Abfälle aus dem Hausmüll sieben. Dafür haben die Offenbacher auf dem Gelände der 45 Kilometer entfernt liegenden Deponie Wicker eine provisorische Sortieranlage gebaut. Die siebt jenes Drittel aus den jährlich 30 000 Tonnen Müll, das dann in Wicker zu Biogas vergärt wird. Von Alexander Koffka

ESO-Geschäftsführer Peter Walther ist überzeugt, dass dieses Verfahren der Biotonne ökologisch und ökonomisch überlegen ist. Das nachträgliche Sortieren ermögliche es, mehr biologische Abfälle zu gewinnen. Zudem spare es Logistikkosten. Für Stadtrat Paul-Gerhard Weiß ist es zudem ein Vorteil, den Bürgern eine zusätzliche Tonne und Aufwand beim Mülltrennen zu ersparen. Erfahrungen aus anderen Städten zeigten, dass in verdichteten Wohngebieten wie der Offenbacher Innenstadt der Anteil der Fremdstoffe in einer Biomülltonne ohnehin zu groß wäre.

Nach Berechnungen Walthers spart das gewählte Verfahren in diesem Jahr 500 000 Euro. Das liegt daran, dass die Müllverbrennung pro Tonne Hausmüll mit 240 Euro zu Buche schlägt. Dagegen kostet das Vergären oder Kompostieren lediglich knapp 50 Euro pro Tonne. Es ist also durchaus unwirtschaftlich, jene jährlich rund 10 000 Tonnen schwere biogene Fraktion innerhalb des Offenbacher Hausmülls wie in der Vergangenheit zu verbrennen.

In Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium sammelt der ESO nun zunächst für ein Jahr Erfahrungen mit dem nachträglichen Aussortieren des Biomülls. Ein Testat soll bestätigen, dass sich das so gewonnene Material tatsächlich vergären lässt, also in Biogas umgewandelt werden kann. Aus diesem wiederum werden Strom und Wärme gewonnen. Die übrig bleibende Schlacke findet in der Deponieverdichtung oder Landwirtschaft Verwendung. Während das biogene Drittel des Offenbacher Hausmülls nun in Wicker verbleibt, werden die anderen 20 000 Tonnen zurück nach Offenbach gekarrt und im Müllheizkraftwerk der EVO verbrannt.

Die bisherigen Erfahrungen mit der provisorischen Sortieranlage stimmen Geschäftsführer Walther zuversichtlich, dass das gewählte Modell dauerhaft funktionieren wird. Mit einer leistungsfähigeren Sortieranlage sei langfristig eine noch höhere jährliche Ersparnis zu erreichen. Allerdings brauche Offenbach Partner, um eine solche Anlage zu bauen und zu betreiben. Auf keinen Fall werde die mit viel Gestank verbundene Sortieranlage in Offenbach errichtet. „Als Standort kommen nur Deponien oder Steinbrüche in Frage, die nicht zu weit entfernt sein dürfen.“ Eine Entscheidung soll, sobald weitere Daten aus dem Probebetrieb vorliegen, möglichst noch in der ersten Jahreshälfte fallen.

Stadtrat Weiß zeigte sich überzeugt, dass es mit dem „neuen Offenbacher Modell“ gelingen kann, die Preise für die Bürger dauerhaft stabil zu halten. Wegen hoher Rücklagen hatte der ESO die Gebühren im Vorjahr um zehn Prozent gesenkt. Eine Erhöhung drohe frühestens 2011. Und die soll möglichst vermieden werden - auch mit Hilfe der Sortieranlage.

Kommentare