Den Motten folgt keine Motorsäge

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So mancher Besucher des Künstlermarkts erschrak am vergangenen Sonntag: Etliche der den Wilhelmsplatz prägenden Rosskastanien haben viel zu früh kahle Äste und Kronen, manche bereits braune Blätter, andere entwickeln Nottriebe.

Offenbach ‐ Sie fassen das Areal westlich und östlich ein, sind zwischen zehn und 16 Metern hoch und teils mehr als 70 Jahre alt. Und manche leiden unter vorzeitiger Kahlheit. 32 von einstmals 38 Rosskastanien sind am Wilhelmsplatz übrig geblieben. Von Thomas Kirstein

Etliche wirken, als sie müssten sie bald das Schicksal ihrer Artgenossen teilen, die, nach offizieller Lesart, wegen Schädigungen vom südlichen Teil verschwinden mussten. Ein Anblick, der Marktbesucher alle Jahre wieder zu Sommerausklang verblüfft und verstört. Einige Bäume haben trotz ausgiebiger Beregnung bereits Anfang September nur noch braunes Laub, andere fast gar keine Blätter mehr. In einem Wipfel über ansonsten kahlem Geäst sprießen frisches Laub und weiße Blüten - ein botanischer Notruf.

Finale Bekanntschaft mit der Motorsäge?

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„Der Baum merkt, dass ohne Blätter nicht mehr genügend Photosynthese möglich ist und treibt zur Unzeit neu aus“, erläutert Christina Türk-Döker. Die Grün-Fachfrau vom Amt für Stadtplanung und Baumanagement zerstreut aber Befürchtungen, dass einzelne oder gar alle Kastanien demnächst finale Bekanntschaft mit der Motorsäge machen müssten. „Die Kastanien werden zweimal jährlich von einer externen Firma überprüft, bislang ist nicht Dringendes vorgesehen“, versichert sie.

Larvenfraß lässt Blätter braun werden

Seit 1993 sucht die Bäume jedoch eine Invesion neuen Typs heim: Es ist die Rosskastanien-Miniermotte, die auch Offenbachs Bäumen zusetzt. Der Fraß der Larven des 1983 in Mazedonien entdeckten Insekts lässt Blätter vorzeitig braun werden und fallen, länger betroffene Bäume zeigen die beschriebenen Stresssymptome der Notblüte. In der Stadt verbietet sich Gift, konsequentes Aufsammeln von Laub wirkt nur mildernd.

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Der Innenstadtbaum muss also ein weitaus härterer Kerl sein als sein Bruder im Park. Immerhin: Die böse Motte schwächt ihn nur und ist kein Killer. Christina Türk-Döker ist sogar optimistisch, dass vielen Wilhelmsplatz-Bäumen noch 30 Jahre vergönnt sein könnten. Auch wenn man’s einigen momentan nicht so recht zutrauen mag.

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