Vom Kern her ausgehöhlt

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Die Fällung zweier Wilhelmsplatz-Rosskastanien belegt die von Fachleuten erkannte massive Schädigung.

Offenbach (tk) - Fällt ein Baum am Wilhelmsplatz, steigt die Erregung. Diesmal war die Motorsäge noch gar nicht angeworfen, als sich die Nachbarn meldeten. Das bereits in der vergangenen Woche angekündigte Aus für zwei Rosskastanien war Anlass für grundsätzliche Kritik am Umgang mit städtischem Grün.

Die immer engagierten Wilhelmsplatz-Anwohner Dr. Dorothea Terpitz und Bruno Becker etwa stellen einen Zusammenhang her zwischen, Umbauarbeiten, mangelnder Pflege und Zustand der Bäume. Auch die Pflasterung bis an die Bäume heran und der Missbrauch der Wurzelbereiche als Autoabstellflächen werden als mögliche Ursachen für Schäden angeführt. Gestern früh staubte dann das Sägemehl, erst fielen Äste, zuletzt die Stämme. Trotz rechtzeitiger öffentlicher Ankündigung wurden Bürger von der Aktion überrascht, wie E-Mail-Hinweise an die Redaktion belegen.

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Zweifel, es könne um die Bäume gar nicht so schlecht bestellt sein wie von den internen und externen Fachleuten des Stadtdienstleisters ESO behauptet, entkräftete gestern der Augenschein: Das Innere der Stämme ist hohl, wie angegeben, vom Pilz, dessen großer Fruchtkörper aus einem Spalt in Wurzelnähe gezogen worden war, morsch und zerfressen. Und das rührt offenbar nicht erst aus der jüngeren Zeit her, in der der Wilhelmsplatz umgebaut wurde.

„Die Schädigungen sind schon zwanzig bis dreißig Jahre alt, in die Verletzungen hat sich ein Pilz eingenistet und das Holz zerstört“, sagt Bodo Stricker, der beim ESO den „Service Öffentlicher Raum“ leitet. Angesehen haben das den beiden Kastanien die Arboristen, also die Baum-Biologen, der Firma Netzwerk Grün, die Offenbachs Stadt-Bäume regelmäßig begutachten. „Visual-Tree-Assessment“, kurz VTA, nennt sich die von ihnen angewandte systematische Kontrolle: Dabei werden „von der Optimalgestalt des Baumes abweichende Defektsymptome“ untersucht; sind starke Schäden vorhanden, werden Bäume auf ihre Standfestigkeit untersucht. Die Verkehrssicherheit sei bei zwei der 32 Bäume des Wilhelmsplatz-Altbestands nicht mehr gegeben gewesen, hatte der ESO mitgeteilt: Die umgehende Fällung sei unumgänglich.

Ersatz wird gepflanzt

Die beiden entfernten Bäume gehören zur ersten Generation der Wilhelmsplatz-Bepflanzung, sind etwa 80 Jahre alt: Für eine Rosskastanie war das einst kein Alter, innerstädtische Standortbedingungen und Beanspruchung des Bodens in vielen Jahren aber verringern die Lebensdauer. Auch sind sich Experten sicher, dass die sich verändernde klimatische Bedingungen mit einwandernden tierischen Schädlingen negativ auswirken. „Man muss wohl davon ausgehen, dass in den nächsten fünf bis zehn Jahren weitere Kastanien fallen müssen“, befürchtet Bodo Stricker.

Ersatz wird gepflanzt, welche Sorte Baum ist noch offen, Rosskastanien werden es jedoch keine mehr sein.

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