Adé, geliebte Kastanien

+
Kastanien prägen das Bild am Wilhelmsplatz. Alle lebensverlängernden Maßnahmen helfen offenbar nichts. In der kommenden Woche werden dort drei weitere Bäume gefällt.

Offenbach - Alexandras rauchige Stimme ist unvergessen: „Mein Freund der Baum ist tot...“ Es trifft mehr als 40 Jahre später die Situation am Offenbacher Wilhelmsplatz. Von den 30 Kastanien sind 27 geschädigt – Stand Januar 2012. Von Martin Kuhn 

Am kommenden Montag informiert der Stadtdienstleister ESO Journalisten über geplante Fällungen. Drei Kastanien sind nicht länger standsicher. Ist das erst der Anfang von einem finalen Einschnitt am prägenden Grün? Fest steht, dass die mehr als 70 Jahre alten Kastanien ihren Lebenszenit wohl überschritten haben. Ihnen setzen das Stadtklima mit Luftverschmutzung, eingewanderten Schädlingen und parkenden Autos zu. Diverse städtische Hilfsaktionen – von der Belüftung über Wurzelbehandlung bis zum Rammschutz – haben allenfalls die Fällung hinausgezögert. Nun sind drei Kastanien innen so verfault, dass am Mittwochmorgen Arbeiter die Motorsäge anwerfen.

Lesen Sie dazu auch:

Am Wilhelmsplatz fallen weitere Kastanien

Solche radikalen Maßnahmen sind eher als unpopulär einzustufen, wie unter anderem der Oberbürgermeister Horst Schneider erfahren musste. Im speziellen Fall hat die Politik mittlerweile reagiert. Eine „Arbeitsgruppe Baumschutz Wilhelmsplatz“ wurde vor nahezu zwei Jahren auf Beschluss des Stadtparlaments eingerichtet. In bislang sieben Sitzungen hörte die Gruppe Baumexperten an und ließ verschiedene Maßnahmen testen, wie Bewässerung und Düngung. „Damit verbesserte sich der Zustand weniger Kastanien deutlich, während andere kaum Reaktionen zeigten“, heißt es.

Nun fordern die Stadtverordneten Lucia Gerharz (Grüne) und Ulla Peppler (SPD) die zügige Umsetzung der Ergebnisse. Für Kastanien, „die trotz intensiver Pflegemaßnahmen nicht mehr zu retten sind“, sollen nun von Fall zu Fall Silberlinden (Tilia tomentosa) nachgepflanzt werden. Diese stellten sich nach intensiven Vergleichen verschiedener Baumarten für den Standort als am besten geeignet heraus. Die Silberlinde gilt als stattlicher Baum, der bis zu 30 Meter hoch werden kann. „Nach langer Suche haben wir mit der Silberlinde einen adäquaten Ersatz für die leider abgängigen Kastanien gefunden. Die Silberlinde fügt sich harmonisch in den jetzigen Baumbestand des Wilhelmsplatzes ein, da sie ein hochwachsender Baum mit viel Laubbesatz ist“, freut sich Lucia Gerharz. Eine schönere Alternative für die Kastanie hätte man nicht finden können“, ist die Grüne überzeugt.

Streit-Bäume in Offenbach gefällt

Streit-Bäume in Offenbach gefällt

SPD-Stadtverordnete Ulla Peppler ist ebenfalls überzeugt von der Neupflanzung: „Wir hätten die Kastanien sehr gerne behalten, aber auch nach anderthalb Vegetationsperioden mit intensiven Pflegemaßnahmen zeigt die Mehrzahl der Bäume keine nennenswerten Anzeichen von Gesundung. Ich denke, dass die Silberlinden, wenn sie erstmal eine ordentliche Wuchshöhe erreicht haben, die Besucher des Wilhelmplatzes mit einem dichten Blätterdach von sich überzeugen werden.“

Der Sozialdemokratin und der Grünen ist es äußerst wichtig, hervorzuheben, dass es am Wilhelmsplatz keinen Kahlschlag geben wird. Die Arbeitsgruppe sei sich einig, dass die Kastanien langfristig schlechte Überlebenschancen haben: „Das extreme Stadtklima mit zeitweise großer Hitze und verdichtetem Boden bekommt ihnen nicht“. Sobald die Gefahr besteht, dass zum Beispiel herabbrechende Äste Passanten gefährden könnten, setze die sogenannte Verkehrssicherungspflicht ein. Der Eigentümer, in diesem Fall die Stadt, werde im Zweifelsfall für Schäden haftbar gemacht. Und daher rücken Arbeiter in der nächsten Woche mit Motorsägen an...

Kommentare