Die Katze im Sack gewählt

Offenbach - (tk) Wenn’s vor und nach Wahlen um den Zustand von Republik und Demokratie geht, ist Jürgen W. Falter eine erste Adresse für die Rundfunkanstalten. Der Mainzer Professor weiß vor den Fernsehkameras auch stets Bescheid, welche entscheidenden Fehler sich die Parteien beim Wähler erlaubten.

Am Mittwochabend analysierte Wahl- und Parteienforscher Falter vor einem kleineren, aber durchweg interessierten Publikum die Lage: „Wahlen 2009 – kommt die Demokratie in die Wechseljahre?“ war sein Thema beim ersten Offenbacher Dialog des Jahres in der Industrie- und Handelskammer Offenbach.

Falter versprach eins: Ungewissheit. Im wohl etablierten Fünfparteiensystem könnten die Wähler im Voraus kaum mehr wissen, wer nach der Wahl mit wem koaliere. Mit ihrer Stimmabgabe kauften sie vielmehr die sprichwörtliche Katze im Sack. Auf der anderen Seite könnten die Parteien keinen ehrlichen Wahlkampf betreiben, da sie selbst oft nicht wüssten, welche Koalitionen sie nach der Wahl eingehen und welche inhaltlichen Kompromisse sie machen müssten.

Dass der Wähler die Parteien nach der Wahl „gerechterweise nicht beim Wort nehmen“ könne, so Falter, schüre Parteien- und Politikerverdrossenheit und gefährde auf Dauer das Vertrauen in die Demokratie. Helfen könne nur eine Wahlsystemänderung; eine Debatte nach der Bundestagswahl sei notwendig.

Das Grußwort für die Gastgeberin hatte Wolf Matthias Mang, der Erste Vizepräsident der IHK Offenbach, übernommen. Wählen zu gehen, sei ein Grundrecht, mit dem Dinge verändert werden könnten, sagte er. Deshalb sollte es auch genutzt werden. Das schlechteste Szenario für die Demokratie sei es, wenn die Wähler zuhause blieben.

Mang gab abschließend zu bedenken, dass das Image der Unternehmer durch die Wirtschaftskrise und das Handeln einzelner Akteure in der Öffentlichkeit gerade bei sozial Schwachen den Glauben an die Demokratie erschüttere. Dem mehrheitlich aus Unternehmern bestehenden Publikum empfahl er: „Wir müssen zeigen, dass wir ganz normale Menschen sind, müssen unseren Unternehmen ein Gesicht geben und soziale Verantwortung übernehmen“. Soziale Verantwortung und Wirtschaftsethik seien nur zwei Schlagworte, denen sich die IHK Offenbach künftig verstärkt in Form von Veranstaltungen widmen werde.

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