Handgemenge in Fußgängerzone

Dieb mit Schauspieltalent

Offenbach - Seinen Kampf mit dem Sicherheitsdienst eines Kaufhauses verfolgten vor einem Jahr rund 80 Leute. Nun stand der Ladendieb vor Gericht. Von Veronika Szeherova

 

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Oder, wie in diesem Fall, Richter Manfred Beck. Weil der Angeklagte zum ursprünglichen Gerichtstermin Mitte Juni viel zu spät losgefahren war und Geschichten über verspätetete Züge erfand, vertagte der Richter die Verhandlung und schickte ihn in Untersuchungshaft. „Dann ist er beim nächsten Mal pünktlich.“ Das war er beim gestrigen Termin im Offenbacher Amtsgericht – und gestand sofort. Sein Weg in die Freiheit dauerte nicht mal eine Stunde.

Der Reihe nach. Heute vor genau einem Jahr sorgte der Angeklagte Dominik K. für einiges Aufsehen in der Offenbacher Fußgängerzone. Nachdem er in der Galeria Kaufhof ein Parfüm mitgehen ließ, hielten ihn Sicherheitsleute fest. Dabei kam es zu einem Handgemenge, bei dem Fäuste flogen. K., der anscheinend über schauspielerisches Talent verfügt, startete einen „dramatischen Aufruf“, wie Richter Beck formuliert, und rief lauthals etwas von „Menschenrechtsverletzung“.

Menschenrechtsverletzung angeprangert

Etwa 80 Leute versammelten sich, um das Geschehen zu beobachten, eine ältere Dame wollte ihn gar befreien. „Lieber Junge, es ist gleich vorbei, die Polizei kommt“, soll sie sinngemäß gesagt haben. Für die Beamten war der mehrfach vorbestrafte 25-Jährige hingegen kein Unbekannter. Auch nicht für Beck, der ihn bereits in einem früheren Verfahren wegen Bedrohung mit Waffe zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt hatte.

„Ich war heroinabhängig und wollte das Parfüm verkaufen“, erklärt sich der Angeklagte. Er könne sich nicht genau erinnern, wie sich der Vorfall abgespielt habe. „Dass ich bewusst geschlagen habe, kann ich nicht sagen.“ Sein Körper sei übersät gewesen mit blauen Flecken, er habe Schürfwunden, einen Riss am Ohr und ein blaues Auge davongetragen. „Seit Januar bin ich drogenfrei, nehme nichts Hartes.“ Den gelernten Koch aus der Nähe Wieslochs hatte es durch seine Ex-Freundin zeitweise nach Offenbach verschlagen. Auf die schiefe Bahn sei er nach dem Tod seiner Oma geraten, bei der er aufgewachsen ist. Zu seinem Vorstrafenregister zählen Vergehen wie fahrlässige Gefährdung im Straßenverkehr, Beleidigung mit Körperverletzung und versuchte schwere räuberische Erpressung. Mittlerweile unterstützt ihn eine Bewährungshelferin.

Elf Monate auf Bewährung

Der Richter verhängt eine Bewährungsstrafe von elf Monaten, 80 Stunden gemeinnützige Arbeit und eine Bewährungszeit von drei Jahren: „Es war klassische Beschaffungskriminalität, Ihr Verhalten ist typisch für Entzug.“ Später werde man andere Urteile mit einbeziehen müssen zu einer Gesamtstrafe. „Dann wird es eng mit der Bewährung“, warnt Beck.

Rubriklistenbild: © Symbolbild / dpa

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