Spende an Theresienheim

Kaufhof wettet gegen die Offenbach-Post

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Erst die Arbeit, dann das Vergnügen: Viele Mitglieder des Spontan-Chors in der Fußgängerzone bedienen sich im Anschluss noch an der riesigen Galeria-Geburtstagstorte. Jedes Stück kostet einen Euro, dank verlorener Wette verdoppelt der Kaufhof aber den Erlös, der dem Theresienheim zugute kommt.

Offenbach - Zum 85. ging die Offenbacher Kaufhof-Filiale eine Wette mit unserer Zeitung ein: Sie glaubte, wir würden es nicht schaffen, gestern um 14 Uhr 85 Sänger an die Frankfurter Straße zu bestellen. Am Ende gab es einen Verlierer, der freute sich aber auch. Von Sarah Neder 

Jetzt mal ganz tief im Gedächtnis kramen: Bei „Wetten, dass...?“ gab es doch nicht nur einzelne Wettwütige, die besondere Fähigkeiten auszuspielen versuchten, sondern auch eine Wette zwischen Publikum und Moderator. Damals wettete Thomas Gottschalk gegen die Stadt, in der die Sendung zu Gast war. Diese Fernseh-Ära ist zwar Geschichte, Wetten macht aber trotzdem noch Spaß.

Vor allem, wenn der Einsatz – wie beim Firmenjubiläum der Kaufhof-Filiale an der Frankfurter Straße – einem guten Zweck dient. Ganz im Sinne der Stadtwette auf der Mattscheibe versprach Galeria-Filialleiter Matthias Bohn nämlich, den Erlös des Geburtstagstortenverkaufs zu verdoppeln, wenn mindestens 85 Offenbacher gestern um 14 Uhr ein Geburtstagsständchen in der Innenstadt darbringen. Aus einem Euro pro Stück Sahne-Creme mit grüner Verzierung würden zwei. Bei 300 Tortenteilchen macht das also 600 statt 300 Euro, die aufs Konto des Theresienheims wandern. Für viele Offenbach-Post-Leser war das Grund genug, den kurzen Weg ins Stadtzentrum auf sich zu nehmen und aus voller Brust „Happy Birthday“ zu schmettern.

„Wir wollen, dass der Kaufhof verliert“, sagt Margit Hönig, die mit ihrer Freundin Ingrid Breitenbach in die Fußgängerzone gekommen ist. Beide Frauen singen leidenschaftlich gern: Hönig ist Teil des Kirchenchors der Markusgemeinde; Breitenbach wirkt beim Chor Hemmungslos Bieber mit. Um Punkt 14 Uhr ist der Stand vor dem Haupteingang des Kaufhauses von Sangeswütigen umzingelt. Rechts vor dem Brillengeschäft hat sich die Kapelle der Offenbacher Stadtgarde aufgebaut. Sie stimmt die ersten Töne des Geburtstagslieds an, der Spontan-Chor setzt ein.

Matthias Bohn überfliegt die Köpfe grob und kommt zu dem Entschluss: „Die Wette haben wir klar verloren!“ Doch Bohn ärgert sich nicht, er ist froh, dass er dem Kinder- und Jugendheim die doppelte Spende überreichen kann. „Wir haben gern verloren, denn wir machen das für die Menschen in Offenbach, die mit dem Kaufhof groß geworden sind“, erzählt Bohn, dem auch die Idee zur Stadtwette mit der Offenbach-Post gekommen ist.

Bernadette Mrosek ist seit 16 Jahren Hauswirtschaftsleiterin im Theresienheim. Sie freut sich über die Unterstützung des Kaufhofs: „Das ist eine super Sache.“ Sie und Pfarrer Hubertus Picard sind stellvertretend für die Institution an der Rosenhöhe zum Jubiläum gekommen und helfen beim Tortenverkauf, damit eine möglichst große Spende zusammenkommt.

Denn die kann sie im Moment besonders gut gebrauchen: „Wir kümmern uns auch um junge Flüchtlinge, die ohne Eltern nach Deutschland gekommen sind“, berichtet Pfarrer Picard. Insgesamt betreut das Theresienheim etwa 600 Jugendliche, die in Dependancen in der Region untergebracht sind.

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