Beethoven-Demo bis ins Rathaus

Kaum Chance für Schulhof

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Schöne bunte Buchstaben, aber momentan eher triste Aussichten auf Wunscherfüllung: Die Beethovenschule demonstrierte gestern in der Innenstadt und im Rathaus für den vollständigen Erhalt ihres Schulhofs.

Offenbach - (mcr) Beethoven wäre schlicht empört gewesen über das ohrenbetäubende Pfeif- und Trommelkonzert, zu dem gestern Nachmittag einige Dutzend Kinder und viele Erwachsene seinen Namen auf Transparenten, Bannern und Schildern durch die Innenstadt ins Rathaus trugen.

Gegen den Schriftzug „100 Prozent Beethoven“ zu protestieren, hätte ihm allerdings nichts genutzt. Die schräge Geräuschkulisse diente nicht der Ehrung des Komponisten und Namensgebers der Beethovenschule, sondern der Rettung ihres Schulhofs.

Um dessen Erhalt in seinen heutigen Dimensionen steht es schlecht - und seit dem gestrigen Abend sogar noch schlechter. In der nach Abzug des Demonstrationszuges begonnenen Stadtverordnetenversammlung rückte die Offenbacher Ampelkoalition nicht von ihrem Plan ab, einen Teil des Beethoven-Schulhofs zu verkaufen, um Geld für das städtische Schulbauprogramm aufzutreiben. Den Antrag der CDU, das Pausengelände nicht zu opfern, warfen SPD, Grüne und FDP kurzerhand von der Tagesordnung, was wiederum die größte Oppositionspartei zu einer Demonstration von Wut und Entsetzen animierte. Der Disharmonien waren im Verlauf der Sitzung viele.

Und auch weiterhin dürfte es an kompromisslosen Tönen zum Thema Schulbau nicht mangeln, weder seitens politischer Mächte noch aus der Grundschulgemeinde. Mit „100 Prozent Beethoven“ hatte der wohlorganisierte Widerstand letztlich nicht alleine die Unversehrtheit von Spielgelände und altehrwürdigem Baumbestand vor Ort gemeint. Die mittlerweile von mehr als 2 000 Unterstützern unterschriebene Liste der Forderungen - von Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß, Kämmerer Michael Beseler und Stadtverordnetenvorsteher Erik Lehmann „mit Dank für das bürgerschaftliche Engagement“ entgegen genommen - spricht auch und vor allem vom Neubau.

Den soll die marode Schule sowieso bekommen. Ob allerdings „schnellstmöglich“, wie vom Elternbeirat angemahnt, und nach „modernsten pädagogischen Ansprüchen“, das bleibt vorerst unklar. Zugesagt hätten die Verantwortlichen jetzt zumindest, berichtete die stellvertretende Schulelternbeiratsvorsitzende Renate Schulte-Spechtel, „dass wir wenigstens über den Stand der Dinge informiert werden. Vielleicht noch in den Sommerferien.“

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