Verband warnt vor Angebotsrückgang

Kaum noch bezahlbare Wohnungen

Offenbach - Steigende Mietpreise, dramatisch zurückgehender Wohnraum: Alarmierende Ergebnisse, besonders auch für die Stadt Offenbach, fördert die neueste Studie zum Wohnungsmarkt in der Region zutage, die der Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW) vorgestellt hat. Von Fabian El Cheikh

Während die Preise für Eigentum zuletzt eher zurückgegangen sind, steht der Markt der Mietwohnungen in der Stadt Offenbach offenbar kurz vor dem Infarkt. Diese unmissverständliche Warnung äußerte gestern der VdW-Vorstandssprecher Dr. Rudolf Ridinger bei der Vorstellung der Studie, die sein Verband beim Institut für Wohnen und Umwelt (IWU) in Darmstadt in Auftrag gegeben hatte. Bedrohlich angespannt sei die Lage vor allem in Offenbach, aber auch im Kreis Groß-Gerau, in Darmstadt und Frankfurt. Entspannt stelle sich die Situation dagegen im Main-Kinzig-Kreis dar.

Ursachen für den Druck auf dem Wohnungsmarkt seien die demografische und wirtschaftliche Entwicklung im Rhein-Main-Gebiet, die Finanzkrise, die zur Flucht in „Betongold“ verleite, aktuell aber auch der große Mangel an Studenten- und Sozialwohnungen. „Wir beobachten diese Tendenzen zwar schon seit zehn Jahren, in ihrer Dimension sind sie jedoch eine völlig neues Phänomen.“

Weitere negative Folgewirkungen

Während sich die wohnungspolitischen Debatten auf die steigenden Mieten konzentrierten, zeigten sich bereits weitere negative Folgewirkungen der angespannten Wohnungsmärkte in den Städten Südhessens. „So sind die Wohnungsangebote zur Neuvermietung innerhalb eines Jahres um rund 15 Prozent zurückgegangen.“

Noch krasser zeige sich diese Entwicklung im Niedrigpreissegment. Haushalte mit unteren und mittleren Einkommen befänden sich in einer Abwärtsspirale. „Weil das Angebot bei Weitem nicht die Nachfrage deckt, neigen viele dazu, an ihrer Wohnung festzuhalten, obwohl sie eigentlich nicht mehr ihren Bedürfnissen entsprechen“, erklärt Ridinger die Folgen. „Die Konsequenz ist, dass der Markt in diesem Segment für Wohnungssuchende immer enger wird.“ In Offenbach und Frankfurt sei das Angebot an Zwei- und Drei-Zimmerwohnungen für Bedarfsgemeinschaften innerhalb von zwölf Monaten gar um mehr als 45 Prozent zurückgegangen. Das wiederum treibe die Mietpreise noch weiter in die Höhe. „Eine Stadt wie Offenbach wird künftig deutlich mehr für Unterkunftskosten ausgeben müssen.“

Zwar sei die Zahl der Bauanträge zuletzt um über 40 Prozent angestiegen. „Im Schnitt dauert es von der Entscheidung bis zum Spatenstich aber zwei Jahre, sodass sich diese positiven Effekte erst mit Verspätung auswirken.“ Von politischen Kreisen geforderte Mietendeckelungen minderten außerdem die Investitionsbereitschaft.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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