Auf der Suche nach Miss Perfect

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Ka ya Yanar

Mit Klischees weiß Kaya Yanar umzugehen. Doch Vorurteile gegenüber Offenbach hegt der gebürtige Frankfurter nicht. Im Gegenteil – er freut sich auf seinen Auftritt in der Stadthalle. Alexander Kroh hat sich mit dem 38-Jährigen unterhalten und dabei erfahren: Kaya ist noch zu haben!

Kaya, du bist gebürtiger Frankfurter. Wie ist es für dich, in Offenbach aufzutreten?

Das ist kein Problem. Ich war schon oft genug in Offenbach, hatte Freunde hier und bin hier auch ausgegangen. Es ist natürlich ein Unterschied, ob ich in Hannover auftrete, wo ich keine großen Berührungspunkte habe, oder dort, wo ich schon privat viel Zeit verbracht habe.

Würdest du denn auch nach Offenbach ziehen?

Nee, da bin ich doch zu sehr Frankfurter, wobei ich sagen muss, dass ich früher wirklich viel Zeit in Offenbach verbracht habe. Auf der Rosenhöhe haben wir vor 15 Jahren oft Basketball gespielt.

Im Fernsehen läuft gerade die zweite Staffel von „Stars bei der Arbeit“, Anfang des Jahres ist dein erstes Buch erschienen, seit Februar bist du auf Tournee – wie bringst du das alles zusammen?

Indem ich keine Familie habe. Es hat natürlich Vor- und Nachteile, wenn man keine Frau und keine Kinder hat. Ich bin 38 und habe privat kaum Verpflichtungen. Da habe ich alle Zeit der Welt, um meinem Hobby nachzugehen und meiner Kreativität freien Lauf zu lassen.

Sehnst du dich nicht nach einem Partner oder einer Familie?

Doch, absolut. Das ist ja immer so, wenn man Single ist. Ich rede oft mit Freunden, die schon längst verheiratet sind und Kinder haben, und dann sage ich immer: „Mensch, das muss doch toll sein, eine eigene Familie zu haben.“ Dann gucken die mich mit müden Augen an und sagen: „Sei doch froh, dass du Single bist, und genieße die Zeit.“

Muss man heute als Comedy-Star auf mehreren Hochzeiten tanzen, um erfolgreich zu sein?

Nee, das glaube ich nicht. Durch das satte Angebot an Comedians spezialisieren sich heute die meisten. Der eine macht nur Bühne, der andere will nur ins Fernsehen, einer schreibt Bücher, ein anderer Filme... Aber es gibt halt noch so Bekloppte wie mich, die gern alles mal ausprobieren.

Du willst auch die Kinoleinwände erobern. Wann kommt dein erster Film?

Der Film ist nächstes Jahr zu sehen. Die Dreharbeiten sind fast abgeschlossen und haben mir Riesenspaß gemacht. Es wird definitiv nicht mein letzter Kinofilm sein. Das ist schon ein ganz anderes Arbeiten als im Fernsehen und auf der Bühne. Da habe ich jetzt Blut geleckt.

Kannst du uns schon etwas zum Inhalt verraten?

Ich kann nur verraten, dass die bekannten Figuren, also Hakan, Ranjid, Benita und andere mit dabei sind. Ich werde sechs Rollen spielen.

Wie viel von Hakan, Francesco und Ranjid steckt eigentlich in dir?

Ich kann keine Prozentangaben machen, aber dass die in mir stecken, ist ganz klar, sonst könnte ich sie nicht abrufen. Auch Schauspieler müssen, wenn sie gewisse Gefühle hervorrufen wollen, diese Gefühle tatsächlich empfinden oder empfunden haben. Genauso ist das mit meinen Figuren: Die sind bei mir systemimmanent. Ich habe die Naivität eines Ranjid, die Geilheit eines Francesco und die Sturheit eines Hakan.

Welche deiner Figuren verkörperst du am liebsten?

Ich spiele alle sehr gern abwechselnd, weil es sonst zu monoton werden würde. Aber bei Ranjid kann ich mich natürlich total gehen lassen. Jeder andere müsste in die geschlossene Anstalt, aber ich kann mich da komplett austoben. Bei den meisten Comedians, mit denen ich befreundet bin, ist die Bühnenfigur nicht so weit weg vom Privatmenschen. Das ist teilweise erschreckend, wenn man an Johann König denkt, aber das ist eben einfach ’ne Type. Und wenn man bedenkt, dass Ranjid irgendwo in mir steckt, dann ist das auf der einen Seite zwar beängstigend, auf der anderen Seite aber schön, wenn ich das auf diese Weise katalysieren kann.

In deinen Shows nimmst du gern Nationalitäten aufs Korn. Warum kommt das beim Publikum an?

Die Leute mögen wohl meinen Humor und die Bilder, die ich zeichne, weil sie was damit anfangen können. Sie können sich damit identifizieren oder denken sich: „Was ist denn das für ein verrückter Kerl? Wie gut, dass er es nicht ernst meint!“ Natürlich interessiert sich das Publikum auch für verschiedene Kulturen, darum geht es ja in meinem aktuellen Programm „All Inclusive“, darum ging es immer in meiner Karriere. Nun erzähle ich von der Suche nach Frau Yanar, meiner „Miss Perfect“. Und diese Suche dehne ich auf verschiedene Länder aus, weil ich sie in Deutschland bislang noch nicht gefunden habe. Auf der ganzen Welt begegnen mir natürlich alle möglichen skurrile Typen und Abenteuer, die eng verbunden sind mit nationalen Eigenheiten und Klischees.

Können die Deutschen eigentlich über sich selbst lachen?

Absolut, 80 bis 90 Prozent meines Publikums ist ja deutsch. Da mache ich natürlich Scherze über die deutsche Sprache, zum Beispiel warum Bus mit einem „s“ geschrieben wird und Kuss mit zweien, obwohl es sich genauso anhört. Und dann philosophiere ich darüber, dass man wohl im Bus allein sitzen kann, aber zum Küssen zwei Leute braucht. Darüber lachen auch die Deutschen. Oder dass Rentner im Urlaub um fünf Uhr morgens aufstehen, um sich die Liegestühle zu reservieren. Ich erzähle keine Fantasiegeschichten, ich beobachte einfach nur und bin fähig, das Gesehene amüsant abzubilden. Ich halte den Leuten ein wenig den Spiegel vor die Nase.

Schreibst du eigentlich deine Gags selbst?

Auf der Bühne auf jeden Fall, das Drehbuch für den Kinofilm habe ich auch geschrieben. Bei „Was guckst du?“ hatte ich natürlich ein Team, weil wir jede Woche produziert haben. Da habe ich von Montag bis Donnerstag gedreht, und am Freitag war einfach keine Zeit mehr. Da hatte ich ein paar Autoren, die mir zuarbeiteten.

Beim Comedy Grand Prix 2011 (am 18. November auf RTL) beurteilst du zusammen mit Cindy aus Marzahn Comedy-Talente. Wie schwierig ist die Branche für Einsteiger?

Ich denke, es ist nicht mehr so schwierig wie vor zehn Jahren. Als ich damals in die Branche kam, gab es zwei, drei verschiedene Anlaufstellen. Mittlerweile ist das Angebot, aber auch der Bedarf an Comedians stark gestiegen. Viele Nischen sind besetzt. Wer nochmal in eine bestimmte Kerbe hauen will, muss das aus einem speziellen Blickwinkel tun, um etwas Neues zu bieten. Aber letztlich ist jeder Jeck anders, wie man in Köln sagt. Wer vor 20 Jahren versucht hätte, etwas auf die Beine zu stellen, hätte nur Kopfschütteln geerntet, die Leute hätten gesagt: „Wir kennen nur Kabarett und Theater. Was willst du Vogel denn hier?“

Du bist als Deutsch-Türke erfolgreich integriert. Warum gelingt das so vielen Menschen nicht?

Das hat viele Gründe. Wenn man als Einwanderer nach Deutschland kommt, bringt man natürlich seine eigenen Standards mit, was vollkommen legitim ist. Die Frage ist, welche Eigenheiten der fremden und der deutschen Kultur miteinander harmonieren und welche nicht. Ich hatte das Glück, dass mein Vater sehr liberal war und mich nicht religiös erzogen hat. Die Religion ist eine große Reibungsfläche, die bei mir gefehlt hat. Traditionen spielten bei uns keine Rolle, im Grunde genommen war ich vogelfrei. Mein Vater sagte: „Mach’ was du willst, mach’ nur Abitur und studiere. Den Rest musst du dir selbst zusammenschustern.“ Ich denke, bei der Integration ist vor allem für die jüngere Generation das Elternhaus wahnsinnig entscheidend.

Was können wir von dir in Zukunft noch alles erwarten?

Zunächst kommt der Kinofilm, dann läuft natürlich weiter meine Show bei RTL („Stars bei der Arbeit“). Mir macht die Zusammenarbeit mit Paul Panzer Spaß, und wir werden sicher noch weitere Folgen produzieren, aber ich will definitiv nochmal eine eigene Show haben. Dann toure ich im Frühjahr und im Herbst 2012 und im Sommer würde ich gern noch einen weiteren Kinofilm drehen. Jetzt aber freue ich mich erstmal auf Offenbach!

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