Die Kehrseite der Hochsaison

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Frank Peter Schüler zeigt im Waldschwimmbad auf der Rosenhöhe, dass die Ausstattung zum Teil aus Provisorien besteht. Schon mehrfach aufgebrochene Spinde, die zuvor in den Umkleiden standen, dienen - jetzt gut sichtbar angebracht - als Schließfächer. Allerdings bringen sich Badegäste dafür ihre Vorhängschlösser selbst mit.

Offenbach - Alle Jahre wieder, könnte man fast sagen. Dabei hat der Sommer erst begonnen. Fakt ist: Mit den Temperaturen steigt im Waldschwimmbad auf der Rosenhöhe auch die Kriminalität. Von Matthias Dahmer

Während draußen die Sonne die 30-Grad-Marke knackt, werden in den Umkleiden fast regelmäßig die Spinde aufgebrochen.

Sicher: Das ist keine Offenbacher Besonderheit. Überall in Deutschlands Freibädern gehört zur Hochsaison der Klau zum Alltag. Doch in diesem Jahr, hat man auf der Rosenhöhe beobachtet, fing es früher an als sonst. Bereits in den ersten warmen Tagen im Mai und auch bei schlechterem Wetter waren Diebstähle ein Thema. Unrühmlicher und öffentlichkeitswirksamster Höhepunkt: Der Einbruch in eine Umkleidekabine der U 21-Nationalmannschaft der Fußballer, die sich vor kurzem im Waldschwimmbad eine Trainingseinheit im Wasser gegönnt hatte und am Ende ohne ihre Handys abreisen musste.

„Alles was für uns einsehbar ist, ist normalerweise auch sicher“, heißt es beim Bad-Team. Weil man am Beckenrand nicht gleichzeitig auch alle Umkleiden im Blick haben kann, sind die Möglichkeiten begrenzt. Weshalb die Schließfächer für Wertsachen bereits am Bademeister-Haus angebracht wurden. Einige ältere Fächer standen zuvor in den Umkleiden, sie wurden entweder aufgebrochen oder die Kriminellen fertigten Zweitschlüssel an. Die Stammkundschaft unter den Badegästen bringt sich zum Teil eigene Vorhängeschlösser mit, den Besuchern wird generell seit langem geraten, Geld, Schlüssel oder Uhren in die Schließfächer zu packen oder Wertsachen möglichst erst gar nicht mitzubringen auf die Rosenhöhe.

15.000 Euro, schätzt man, würde ein Sicherheitsdienst kosten

Dabei ist das Schwimmbad mit dem sanierten großen Becken und den alten Bäumen auf dem weitläufigen Gelände eigentlich eine echte „Oase“ in Offenbach, wie der kommissarische Vereinsvorsitzende des Ersten Offenbacher Schwimmclubs (EOSC), Matthias Wörner, bei der Jahreshauptversammlung am vergangenen Mittwoch sagte. Auch bei den EOSC’lern, die das Bad für die Stadt betreiben und dafür jährlich 400.000 Euro überwiesen bekommen, war die Sicherheit ein Thema. Von der Schwierigkeit, von der Stadt etwa für die Anschaffung neuer Spinde einen Zuschuss zu erhalten, wurde berichtet. Oder davon, dass ein Schwimmkurs abgebrochen werden musste, weil die Kursleiterin von einer Gruppe Jugendlicher bedroht wurde. Man habe den Eindruck, die Stadt kümmere sich nicht darum, was mit dem Schwimmbad passiert, kritisierten Vereinsmitglieder. Wobei einige zugleich daran erinnerten, dass ohne das Waldbad Offenbachs Schulen wohl kaum ihrem Auftrag nachkommen könnten, Schülern das Schwimmen beizubringen.

Um die soziale Funktion des Bades weiß auch Sportdezernent und Oberbürgermeister Horst Schneider. Weshalb er versichert, der Badbetreiber EOSC werde nach Möglichkeiten unterstützt. Zu diesen Möglichkeiten gehört für ihn auch die Anschaffung sicherer Spinde. Die Vereinsspitze, rät Schneider sollten die zu diesem Zweck benötigten Dinge auflisten und das Gespräch mit den Verantwortlichen im Rathaus suchen. Beträge in einer Größenordnung von bis zu 50 000 Euro im Jahr, sagt der Verwaltungschef, müssten im städtischen Haushalt noch unterbringen zu sein. Außerdem: „Die Stadt wird keinen Verein in die Insolvenz treiben“, versichert Schneider. Bedeckt hält ich der OB bei einem Sicherheitssdienst, der - wie in vielen anderen Bädern üblich - zu den Spitzenzeiten für Ordnung sorgen könnte. So etwas, sagt Schneider, müsse auch finanzierbar sein. Er setzt auf soziale Kontrolle und das „direkte Ansprechen“ auffälliger Besucher.

15 000 Euro, schätzt man beim EOSC, würde ein Sicherheitsdienst pro Freibadsaison kosten.

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