ESO kehrt schadstoffarm

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Gas geben für ökologisch korrekteres Kehren: Ob sich die neue Technik des niederländischen Herstellers Ravo bewährt, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.

Offenbach ‐  Vor drei Jahren hat’s das Parlament beschlossen: ein sogenanntes Klimaschutzprogramm für Offenbach. Das ehrgeizige Ziel: Bis 2030 sind die jährlichen CO2- Emissionen von derzeit ungefähr 1,25 Millionen auf zirka 740 000 Tonnen zu senken. Von Martin Kuhn

Also: Weniger Schadstoffe für ein besseres Stadtklima. Jetzt zeigt sich die Kommune selbst auf dem ökologisch korrekten Weg. Zwei Wochen lang testet der Stadtdienstleister eine gasbetriebene Kehrmaschine. Und ESO-Chef Peter Walther denkt bereits darüber nach, im nächsten Jahr ein Müllfahrzeug mit Hybrid-Antrieb anzuschaffen. „Da wären wir gerne als erste dabei...

Das Gefährt der niederländischen Firma Ravo ist leicht zu unterscheiden von der üblichen ESO-Flotte: grün statt weiß; wesentlich größer als die zehn kleinen Kehrmaschinen, aber kleiner als die vier großen Kehrmaschinen. „In dieser Größenordnung haben wir nichts. Für größere Gewerbeflächen ist das sicher ideal“, sagt Walther. Ein vorschnelles Urteil mochte er gestern nicht fällen: „Warten wir ab, wie sich das Fahrzeug in den zwei Wochen bewährt - etwa bei der Wendigkeit.“

So viel ist sicher: Es wird neben der ökologischen auch eine kaufmännische Bilanz geben. Klar ist, dass die Anschaffungskosten höher sind als bei den herkömmlichen Kehrmaschinen: 137 000 statt 100 000 Euro. „Unverhandelt“, wie Peter Walther betont und offenbar auf einen Mengen-Rabatt spekuliert. „Verhandelt“, kontert Ravo-Manager Jacob van Rijswijk, der zum Termin in Offenbach angereist ist, um fürs Produkt zu werben.

Acht-Stunden-Schicht packt er problemlos

65-Kilo-Erdgastanks speisen den 136-PS-Erdgasmotor - eine 8-Stunden-Schicht packt der mobile Kehrer problemlos. Aufgetankt wird die Kehrmaschine einmal am Tag bei der Gasversorgung Offenbach, die den Treibstoff kostenfrei zur Verfügung stellt. Der Schmutzbehälter fasst annähernd zwei Kubikmeter, im Wassertank führt das Fahrzeug 380 Liter mit. Der erste, kurze Eindruck der Fahrer: Das Antriebssystem läuft einwandfrei. Über die CO2-Emission lässt sich freilich nichts sagen.

Dafür aber über einen anderen Effekt: „Die Maschine erscheint mir wesentlich leiser als die üblichen Diesel-Modelle“, urteilt Stadtrat Paul-Gerhard Weiß rein subjektiv. Die Firma Ravo spricht davon, dass der eingebaute Motor etwa 70 Prozent des üblichen Lärmpegels erzeugt. Auch das ist sicher ein Punkt, der bei der weiteren Diskussion zu bedenken ist. „Lärm ist stets eine sehr emotionale Debatte“, sagt der FDP-Politiker.

Gerade im Herbst, wenn etliche Tonnen Laub zu beseitigen sind, gehen viele Offenbacher auf die Barrikaden, wenn schon am frühen Morgen die ESO-Mitarbeiter mit ihren Laubbläsern kräftig Gas geben. In der nächsten Aufsichtsrat-Sitzung des ESO wird das ein Thema sein: leisere Modelle, andere Einsatzzeiten.

Aber nachher soll sich bloß keiner beschweren, dass die Straßen und Wege in Offenbach nicht mehr sauber sind“, sehen die kommunalen Dienstleister bereits die nächsten Beschwerden auf sich zukommen. Und Betriebsleiter Peter Walther ergänzt mit Blick auf die Zahlen: „Besen sind definitiv keine Alternative.“

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