Kein Alltag an den Schulen in Stadt und Kreis

Offenbach - Der Amoklauf von Winnenden hinterlässt nicht nur 16 Tote, sondern auch Schrecken über die unfassbare Brutalität, mit der der junge Täter vorgegangen ist. Die Angst vor ähnlichen Taten im eigenen Umfeld und die Frage, wie man an Schulen mit dem Thema umgehen soll, ist erneut erwacht.

Erschreckende Bilder, die durch die Nation gingen, machen es schwierig, den üblichen Stundenplan einzuhalten. Es besteht Redebedarf, sowohl bei den Schülern als auch bei den Lehrern.

An den meisten Schulen in Stadt und Kreis wurde es den Lehrern freigestellt, mit den Schülern bei Bedarf über die Problematik zu reden. Schulseelsorger und Sozialarbeiter wurden in die Betreuung der Kinder mit eingebunden. „Unsere vier Schulpsychologen sind jederzeit einsatzbereit“, sagt Dr. Peter Bieniussa, Direktor des staatlichen Schulamtes in Offenbach.

Lehrer und Schulleiter seien geschult und in der Lage, ihre Schüler ausreichend zu begleiten. Es sei wichtig, verängstigte Schüler zu beruhigen und ihnen zu vermitteln, dass Vorbereitungen getroffen wurden, um solche Tragödien zu verhindern.

Dennoch ist die Wachsamkeit aller gefragt, die mit jungen Menschen arbeiten. In einer E-Mail an alle Schulen in Stadt und Kreis bat Birgitta Hedde, stellvertretende Amtsleiterin, alle Hinweise auf Gewalttaten oder Trittbrettfahrer ernst zu nehmen und entsprechend weiter zu leiten.

Thomas Findeisen, Schulleiter der Schillerschule in Offenbach, weiß, dass das Bedürfnis, über das Geschehene zu sprechen, groß ist. Anstelle von Mathematik- oder Englischunterricht wurde an seiner Schule viel diskutiert. „Zeit für Gespräche kommt an Schulen oft viel zu kurz“, meint der Pädagoge. Die prophylaktischen Maßnahmen hält er jedoch für ausreichend. „An unserer Schule gibt es viele Programme, die daran arbeiten, Gewalt zu erkennen und vorzubeugen.“

Auch in Grundschulen geht man nicht zur Tagesordnung über. „Wenn die Kinder fragen, reden die Lehrer mit ihnen über das, was passiert ist“, sagt Hannelore Grebe, Schulleiterin der Offenbacher Waldschule. „Das wichtigste ist, den Kindern die Angst zu nehmen.“

Am Langener Dreieich-Gymnasium reagierte die Schulleitung noch am Tag des Amoklaufs. „Ich habe kurzfristig eine Konferenz einberufen, bei der das Kollegium über die Vorfälle informiert und unser Umgang mit der Situation besprochen wurde“, berichtet Direktor Bernhard Zotz. Gestern früh fanden sämtliche Lehrkräfte Memos vor, in denen die Schulleitung dazu aufforderte, den Unterricht hintan zu stellen, sofern die Schüler über die schrecklichen Ereignisse in Winnenden zu sprechen wünschten. Zur immer wieder gestellten Frage nach geeigneten Präventionsmechanismen werde sich kein Patentrezept finden lassen, meint der Direktor. „Wir können Lehrer und Schüler in Gesprächen sensibilisieren, aber die Entwicklung jedes einzelnen Schülers lässt sich trotzdem nicht absehen“, so Zotz. „Man muss eingestehen, dass Lehrer überfordert sind, wenn es darum geht, Erziehungsprobleme zu erkennen, geschweige denn, sie zu lösen. Für diese Fälle wünsche ich mir mehr professionelle Hilfe direkt an unserer Schule in Person von Sozialpädagogen oder Psychologen.“ An den meisten Schulen wurden die Krisenstäbe zusammengerufen, um die mit der Polizei erarbeiteten Notfallpläne und die aktuellen Interventionsmaßnahmen zu besprechen.

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