Arbeitskreis enttäuscht über Stadt

Kein Fest für die Waldhofer

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Dietrich Kuschel, Peter Heckt, Severin Baron und Erich Herrmann vom Arbeitskreis Waldhof auf der Wiese, auf der das Waldhoffest bisher gefeiert wurde. Der Bebauungsplan in ihren Händen zeigt, wie das Gelände künftig stattdessen genutzt werden soll.

Waldhof - Das Waldhoffest, wie es die Bewohner des Ortsteils seit Jahrzehnten kennen und schätzen, wird es in dieser Form nicht mehr geben. Von Veronika Szeherova

Während der Vorbereitungen erhielt der Arbeitskreis Waldhof die Nachricht, dass das Gelände, auf dem das Fest traditionell gefeiert wurde, verpachtet wird. Dort entsteht eine Kinderkrippe.

Das Areal Ottersfuhrstraße, Ecke Kleewasem, wurde laut Beschluss der Stadtverordnetenversammlung an eine Erbbauberechtigte übertragen, die sich verpflichtet hat, dort innerhalb von zwei Jahren eine Kinderkrippe zu errichten. Die Wiese steht für das Waldhoffest, das der Arbeitskreis Waldhof dort jahrelang ausgerichtet hat, nicht mehr zur Verfügung.

„Wir sind nur dagegen, dass wir  nicht einmal informiert wurden.“

Die Enttäuschung ist groß bei dessen Mitgliedern. Die Entscheidung der Stadt habe sie völlig überrascht. „Erst die Leiterin der geplanten Krabbelstube hat uns überhaupt darüber telefonisch informiert“, sagt Dietrich Kuschel. Dass die Stadt eine andere Verwendung des Grundstücks beabsichtigt, sei dem Arbeitskreis nicht bekannt gewesen. Im Gegenteil. „Die Magistratsmitglieder als Ehrengäste haben das Fest immer in höchsten Tönen gelobt“, sagt Sprecher Peter Heckt. Der ehrenamtliche Einsatz und die Integrationsarbeit seien stets als wichtig für den Ortsteil mit schwieriger Bevölkerungsstruktur hervorgehoben worden.

Erich Hermann stellt klar: „Wir sind keineswegs gegen die Kinderkrippe. Wir sind nur dagegen, dass wir nicht in die Entscheidung mit einbezogen, ja nicht einmal darüber informiert wurden.“ Schließlich habe der Arbeitskreis wesentlich dazu beigetragen, dass das Gelände überhaupt nutzbar wird. Der verdreckte Ententeich, lange ein Schandfleck, sei dadurch aufgewertet worden. „Wir haben einen moralischen Anspruch, partnerschaftlich mitzureden“, sagt Herrmann.

Ersatzgelände steht nicht in Aussicht

Ein Ersatzgelände mit den erforderlichen technischen, hygienischen und sanitären Voraussetzungen stehe laut Arbeitskreis derzeit nicht zur Verfügung. Daher wird er in diesem Jahr kein Fest ausrichten. „Wir hoffen, dass wir nächstes Jahr das Gelände der neuen Grundschule nutzen können. Wir haben Herrn Schwenke gebeten, uns an den Pausenhofplänen zu beteiligen“, sagt Kuschel. Stadtrat Felix Schwenke, selbst Mitglied des Arbeitskreises, nahm kürzlich an einem Runden Tisch teil. „Wir haben ihm unsere Meinung offen und brutal gesagt. Es hat richtig gekracht“, geben die Arbeitskreis-Mitglieder zu.

Schwenke bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung, dass er bedaure, wie unglücklich der städtische Entschluss zustande kam. Doch es sei für die Verwaltung „sehr schwer, bei solchen Entscheidungen alle mit einzubeziehen, die einbezogen werden wollen“. Wünschenswert wäre es aber gewesen. „Ich kann den Ärger nachvollziehen.“ Dass aber die Wiese von Vornherein ein Provisorium war, habe der Arbeitskreis wohl „irgendwann nach dem zweiten Fest vergessen. Das ist ganz menschlich.“ Nun gelte es, das Beste aus der Situation zu machen. Er habe vorgeschlagen zu prüfen, ob das Fest auf die Ottersfuhrstraße verlegt werden könne. „Für den Bieberer Markt sperren wir auch die Straße, ich wüsste also kein tragfähiges Argument dagegen, es auch in Waldhof so zu machen“, so Schwenke.

Ein etabliertes Fest kann nicht von heute auf morgen auf die Straße verlegt werden

Die für den Arbeitskreis ausschlaggebende Nähe zum Gebäude des Waldhof-Treffs sei gegeben, die von zwei Seiten befahrbare Ottersfuhrstraße könne problemlos so gesperrt werden, dass den Bewohnern noch Zufahrtsmöglichkeiten blieben. „Die meisten Feste finden auf der Straße statt, warum nicht auch dieses?“, fragt der Stadtrat und bedauert, dass der Arbeitskreis nicht auf seinen Vorschlag eingegangen sei und „lieber das Fest abbläst“.

Kuschel setzt dem entgegen, dass ein etabliertes Fest nicht „von heute auf morgen auf die Straße“ verlegt werden könne: „Es ist eine ganz andere Form, auf die wir von unseren Begebenheiten her nicht einfach umspringen können.“ Die städtische Entscheidung im Alleingang habe Chancen vertan, über Perspektiven für den Ortsteil nachzudenken – auch über das Fest hinaus. Etwa in Bezug auf das marode Einkaufszentrum. „Waldhof braucht einen Ort zum Wohlfühlen.“

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