Kein Frankfurter Sozial-Zuzug

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Die Frankfurte ABG baut im „Stadtumbaugebiet“.

Offenbach - Der Magistrat berät heute eine Vorlage, die bereits die Gerüchteküche angeheizt hat: Frankfurt, so heißt es wieder einmal, wolle Sozialhilfempfänger mitten in Offenbach ansiedeln. Von Thomas Kirstein

Wie schon beim Hafenviertel speist sich die Unterstellung aus dem Umstand, dass das städtische Wohnungsunternehmen der Nachbarstadt, in Offenbach baut: nicht nur 150 Einheiten am Main, sondern bald auch welche auf dem Gelände des ehemaligen MAN-Roland-Werks an der Christian-Pleß-Straße.

Horst Schneider weist die Gerüchte zurück

Aktuelle Bedenken betreffen die 50 geförderten von insgesamt dort vorgesehenen 168 Wohneinheiten. Für 18 soll die ABG, wenn der Magistrat heute zustimmt, von der Stadt Offenbach ein Wohnungsbaudarlehen in Höhe von 700.000 Euro erhalten - je 37 500 Euro Zuschuss-Kredit pro Einheit erlauben günstige Mieten. Bei dem Geld handelt es sich um Einnahmen aus der Fehlbelegungsabgabe der Jahre 2009 bis 2011.

Es ist an Wohnbauzwecke gebunden, der Stadt fehlen aber die ergänzenden Mittel, um es sinnvoll in Neubauten zu investieren. Frankfurt hat’s, bekommt deshalb auch ein Förderdarlehen vom Land und baut in Offenbach.

In der eingangs befürchteten Weise werden die Frankfurter die Wohnungen auf dem Roland-Areal kaum belegen. Oberbürgermeister Horst Schneider weist die Gerüchte zurück. Um ihnen jegliche Nahrung zu entziehen, ist die heute zu beratende Vorlage noch um eine eindeutige Passage ergänzt worden: „Es wird dabei sicher gestellt, dass eine Belegung durch die Stadt Frankfurt nicht zu einer Zuweisung von Beziehern von Transferleistungen aus dem Bezirk der Stadt Frankfurt in den der Stadt Offenbach führt.“

Zielgruppe sind unter anderem junge Familien mit Kind

Schneider betont zudem, dass es sich bei den ABG-Wohnungen nicht um klassische Unterkünfte für Menschen handeln werde, die von Hartz IV lebten: „Die 5,20 Euro pro Quadratmeter, die eine dort geförderte Wohnung nach den Frankfurter Vorgaben kosten wird, kommen für die nicht in Frage.“

Zielgruppe sind unter anderem junge Familien mit Kind - der Polizist und die Krankenschwester, die bei teureren Wohnungen Anspruch auf Wohngeld hätten.

In der Vorlage genannt sind „Studenten, Senioren, Alleinerziehende und Großfamilien“. Sie sollen den Kern eines Mehrgenerationenwohnens bilden und „zu einer Stabilisierung des Quartiers beitragen“. Bei den Großfamilien - voraussichtlich ein Dutzend - handele es sich um Offenbacher, für die der gegenwärtige Markt kein ausreichendes Angebot habe.

Engagement der ABG wird weitere Lücken schließen

Das Engagement der ABG wird nach Einschätzung des Oberbürgermeisters weitere Lücken schließen. Mit nur sieben Prozent liegt der Anteil des geförderten Wohnungsbaus in Offenbach weit unter dem Durchschnitt. Einen zusätzlichen Bedarf sieht auch die Gemeinnützige Baugesellschaft Offenbach.

Im „Stadtumbaugebiet“ zwischen Wald-, Senefelder- und Christian-Pleß-Straße, für das die Stadtverordneten im November 2010 ein städtebauliches Konzept beschlossen, sieht die ABG den Passivhausstandard vor. Die daraus resultierenden niedrige Energiekosten sollen das neue Wohngebiet zusätzlich attraktiv machen. Eine ursprünglich dort vorgesehene Grundschule ist allerdings der städtischen Finanzmisere zum Opfer gefallen. Stattdessen gibt es eine großzügige Grünfläche.

Festgelegt ist, dass höchstens 30 Prozent der Wohnungen im Quartier öffentlich geförderte - also, wie es früher hieß, Sozialwohnungen - sein dürfen. OB Schneider freut sich besonders über die 118 frei finanzierten ABG-Wohnungen, die erstmals das neue Mietspiegel-Segment zwischen neun und elf Euro pro Quadratmeter abdecken.

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