Sanierungsbedarf in Offenbach

Kein Geld für kaputte Straßen

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Schluss mit Schlagloch-Pisten: Kaputte Straßen in Offenbach sollen flott saniert werden. Das fordert die IG BAU Rhein-Main. Doch für eine grundlegende Sanierung der lokalen Fahrbahndecke fehlt es an Geld.

Offenbach - Alle Frühjahre wieder blicken Experten kritisch auf den Zustand des Straßennetzes – bundesweit, landesweit, stadtweit. Die Bilanz fällt meist wenig ermutigend aus. Vor Jahren wurde der Sanierungsbedarf der Offenbacher Straßen mit 20 Millionen Euro veranschlagt. Von Martin Kuhn 

Tatsächlich dürfte er erheblich höher liegen. Aktuell muss der Stadtdienstleister ESO jedoch mit 620.000 Euro auskommen. Ein Missverhältnis, das nicht allein Autofahrer nervt und durchschüttelt. Vor einem Jahr beklagte Anja Fröhlich: „220 Kilometer städtischen Vermögens gammeln weiter vor sich hin.“ Für diese Äußerung und vorgeschlagene Alternativen (Verzicht auf den Marktplatzumbau) erntete die CDU-Stadtverordnete viel Kritik seitens der Koalition. An der Sache und dem Etat selbst hat sich nichts geändert.

Auf der Prioritätenliste des ESO stehen derzeit drei Abschnitte im Stadtgebiet ganz oben – sofern es zwischenzeitlich nicht an anderer Stelle akut wird. Da ist zunächst einmal die stark frequentierte Kreuzung Waldstraße / Hessenring, die an einigen Stellen mittlerweile erhebliche Furchen aufweist. Ebenfalls als dringend eingestuft wird in Bieber die Kreuzung Bremer / Langener Straße sowie in Bürgel die Rumpenheimer Straße. Und wann geht’s endlich los? Trotz milder Witterung wagt der ESO-Sprecher Oliver Gaksch keinerlei Prognose. „Fakt ist: Die Straßenbauer benötigen für ihren Job Temperaturen von durchgängig acht Grad.“ Das ist auch der Grund, warum der langrüsselige „Patcher“ noch nicht unterwegs ist. Mit diesem Fahrzeug bessern Mitarbeiter der Straßenunterhaltung punktgenau Schäden aus. An einem Schlagloch angelangt, wird es per Luftdruck gereinigt und mit Bindemittel eingesprüht. Danach erfolgt das Auffüllen mit Emulsions- und Splittgemisch, um die Schäden auf Fahrbahndecken zu beseitigen. Vorteil: Es ist schneller und effektiver als die üblichen Verfahren.

So entsteht ein Schlagloch

So entsteht ein Schlagloch

Erheblich langsamer kommen indes die beiden Teams voran, die derzeit die allerschlimmsten Schäden provisorisch stopfen – händig. Heißt in der Praxis: Kaltbitumen auffüllen, feststklopfen, absplitten, nächstes Schlagloch. „Wir haben ordentlich zu tun“, sagt Gaksch, zumal parallel (Winter-) Schäden an Geh- und Radwegen zu beheben sind. Eine Liste, die sich ständig selbst erneuert. Jedes Schlagloch, das nicht gestopft wird, meldet sich in der nächsten Saison zurück – und zwar noch größer und tiefer. Diese meldet die reguläre Straßenkontrolle des Dienstleisters, oder aber die Offenbacher direkt – entweder per Servicetelefon oder Kontaktformular im Internet. Allein elektronisch sind bis Ende vergangener Woche 41 Meldungen aufgelaufen.

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Ein bundesweiter Aufruf der IG Bauen, Agrar und Umwelt mit dem Auto Club Europa (ACE), gefährliche Löcher per zentralem „Schlagloch-Melder“ durchzugeben, ist also nicht unbedingt notwendig. Gleichwohl heißt es in einer Studie im gemeinsamen Auftrag: „Bleibt jedoch der allgemeine Trend einer Reduzierung der Aufwendungen für die Instandsetzung und Erneuerung bestehen, werden Beschilderungen mit Geschwindigkeitsbeschränkungen oder Angaben zum zulässigen Gesamtgewicht in der nahen Zukunft vor allen für Landesstraßen und kommunale Straßen die Regel sein.“ Der Schlussbericht datiert vom April 2005...

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