Kein Grund zur Sorge

Offenbach Die Zeit der Absagen ist gekommen: Trotz des Rechtsanspruchs auf Betreuung für unter Dreijährige ab August bekommen viele Eltern keinen Platz. Von Sabrina Kristen

Aber kein Grund zur Verzweiflung: Ein Interesse, schnell wieder die Arbeit aufzunehmen, haben schließlich nicht nur die Arbeitnehmer. „Wenn gut qualifizierte Beschäftigte frühzeitig wieder arbeiten, reduzieren sich die Kosten für Überbrückung und Wiedereinstieg. Der Verlust an Wissen und Kontakten bleibt gering“, sagt Markus Weinbrenner, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Offenbach. Er rät Eltern deshalb, gemeinsam mit dem Unternehmen die Auszeit zu planen. Ein reibungsloser Wiedereinstieg sei für beide Seiten ein Gewinn, da die Gewissheit, dass die Kinder gut betreut sind, die Motivation und Identifikation des Mitarbeiters erhöhen, so Weinbrenner.

Bereits vor Ablauf der Elternzeit sollte über ein passendes Arbeitszeitmodell nachgedacht werden. Verschiedene Teilzeit-Optionen, Job-Sharing und flexible Arbeitszeiten sind zentrale Instrumente für einen raschen Wiedereinstieg. Zunehmend bieten Unternehmen spezielle Ferienprogramme für Kinder an, um so den Übergang zwischen Elternzeit und Wiederaufnahme des Berufs möglichst reibungslos zu gestalten.

Einige Arbeitgeber übernehmen die Kinderbetreuungskosten oder gewähren einen Zuschuss. So werden beispielsweise die Angestellten der Offenbacher IHK mit einem festen monatlichen Betrag unterstützt. Auch von staatlicher Seite wird eine derartige Förderung unterstützt: Sind die Konditionen erfüllt, ist der Zuschuss für die Kinderbetreuung steuerfrei und die Sozialversicherungspflicht entfällt. Unter Umständen kommt der Chef auf diese Weise günstiger weg, als wenn er dem Arbeitnehmer eine Gehaltserhöhung geben würde.

Immer mehr Unternehmen engagieren sich mittlerweile sogar noch stärker im Bereich der familienfreundlichen Politik. So steigt die Zahl der Betriebskitas seit Jahren. Laut den aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden lag sie im vergangenen Jahr bereits bei 586. Als positives Beispiel geht das Kerntechnik-Unternehmen Areva GmbH am Offenbacher Kaiserlei voran. In der Betriebskita „Energiebündel“ werden rund 24 Kinder betreut. Die Krippe befindet sich im Erdgeschoss des Bürogebäudes - praktisch für Eltern und Kind. In der Andréstraße haben die EVO und Siemens gemeinsam mit dem Arbeiter-Samariter-Bund die Kindertagesstätte „Die kleinen Stromer“ gegründet.

Die EVO punktet nicht nur durch Betriebskita, sondern auch durch weitere familienfreundliche Maßnahmen. Bereits zum zweiten Mal ist das Energieunternehmen mit dem Zertifikat „Audit Beruf und Familie“ der Hertie-Stiftung ausgezeichnet worden. Dass der Einsatz der Wirtschaft aus der Kitaplatz-Misere helfen kann, hat auch der Bund entdeckt und zwei große Förderprogramme aufgelegt. So können Unternehmen im Rahmen des Programms „Betriebliche Kinderbetreuung“ eine Anschubfinanzierung für bis zu zwei Jahre beantragen, wenn sie zusätzliche betriebliche Kinderbetreuungsplätze einrichten.

Dabei unterstützt das Bundesministerium für Familie jeden neu geschaffenen ganztägigen Betreuungsplatz mit 400 Euro im Monat. Bedingung ist, dass sich der Arbeitgeber selbst mit mindestens 250 Euro monatlich an den Betriebskosten beteiligt. Bei der Anfangsinvestition ist eine Kofinanzierung durch Länder und Kommunen möglich. Dafür stellt seit Februar die KfW-Kreditanstalt zinsgünstige Förderkredite zur Verfügung. Ist das Arbeitgebern eine Nummer zu groß, können sie auch im kleineren Rahmen neue Plätze schaffen und von öffentlicher Förderung profitieren: Für die Festanstellung einer Tagesmutter oder eines Tagesvaters bietet das „Aktionsprogramm Kindertagespflege“ staatliche Hilfen an.

Welche Variante für den eigenen Betrieb die passendste ist, ermittelt online ein Förderlotse anhand von Kriterien wie Alter der Belegschaft und Größe des Unternehmens. „Durch den meist engen und persönlicheren Kontakt zu den Arbeitnehmern, haben gerade kleinere Unternehmen die Chance, individuelle und passgenaue Lösungen gemeinsam mit den Mitarbeitern zu finden“, sagt IHK-Geschäftsführer Weinbrenner.

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