Kein Hungerlohn im Stadtbus

Offenbach - OVB: Unsere Sonnenschein-Fahrer verdienen 7,50 Euro / SPD-Kämmerer ist damit zufrieden - SPD-Fraktion nicht

Die Affäre um Hungerlöhne im Hainbachtal gewinnt an politischer Brisanz. Nachdem Alois Rautschka, Geschäftsführer der Offenbacher Verkehrsbetriebe (OVB) mit der Firma Sonnenschein gesprochen hat, ist für ihn und seinen Aufsichtsratschef, Kämmerer Michael Beseler (SPD), der Fall erledigt. Für die SPD-Fraktion keineswegs. „Damit geben wir uns nicht zufrieden“, sagte Fraktionschef Stephan Färber gegenüber unserer Zeitung.

Wie eine gestern verbreitete städtische Pressemitteilung berichtet, sei „aus Sicht der OVB zufrieden stellend und glaubhaft geklärt“ worden, dass die auf der OVB-Linie 104 abends eingesetzten Sonnenschein-Fahrer nicht mit Hungerlöhnen abgespeist werden. Die für die „OVB-Abendminis“ Eingestellten würden pauschal entlohnt. „Es ergeben sich Stundenlöhne, die über 7,50 Euro liegen“, teilt Rautschka mit.

SPD-Fraktionschef Färber erwartet jedoch, dass eine Firma, die im Auftrag der OVB Linien bedient, nach Tarif bezahlt. Das würde einen Stundenlohn von 9,77 Euro erfordern. Zudem interessiert Färber, wie Sonnenschein die übrigen Fahrer entlohnt, die insbesondere Behinderte der Werkstätte Hainbachtal befördern. Es sei in „höchstem Maße unseriös“ und entspreche „Wild-West-Methoden“, wenn diese Fahrer lausig bezahlt werden. Im Gegensatz zu SPD-Stadtrat Beseler reicht es Färber nicht, lediglich darauf zu achten, wie jene gestellt sind, die im Linienbetrieb fahren. Um von einer Stadttochter Aufträge zu erhalten, sollten Firmen generell Mindeststandards einhalten.

Ein Offenbacher Hartz IV-Empfänger, der im vergangenen Jahr als Mitarbeiter der Firma Sonnenschein Behinderte aus dem Kreis Offenbach zu ihrer Arbeit ins Hainbachtal und wieder nach Hause gefahren hatte, machte dieser Tage Verdienstabrechnungen öffentlich. Aus diesen ergab sich - wie berichtet - ein Stundenlohn von ungefähr 2,50 Euro. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat daraufhin angekündigt, Strafanzeige wegen Lohnwuchers gegen die Firma Schulbusse Sonnenschein zu stellen, deren hessische Dependance sich im Offenbacher Hainbachtal befindet.

Anscheinend sei es bei der Firma Sonnenschein so gewesen, dass Mitarbeiter deutlich über die vertraglich vereinbarte Stundenzahl arbeiten mussten, stellt der SPD-Stadtverordnete Andreas Schneider in einer Pressemitteilung fest. Wenn Sonnenschein, die von der Firma als „interne Fehler“ bezeichneten Missstände nicht abstelle, werde sich die SPD dafür einsetzen, dass die Stadt andere Unternehmen für die Linie 104 einsetze.

Am kommenden Montag will sich Hans-Joachim Uecker, Geschäftsführer der Awo-Behindertenwerkstätte, mit Verantwortlichen der Firma Sonnenschein treffen. Sollte er zu dem Entschluss kommen, den Vertrag „aus ethisch-moralischen Gründen“ kündigen zu müssen, stehe er wohl vor einem großen Problem. Es werde nicht leicht sein, eine Firma zu finden, die mit dem zur Verfügung stehenden Geld den Fahrdienst für die Behinderten ebenso gut hinbekommt und zudem noch vernünftige Löhne bezahlt.

Für die Offenbacher SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA) ist der „Lohnskandal bei Sonnenschein“ Anlass sich bei der nächsten Zusammenkunft am Mittwoch, 4. Februar, um 17.30 Uhr in der Waldgaststätte Rosenhöhe ausführlich mit der Notwendigkeit eines flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohns von wenigsten 7,50 Euro befassen. Die Ereignisse unterstrichen die Notwendigkeit eines Mindestlohns, meint AfA-Vorsitzender Stefan Metz.

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