Kein Mauscheln um Kleingärten

Offenbach - Den Hochhausschluchten ganz nah und doch so fern. Davon träumen viele. Doch wie kommt man zur Erholung im Grünen zwischen Selbstgepflanztem? „Da wird doch gemauschelt, horrende Abstandszahlungen sind an Vorbesitzer zu leisten“, lautet eine gängige Meinung, begründet auf Erfahrungen älterer Laubenpieper und Erzählungen. Bis zu 10 000 Euro müsse man berappen, um einem Kleingartenbesitzer den letzten Spatenstich zu vergolden und Nachfolger zu werden, heißt es. Schließlich wollten Altbesitzer Investitionen in Datschen wieder herausholen.

So laufe das schon lange nicht mehr, beteuert Dieter Weppe, Vorsitzender des Stadt- und Kreisverbands der Kleingärtner Offenbach. Seit mehr als 30 Jahren selbst Kleingärtner, steht er seit 2001 dem Verband vor, dem 16 Vereine in der Stadt und 17 im Kreis mit 4 300 Gärtnern angehören. „Eine Parzelle im Kleingartenverein kostet nicht die Welt“, erläutert Weppe. Zwischen sieben bis zehn Cent pro Quadratmeter zahlen die Mitglieder in seinem Verbandsgebiet an Pacht - pro Jahr.

In Offenbach gehört das Pachtgelände der Kommune, die Vereine sind die Generalpächter, die die Parzellen - zwischen 300 und 600 Quadratmeter groß - an ihre Mitglieder weiter verpachten. Die geringen Preise sind auch deshalb möglich, weil Kleingartenvereine als gemeinnützig anerkannt sind.

Aufgegeben werden die Anlagen meist von älteren Kleingärtnern, die aus gesundheitlichen Gründen die Arbeit nicht mehr schaffen, oder von Umzüglern. Sie alle hoffen freilich auf Abstandszahlung vom Nachnutzer. Aber auch die sind geregelt. Zunächst hat die Kündigung der Parzelle bis zum dritten Werktag im August zu erfolgen, bis 30. November ist sie spätestens an den Verein zurückzugeben. Eine dreiköpfige Wertermittlungskommission nimmt den Bestand auf und gibt die Daten in ein vom Gesetzgeber entwickeltes „Kleingärtnerprogramm“ in den Computer ein. Nichts bleibt dem Zufall oder der Spekulation überlassen. Ist etwa eine Laube zu groß (maximal 24 Quadratmeter inklusive überdachtem Freisitz) wird eine Rückbauverfügung erlassen. „Viele meinen, ihre Parzelle sei eine Immobilie mit Wertzuwachs - das ist ein Irrtum“, sagt Weppe. Und wer die Laube mit wertvollen Holzpaneelen ausgestattet hat, bekommt dies nicht honoriert. Das Alter der Laube ist wichtig und ob sie aus Holz oder Stein gebaut ist. Eine hölzerne Hütte verliert drei Prozent Wert pro Jahr, die steinerne fünf Prozent. Bewertet wird zudem der Pflanzbestand im Garten. Zwischen 1 500 und 3 500 Euro betrage im Mittel der Wert einer computerberechneten Abstandszahlungen, sagt Weppe, wobei der Betrag vom Nachfolger zu zahlen sei, nicht vom Verein.

Der Verein jedoch sucht den Bewerber aus. Mauscheleien von Vorbesitzer und Nachfolger seien in Kleingartenanlagen nicht mehr möglich, sagt der Vorsitzende. Da die organisierten Laubenpieper einen hohen Altersdurchschnitt aufwiesen, seien die Kolonieverwalter bemüht, junge Familien einzubinden. „Und da vermitteln wir auch schon mal zwischen Altbesitzer und Nachfolger, schauen, dass der ermittelte Abstand vielleicht in Raten gezahlt werden kann.“

Hat man sich eine Laube ergattert, sind eine Menge Regeln zu beachten, denn das Kleingartengesetz sieht eine konkrete Nutzung vor: Siedler haben die Drittelregelung zu befolgen. Der Kleingarten soll jeweils zu einem Drittel genutzt werden als Nutzgarten mit Gemüse, Beeren, Sträuchern, Kräutern, Obstbäumen und Kompost; als Erholungsgarten mit Laube, Wiese und Sitzecke sowie als Ziergarten mit Stauden, Ziersträuchern und Hecken.

Die Nutzungsbestimmung gibt immer wieder Anlass für Diskussionen in den Vereinen, weiß Weppe. Einige Hobbygärtner fühlten sich bevormundet, andere hielten sie für nicht zeitgemäß. „Viele denken, die Parzelle wäre ein reiner Freizeitgarten. Doch reine Freizeitgärten müssen außerhalb der geförderten Kleingartenanlagen angelegt werden, und dort ist die Pacht viel teurer.“

Wer subventionierter Kolonist werden möchte, kann derzeit auf einen von rund 100 freien Kleingärten in Stadt und Kreis hoffen, 20 davon sind in Offenbach zu haben. „Und ständig werden wieder welche frei“, sagt Weppe.

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