Stellplätze für Behinderte

Autofahrer haben keinen Respekt vorm Rollstuhl

+
Parkplätze für Behinderte werden häufig nicht nur von diesen genutzt. Auch manch lauffauler Zeitgenosse stellt sein Vehikel ganz dreist dort ab.

Offenbach - Wie oft hat sich Stephanie Meier beim Einkaufen schon aufgeregt. Sie wird nicht die einzige sein. Von Fabian El Cheikh 

Irgendwann hat die Offenbacherin genug und macht ihrem Ärger schriftlich Luft: „Sowohl der Lieferverkehr parkt fast täglich quer die beiden reservierten Parkplätze für Rollstuhlfahrer zu als auch rücksichtslose Kunden“, teilt sie dem Kundenservice des Lebensmittelriesen Rewe mit. Meier untermauert ihre Beobachtungen, die sie über einen längeren Zeitraum gemacht hat, mit Zahlen. Ihr Urteil ist vernichtend. Fast ausnahmslos nutzten Nichtberechtigte die Stellplätze. „An verschiedenen Tagen parkten innerhalb eines kurzen Zeitraums jeweils mehr als 20 Nichtberechtigte auf den Behindertenparkplätzen des Markts, selbst dann, wenn der komplette Parkplatz fast leer war.“

Das war im Sommer. „Inzwischen muss ich mitteilen, dass sich die Parkplatzsituation für Behinderte dort sogar noch dramatisch verschlechtert hat.“ Meier bittet die Marktleitung darum, „dauerhaft und energisch dafür zu sorgen, dass die reservierten Parkplätze ausschließlich von Berechtigten benutzt werden.“ Ihr Vorschlag: Die am Eingang postierten Sicherheitsmitarbeiter könnten einen Blick darauf werfen und notfalls einschreiten.

Faktisch nicht umsetzbar

Antwort des Konzerns: Faktisch nicht umsetzbar. Nicht, dass Rewe-Sprecherin Anja Krauskopf kein Verständnis für die Kundin aufbringt. Der Versuch, dies umzusetzen sei jedoch „vergebene Liebesmüh’“. Über 30 Parkplätze, darunter zwei Behinderten- und zwei Familien- beziehungsweise Mutter-Kind-Parkplätze, verfügt der Markt an der Löwenstraße. Nicht gerade wenig. „Doch die Situation an dieser Filiale ist schwierig“, meint die Sprecherin, „da auch viele Besucher des Wetterdienstes dort ihr Auto abstellen.“

Derzeit lasse man jede Woche zwei bis drei Dauerparker abschleppen, dauerhaft bekomme man die Situation aber nicht in den Griff. „Das Problem kennen wir an allen Standorten, nicht nur in Offenbach“, betont Krauskopf und ergänzt: „Dem Leiter des Markts am Klinikum wurden schon die Reifen am eigenen Fahrzeug zerstochen, als er Kunden auf das unberechtigte Parken hinwies.“ Generell, so die Sprecherin, sei die Einsicht der Gesellschaft gefragt.

200 Bußgelder im Monat

Wie es um diese bestellt ist, davon kann das Ordnungsamt ein Lied singen. Während der Lebensmittelkonzern sich offenbar nicht in der Lage sieht, dafür Sorge zu tragen, dass die Stellplätze ausschließlich von Berechtigten genutzt werden, sanktionieren die Mitarbeiter des städtischen Amts „Falschparker“ ohne entsprechenden Schwerbehindertenausweis auf öffentlichen Flächen mit Knöllchen. Und die gibt’s zuhauf: „Jeden Monat verteilen wir an die 200 Bußgelder“, berichtet Holger Stephan, Sachreferent in der Abteilung Verkehrsplanung. Das sind jeden Tag mehr als sechs Knöllchen. Kosten: 35 Euro.

Insgesamt gibt es in der Stadt verteilt 200 Stellflächen für motorisierte Behinderte. Davon dürfen 189 nur von der jeweils berechtigten Person oder demjenigen, der diese befördert, genutzt werden. „Insgesamt hält sich die Zahl in etwa die Waage, obwohl wir immer wieder neue Flächen als solche ausweisen.“ Seit 2011 seien jedoch mehr barrierefreie Parkplätze entfernt als eingerichtet worden. „Die meisten davon befinden sich rund um die Fußgängerzone sowie an allen S-Bahn-Stationen.“ Bedarf herrsche aber beispielsweise auch an Sanitätsfachgeschäften.

Ein Beispiel aus jüngster Zeit: „Der Bieberer Gewerbeverein hat sich an die Stadt gewendet, um Behinderten eine Parkfläche am Stadtteil-Friedhof zur Verfügung zu stellen“, berichtet Stephan. Das sei von den Behörden genauestens geprüft und als sinnvoll erachtet worden, „zumal sich dort zwei ohnehin schon breitere Stellplätze für die Ausweisung als Behindertenparkplatz anboten.“

Das Online-Magazin „Rolling Planet“, das sich an Senioren und Menschen mit Handicap richtet, kennt die Probleme rund ums Parken. Es bietet Betroffenen ausdrucksstarke Hinweisschilder zum Herunterladen an, die Fremdparker als „Parkplatzschweine“ bezeichnen und die demonstrativ an deren Windschutzscheibe geklemmt werden können. Weitere Informationen: www.rollingplanet.net.

Kommentare