Nur kein Alois Senefelder auf dem Sockel

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Zu wenig für Senefelder: Lediglich eine Betonstele erinnert an die Häuserzeile Domstraße 21 -27, wo einstmals auch der Erfinder der Lithographie wirkte. Sie musste in den 60er Jahren der Berliner Straße weichen. Gestern begutachteten die Wettbewerbsteilnehmer den Ort, wo die „Senefelder-Skulptur“ voraussichtlich stehen wird.

Offenbach - (tk) Das Licht, das dank Johannes Gutenberg Mainz als Geburtsstätte des Buchdrucks erleuchtet, stellt die Stadt nicht unter einen Scheffel. Anders Offenbach: Wenn es darum geht, seine Bedeutung als Wiege einer fast ebenso revolutionären Entwicklung im Kommunikationswesen herauszustellen, wirkt man bislang bescheidener.

Zu bescheiden, meinen die Mitglieder des Rotary-Clubs Offenbach, und auch nicht angemessen: Wurde 330 Jahre nach Gutenberg von Offenbach aus doch ein weiterer weltweiter Umbruch eingeleitet.

Von der Domstraße aus kam Alois Senefelders Erfindung des Steindrucks ab 1800 über Filialen des Musikverlags André in Europas Hauptstädte. Als „Lithographie“ machte das Verfahren, das auch die Vervielfältigung von farbigen Zeichnungen und Landkarten erlaubt, internationale Karriere. Sie leitete das Ende des Bleisatzes ein, aus ihr ging der moderne Offset-Druck hervor.

Das soll nun mit mehr als nur einer nach Senefelder benannten Straße, einem originalen Nachbau seiner Stangenpresse im Museum und der Erwähnung auf einer Betonstele gewürdigt werden.

Die Rotarier möchten Offenbach um eine „Senefelder-Skulptur“ bereichern. Sie soll im Büsingpark, von der Berliner Straße aus sichtbar, „an die Erfindung bzw. die Wurzeln der Lithographie in Offenbach erinnern und den Ort Offenbach am Main mit der Erfindung der Lithographie sichtbar verknüpfen“.

Wie so etwas aussehen kann, liegt jetzt am Einfallsreichtum von zehn Absolventen der Hochschule für Gestaltung. Die Professoren Heiner Blum (Experimentelle Raumkunst), Wolfgang Luy (Bildhauerei) und Peter Eckart (Produktdesign) haben sie als Teilnehmer für einen von den Rotariern ausgeschriebenen geschlossenen Wettbewerb ausgewählt. Was dabei herauskommt, ist offen, der Herr Senefelder auf einem Sockel wird es allerdings kaum sein.

Eine der wenigen Vorgaben besteht darin, dass das verwendete Material der Witterung standhält - Senefelders Solnhofener Kalkschiefer wäre das nicht. „Es ist nicht einfach zu lösen“,sagte gestern HfG-Präsident Bernd Kracke. Der Professor gehört zur Jury, die im Spätherbst entscheidet, welcher Entwurf (Zeichnungen, Modelle, Computeranimationen) realisiert wird. Ebenfalls Preisrichter sind der Bildhauer Claus Bury und die Rotarier Martin Lange (Beiratsvorsitzender der Internationalen Senefelder Stiftung, früher Vorstand bei MAN Roland), Dr. Thomas Frühauf und Christian Steguweit. 2010 soll das Objekt hergestellt werden, das Preisgeld besteht im Honorar für den Künstler.

Um die 20 000 Euro darf die Skulptur kosten. Die Rotarier sammeln noch, Zusagen über 10 000 Euro haben sie bereits. Mit dem Wettbewerb will der Club auch ausdrücklich HfG-Absolventen fördern. Eine Ausschreibung über die Grenzen der Stadt hinaus wie vor 25 Jahren kam diesmal nicht in Frage. 1996 bescherten die Rotarier Offenbach das viel beachtete Werk „Folded Square D“ von Fletcher Benton, das an der Ecke Berliner/Kaiserstraße den Beginn des von der Stadt geplanten „Skulpturenwegs“ markiert.

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