Kein Sprung ins kalte Nass

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Weit und breit keine Badegäste: Nach wie vor ist der Schultheisweiher in Bürgel geschlossen, und während der Sicherheitsdienst für die Durchsetzung des Verbotes und die Säuberung des Strandes sorgt, stellen CDU-Politiker die bisherige Sanierung und den künftigen Badebetrieb in Frage. Den Sonnenhungrigen, die trotzdem kommen, bleiben derweil nur die kalten Duschen

Offenbach - Die Tage in diesem Sommer sind rar gesät, an denen der Sprung ins kalte Nass zur unumstößlichen Maxime der persönlichen Freizeitgestaltung gehört. Nun ist es zwar endlich mal eine - wenn auch kurze - Zeitlang am Stück sonnig und heiß, da wird dem daheim gebliebenen Urlauber schon wieder der Spaß verwehrt. Von Fabian I. El Cheikh

Zumindest dann, wenn er die Erfrischung am Schultheisweiher sucht.

Das kleine Gewässer bei Bürgel bleibt Offenbachs Sorgenkind. Sonnenhungrig liegen einige Jugendliche, jüngere und ältere Pärchen, FKK-Enthusiasten und Einzelgänger im erst vor Monaten frisch aufgeschütteten Sand und auf der ausgedehnten Wiesenfläche. Baden aber dürfen sie nach wie vor nicht. Bereits seit zwei Wochen ist der Weiher mit rot-weißem Flatterband abgesperrt: Mal wieder ist es eine kritische Konzentration von Blaualgen - hauptsächlich an den Gewässerrändern -, die den Badefreunden den Spaß verdirbt.

Es ist schon sehr, sehr schade, dass man nicht ins Wasser darf“, bedauert Thomas Göbel , „aber wir haben keine Lust auf Hautausschläge.“ Der 38-Jährige Oberräder, der mit seiner Freundin an den Weiher gekommen ist, bringt es auf den Punkt: Baden ist und bleibt hier eine kritische Angelegenheit. „Uns bleibt nichts übrig als eine kühle Dusche.“

Bereits kurz nach der Eröffnung der diesjährigen Saison im Naturschutzgebiet Anfang Mai musste die Stadt auf die steigende Blaualgenkonzentration hinweisen. Sie ließ Schilder aufstellen, die vor Gesundheitsgefahren für Kinder und Kleinkinder warnten. Zwölf Wochen lang hielt der Weiher trotzdem durch und blieb geöffnet, wie Bürgermeisterin und Umweltdezernentin Birgit Simon (Grüne) nicht müde wird zu betonen. Drei ganze Monate, in denen das Wetter freilich viele Wünsche offen ließ - und damit eben auch auf einen Badesee-Besuch leichtfertig verzichtet werden konnte.

Nun also - ausgerechnet während der aktuellen Hochsommerhitze - erneut die Sperre, und nicht nur unter den Offenbacher Bürgern, sondern auch in der Stadtpolitik stellt sich zunehmend die Frage, ob die vor vier Jahren begonnenen Sanierungsmaßnahmen des Ökosystems tatsächlich fruchten.

In einer Anfrage an den Magistrat stellen die CDU-Stadtverordneten Simon Grüttner und Tobias Männche die Zukunft des Weihers als Badegewässer in Frage: Inzwischen sei es, so die Unionspolitiker, „mehr zur Regel als zur Ausnahme“ geworden, dass der Weiher in den Sommermonaten für Badegäste nicht zur Verfügung stehe. Männche kritisiert: „Über drei Jahre Sanierung und zwei Jahre mehr oder weniger regelmäßige Sperrungen, so lange dauert das Drama nun schon an.“

Um aus dem ungewollten Status Quo heraus zu kommen, fordert die CDU eine dauerhafte Sanierung des Weihers, es müssten „jetzt endlich“ effektive und nachhaltige Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Wasserqualität ergriffen werden: „Die regelmäßigen ‚Hoffnungen‘ des Umweltamtes, bald kritische Grenzen unterschreiten zu können, helfen niemandem weiter.“

Dort, beim Umweltamt, reagiert man auf solcherlei Kritik gelassen. Man erhoffe sich von der schrittweisen Sanierung, so hieß es gestern auf Anfrage unserer Zeitung, dass das Ökosystem eines Tages tatsächlich vollständig regeneriert sei und ein dauerhafter Badebetrieb möglich werde. Schon nächstes Jahr wolle man mit neuen Versuchen die Algenproduktion mittels Kaliumeinschüttung ins Wasser verringern. „Wir planen dazu mehrere Labortestreihen und wollen dann die Ergebnisse auswerten“, berichtet Projektleiter Helmut Teichmann-Kucharskis.

Die eigentlich adressierte Bürgermeisterin bleibt trotz der ungeduldigen CDU-Anfrage gelassen: „Es ist naiv zu glauben, der Weiher sei wie ein Schwimmbad. Wir können nicht einfach das Wasser herauslassen oder Chlor reinschütten.“ Es handele sich um ein sensibles ökologisches System, das behutsam und schrittweise saniert werden müsse. Dies aber sei angesichts der hohen Aufenthaltsqualität in dem Gebiet lohnenswert.

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