Kein Wasser ohne die Wendels

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Betti und Gustav Wendel wurden am Freitagmittag von Sozialminister Stefan Grüttner mit dem Hessischen Verdienstorden am Bande geehrt.

Offenbach - „Wenn man in Offenbach irgendwo Wasser sieht, denkt man automatisch an Betti und Gustav Wendel. “ Mit diesem einen Satz bringt Sozialminister Stefan Grüttner den Grund seiner Anwesenheit auf den Punkt. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Das Ehepaar Wendel, dem er am Freitagmittag im Rathaus den Hessischen Verdienstorden am Bande verleiht, ist seit Jahrzehnten mit der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) verwachsen wie wahrscheinlich kein zweites im Land.

Grüttner freut sich, ihnen die Auszeichnung für hervorragende Verdienste um das Land Hessen zukommen zu lassen, eine, die er nicht jeden Tag vornimmt. „Das, was sie geleistet haben, reicht eigentlich für mehrere Leben“, so Grüttner in seiner Laudatio.

Große Worte, die neugierig machen auf das Leben der eigentlich ganz einfachen Leute: Betti und Gustav kennen sich seit ihrer Schulzeit von 1936 bis 1944. Beide sind gebürtige Offenbacher. Sie heirateten 1952 und bekamen einen Sohn und zwei Töchter. Gemeinsam betrieben sie bis 1970 ein Fleischereifachgeschäft. Neben Familie und Selbstständigkeit war seit jeher ein großer Teil der freien Zeit für die DLRG reserviert.

Betti ist seit 1955 Mitglied und hält seitdem das Amt der Frauenwartin im Vorstand der DLRG Offenbach. 1979 bis 1991 war sie zudem Mitglied im Vorstand des Landesverbandes und dort insbesondere für die Aus- und Weiterbildung der Kameradinnen zuständig. Darüber hinaus bot sie Ski- und Wassergymnastikkurse für Gesunde und Menschen mit Behinderung. Ihr besonderes Augenmerk galt schon immer der Unterstützung des weiblichen Geschlechts. So initiierte sie in Zusammenarbeit mit dem damaligen Frankfurter Professor Edgar Ungeheuer eine Wasserbetreuung krebskranker Frauen.

Mit 14 Jahren erstes Ehrenamt

1992 wurde das Paar beim damaligen Sozialdezerneten der Stadt, Stefan Grüttner, vorstellig. Die Schließung dreier Bäder drohte das Seniorenschwimmen zu beenden. Grüttner organisierte einen Bus, der die älteren Menschen jede Woche ins Bad nach Obertshausen brachte. Bis heute leiten Betti und Gustav - beide haben mittlerweile die 80 erreicht - die Seniorenschwimmstunden in Obertshausen, zu denen sich einmal die Woche 50 bis 60 Teilnehmer treffen.

Gustav trat 1940 der DLRG bei. Bereits mit 14 Jahren übernahm er sein erstes Ehrenamt als Jugendleiter in Stockstadt. 1955 wurde er Beisitzer, seit 1968 ist er Vorsitzender und technischer Leiter der Ortsgruppe Offenbach. Er ist Inhaber aller Prüfungen, Sonderprüfungen und Scheine, die der DLRG überhaupt zu vergeben hat. Zahlreiche Rettungsstationen, das Schulschwimmen und Behindertenschwimmen wurden aufgrund seines Einsatzes ins Leben gerufen. Überdies wirkte Gustav an einem Modellversuch zur Tilgung von Ersatzfreiheitsstrafen durch gemeinnützige Arbeit und beim Katastrophenschutz des Landes mit.

Neben dieser langen Liste gab es für Wendels auch noch Zeit für andere Ehrenämter. Von 1963 bis 2002 wirkte Gustav als Prüfer beim Deutschen Motor-yachtverband, er ist seit 2004 Beisitzer im Seniorenbeirat der Stadt und seit über 40 Jahren im Verwaltungsrat der Heilig-Kreuz-Kirchengemeinde tätig, Betti hat dort von 1955 bis 1998 den Frauenkreis geleitet und war einige Jahre im Vorstand der CDU.

„Heute hab ich wieder acht Leute rausgeholt!“

In seinem Schlusswort lobt Stefan Grüttner: „Beim DLRG geht es letztendlich ums Leben retten während andere sich vergnügen. Das man dem über so lange Jahre nicht überdrüssig wird, zeugt von einer großen Zuwendung zum Menschen.“

Harald Blum, Präsident des DLRG-Landesverbandes, kann dem nicht mehr allzuviel hinzufügen. Er übermittelt beste Grüße des gesamten Landesvorstandes und der Geschäftsführung. Ohne Gustav Wendel wäre es in den Aufbaujahren gar nicht denkbar gewesen, alles stemmen zu können. Er habe die Ausbildung für Ausbilder ins Leben gerufen, diese Idee sei bis heute prägend.

Oberbürgermeister Horst Schneider war vor ein paar Wochen Gast bei der Regatta der Rudergesellschaft Undine. Dort traf er Gustav, der natürlich nicht zum Vergnügen dort weilte und ihn mit den Worten begrüßte: „Heute hab ich wieder acht Leute rausgeholt!“ Trotz gesundheitlicher Tiefschläge wieder voll da, sei die Unermüdlichkeit der Wendels ein tolles Signal an die Überlebensfähigkeit dieser Stadt, so Schneider.

Die feierliche Gelegenheit ist an diesem Freitagmitag günstig, um gleich noch die Würdigung eines weiteren DLRG-Mitglieds nachzuholen: für 70 Jahre Vereinszugehörigkeit erhält Walter Buckpesch das Mitgliedsehrenzeichen in Gold vom Landesverbandspräsidenten.

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