Keine Fan-Demo am Main

+
Die Babelsberger Fans im Gästeblock: Sie fühlten sich in Offenbach „durchaus positiv behandelt“. Wie so oft: Der Teufel steckt im Detail.

Offenbach ‐  Die Verantwortlichen dürfen durchatmen. Babelsberger Fußballfans, die auswärts Polizei, Ordnungsdienst und Stadion bewerten, fühlten sich am Main „durchaus positiv behandelt“. Von Martin Kuhn

Damit steigt die für Heiligabend abgekündigte Babelsberger Fan-Demo definitiv nicht in Offenbach, die auf bundesweit besonders ungastliche Kampfbahnen aufmerksam macht. Wertungspunkte der 03er-Fans auf dem Berg: 24. Bislang zieht’s die Anhänger nach Brandenburg an der Havel (76 Punkte). Vorbildlich in der 3. Liga: Stuttgart (0 Punkte).

Jacob Roth, Sprecher der Initiative „Polizei im Wettbewerb“, möchte dennoch nicht versäumen, auf einige Punkte hinzuweisen – schließlich sollen sich auch Gäste im Kickers-Stadion wohlfühlen. Gleichfalls könnten das wertvolle Hinweise für die Stadionbauer sein. Ohnehin warten viele gespannt darauf, wer den Zuschlag für eine neue OFC-Arena erhält und wie diese künftig aussehen soll.

Aber der Reihe nach: Gut 100 Nulldrei-Fans begleiteten ihr Team freitags nach Offenbach, darunter etwa 50 im Fanbus. Die Jury geht davon aus, dass Fans, die in der 3. Liga oft weite Reisen antreten, um ihr Team zu unterstützen, einen Anspruch haben, möglichst wenig von Polizei und Ordnungsdienst behelligt zu werden.

„Unbeleuchteten Dixi-Klos“ kamen nicht gut an

Diesem deeskalierenden Anspruch seien Polizei und Ordnungsdienst mit Abstrichen nachgekommen. Die „Begrüßung“ des Babelsberger Busses durch die Polizei wurde von den Fans als bedrohlich wahrgenommen. Roth: „Weder die sichtbar große Anzahl von Beamten noch der Wunsch einiger Kräfte, den Bus betreten zu dürfen, ist ein taugliches Mittel deeskalierenden Auftretens. Dass der verantwortliche Gruppenführer den Argumentationen des Offenbacher szenekundigen Beamten und des Mitarbeiters des Babelsberger Fanprojekts zugänglich war, ist hingegen zu goutieren.“

Offenbar positiv bewertet: Die Polizeibeamten erklärten den Babelsbergern den Weg zum Stadion und begleiteten sie „in angemessener Zahl“. Einem Rollstuhlfahrer unter den Babelsberger Fans wurde von der Polizei angeboten, dass man ihn zum Stadion fahren könne. Er entschied sich aber, sich mit den anderen Fans durch den Wald fortzubewegen. Roth weiter: „Am Einlass agierten die Ordner gegenüber den Fans überaus freundlich. Die personalen Kontrollen waren durchweg angemessen.“

Im Gästeblock auf der Stahlrohrtribüne gab’s nur eine bauliche Kritik: Die „unbeleuchteten Dixi-Klos“ kamen bei den 03ern nicht gut an. Und: „Einige Polizeibeamten verbrachten das gesamte Spiel im Babelsberger Fanblock, während andere Kräfte wiederholt den Block als Durchgang nutzten. Gerade letzteres wurde von den Fans als sehr störend empfunden.“

Auch das Filmen an den Stadiontoren wurde von den auswärtigen Anhängern als Provokation wahrgenommen. Und der Sprecher der Initiative gibt zu bedenken: „Der Einsatz von Hunden und Pferden bei Fußballspielen ist zudem gänzlich zu hinterfragen.“

Dem Verein Kickers Offenbach empfehlen die Babelsberger hingegen, das Modell des Fahnenpasses zu überdenken, „da es sich hierbei eher um eine von Fans als Schikane empfundene Maßnahme handelt als um ein wirksames Mittel gegen Gewalt beim Fußball“.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare