Keine Lust mehr auf Rosenkrieg mit ESO

Offenbach - (mcr) Am Ende hat Sigrid K. doch noch aufgegeben. Zehn Jahre, nachdem sie auf einem kleinen Teil des öffentlichen Grüns vor ihrem Haus in der Schubertstraße erstmals guten Mutes Sommerblumen pflanzte, ist die Hoffnung, dass ihre Briefe und Anrufe in der Gartenabteilung des Stadtdienstleisters ESO die Wertschätzung für das Werk anderer erblühen lassen, endgültig verdorrt.

Also hat sie Ende vergangener Woche die kläglichen Überreste ihres letzten Versuchs weggeräumt, wieder mal, und dem ESO ihre Niederlage in aller Form schriftlich eingestanden. „Ich gebe nun entmutigt die Bepflanzung auf. Schade, dass Eigeninitiativen von Bürgern so torpediert werden“, das sind ihre beiden letzten Sätze.

Was da passiert ist? Der Rasenmäher. Mit dem, so erzählt Sigrid K. die Geschichte, seien Gartenarbeiter immer wieder angerückt, hätten das Gras gemäht, hätten aus unerfindlichen Gründen auch ihre Blumen gemäht. Stockrosen, Narzissen, Ringelblumen, Weißdorn, Akelei - alles hinüber.

Und K.s Glaube an das Hirn im Menschen ist jetzt auch irgendwie kaputt. Zumal sie, wie sie den ESO in ihrem Schreiben erinnert, vor zehn Jahren extra die Erlaubnis eingeholt habe, das öffentliche Gras mit privaten Blumen verschönern zu dürfen.

Allein: „In diesen zehn Jahren ist es mir lediglich fünfmal gelungen, Ihre Gartenarbeiter davon abzuhalten, mit dem Rasenmäher alles nieder zu mähen. Ich verstehe, dass keine gelernten Gärtner diese Mäharbeiten durchführen. Aber ich kann nicht nachvollziehen, dass es Ihnen offensichtlich nicht gelingt, Ihren Gartenarbeitern ein Minimum an Pflanzenkunde beizubringen.“ Es könne doch nicht so schwer sein, den Unterschied zwischen Gras und leuchtend blau blühendem, 40 Zentimeter hohem Akelei und halbhohen Stockrosen zu erkennen?

Es kann offensichtlich. Die jüngste Generation Akelei und Stockrosen hat‘s am 7. Mai erwischt. Verwundert hat das Sigrid K., der die Erfahrung eigentlich längst Pessimismus gelehrt hat, dann doch wieder ein bisschen. Dass „all meine telefonisch und schriftlich formulierten Beschwerden immer wieder auf Verständnis stießen“, hatte ihre Blumen zwar nur selten vor einem unnatürlichen Tod bewahrt. Aber dass sich ein Verantwortlicher, wie geschehen, „sogar persönlich mit einem Strauß Rosen entschuldigt“, das hatte eigentlich die echte Chance auf Besserung in sich getragen. Doch „leider hat das am generellen Problem nichts geändert“, bedauert Sigrid K.. „Denn jetzt haben Ihre Gartenarbeiter wieder einmal alle Blumen umgemäht.“

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