Keine Prämien für Bestatter aus Frankfurt

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Der Trend zur Feuerbestattung hält an. Vor allem in Großstädten, in dem viele Alleinstehende leben und sterben, die den Pflegeaufwand für das Grab gering halten.

Offenbach ‐ Markus Patsch, Geschäftsführer des Offenbacher Stadtdienstleisters ESO, hat einen kleinen Nachteil gegenüber seinen Kollegen an den Spitzen anderer städtischer oder halbstädtischer Tochterunternehmen: Bei der Erklärung der ESO-Geschäfte in der Öffentlichkeit muss er mehr Worte auf die Goldwaage legen als zum Beispiel Verkehrsbetriebe-Chef Volker Lampmann. Von Marcus Reinsch

Der dürfte, nicht zuletzt zwecks Ankurbelung des Jahreskartenabsatzes, jederzeit ganz entspannt mit dem Begriff „Mengenrabatt“ umgehen. Patsch unterdessen wird da unruhig und steckt einen „sehr, sehr sensiblen Bereich“ ab. Denn der ESO - zuständig für Müllabfuhr, Straßenreinigung, das Stadtgrün und den Winterstreudienst - führt und verwaltet auch die Offenbacher Friedhöfe und alles, was dazu gehört. Inklusive des Krematoriums am Neuen Friedhof.

Das läuft seit Jahren gut. Und aus Frankfurter Perspektive offenbar sogar viel zu gut. Aus dem trotz der Öffnung des Marktes für Private vor sechs Jahren weiterhin städtisch betriebenen Krematorium des großen Nachbarn schwappte jüngst der Vorwurf über den Main, Offenbach wildere in Sachen Einäscherung auf Frankfurter Territorium.

„Leichenprämie“ gibt es nicht!

Lesen Sie dazu aus dem Rhein-Main EXTRA-TIPP:

Weil's Leichengeld gibt, bringen Bestatter Tote nach Offenbach

Da war der „Mengenrabatt“ noch das Wort, das am wenigsten gegen ESO-Chef Patschs Auffassung von Respekt vor den Toten verstößt. Das schlimmere, gedruckt in einem Anzeigenblatt: „Leichenprämie“. ESO-Chef Patsch ging gestern in die Gegenoffensive: Prämien für Bestattungsunternehmer, die die Dienste des Offenbacher Krematoriums denen anderer Einrichtungen in der Region vorziehen, „die gibt es nicht!

Richtig sei zwar durchaus, dass „mehr als die Hälfte“ der bis zu 6.000 Toten, die in Offenbach jährlich kremiert werden, zu Lebzeiten nicht in Offenbach gewohnt haben und nach der Verbrennung auch auf die Friedhöfe anderer Städte gebracht werden. Natürlich auch nach Frankfurt. Doch die Wahl der Pietäten falle aus anderen Gründen so oft auf Offenbach und eher selten - die Rede ist von jährlich nur noch 1.500 Verbrennungen - auf Frankfurt.

In Offenbach haben wir vor sechs Jahren vor dem gleichen Problem gestanden wie die Frankfurter jetzt“, sagt Patsch. „Damals war auch hier die Zahl der Verbrennungen rückläufig.“ Aber Offenbach habe die Zeichen der Zeit rechtzeitig erkannt, das bis dahin rein kommunale Krematorium aus der städtischen Verwaltung und Gebührenordnung herausgenommen und „ein ganzheitlichen Servicekonzept“ erarbeitet, um „am Markt gegen private Dienstleister bestehen zu können“. Die Preisgestaltung sei „individuell“; es spiele durchaus eine Rolle, „wie viele Kremierungen ein Bestattungsnehmen im Jahr beauftragt“.

Offenbacher Rundum-Service wirkt

Zu schätzen wüssten die Pietäten aber vor allem den Offenbacher Service. „Unsere Kunden können 24 Stunden an jedem Tag der Woche anliefern. Sie haben haben einen Schlüssel zum Kühlraum. Und sie können ebenfalls rund um die Uhr einen Mitarbeiter anrufen, der dann in wenigen Minuten vor Ort ist und hilft.“ Von Vorteil seien sicher auch die überdachte Zufahrt zum Krematorium und der eigene Leichenwagen, dank dem ein Hol- und Bringdienst möglich sei.

Solcher Rundumservice habe gewirkt, und natürlich stehe es auch dem Frankfurter Krematorium frei, mit Verbesserungen Überzeugungsarbeit zu leisten. Es gebe im Rhein-Main-Gebiet zwar eine Überkapazität an Krematorien. „Doch die wird sich in den nächsten Jahren wohl relativieren“, glaubt Patsch. „Der Trend zur Feuerbestattung ist gerade in Ballungsräumen ungebrochen.

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