Keine Sorge um die Miete

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SOH-Chef

Offenbach - Der jetzt besiegelte Nichtaufstieg der Offenbacher Kickers ist nicht nur ein sportliches Desaster. Das Versagen auf dem Platz hat auch einschneidende finanzielle Folgen. Derweil wächst auf dem Bieberer Berg das neue Stadion. Von Thomas Kirstein

Und für den OFC rückt der Zeitpunkt näher, da er Geld an die städtische Stadion GmbH überweisen muss. Mit der Miete für die Sportanlage stottert er sozusagen seinen Anteil an der Finanzierung des 25-Millionen-Bauwerks ab. 12 Millionen kommen vom Land, 10 von der Stadt und ihren Stadtwerken. Für die Namensrechte zahlt die Spardabank Hessen eine halbe Million im Jahr - zum Glück unabhängig von der Spielklasse,

Auf die Kickers kommen letztlich 470 000 Euro im Jahr zu. Nach Verbleib in der unattraktiveren 3. Liga und Nichterreichen des DFB-Pokals, was je nach Runde allein eine fünf- bis sechsstellige Summe ausmacht, wird die Kasse weniger gut gefüllt sein. Da darf die Frage gestellt werden, ob der OFC beziehungsweise seine als Kapitalgesellschaft ausgegliederte Profiabteilung diesen zusätzlichen Posten wird aufbringen können.

Sportliche Misserfolg hat erhoffte Zuschauermassen ferngehalten

Zumal die Umbauphase - unter anderem wegen der in einer Baustelle notwendigen zusätzlichen Ordnungskräfte - doch eine größere Belastung als erwartet darstellt. Und weil eben der sportliche Misserfolg der Rückrunde die erhofften Zuschauermassen ferngehalten hat.

Zuversichtlich ist der künftige Empfänger der Miete. Stadtwerke-Holding-Chef Peter Walther ist auch Geschäftsführer der „Stadiongesellschaft Bieberer Berg mbH Offenbach“, kurz SBB. Die hat die Liegenschaft auf dem Berg von der Stadt erworben, ist Bauherrin wie künftige Betreiberin des Spardabank-Stadions. Walther gehört dem Verwaltungsrat der Kickers an.

„Ja, auf den Verein kommt eine Belastung zu, die er in der Vergangenheit nicht hatte“, sagt er. Es seien für die nächste Saison deutlich höhere Einnahmen erwartet worden, als sie jetzt realistisch seien. Angst, dass die Miete nicht in der vereinbarten Höhe fließen könnte, hat er allerdings nicht.

700 edle „Business“-Sitze an betuchten Fans vermitteln

Zunächst muss der OFC auch keine hundert Prozent zahlen, die werden erst fällig, wenn das Stadion komplett fertig ist. Ab Januar 2012, wenn die Haupttribüne bezugsfähig ist, sind es laut dem im vergangenen Mai unterzeichneten Mietvertrag 75 Prozent der vereinbarten Miete. Peter Walther setzt darauf, dass es der Profi GmbH mit ihrem Geschäftsführer Thomas Kalt gelingen wird, die zehn lukrativen Zehn-Personen-Logen und die 700 edleren „Business“-Sitze an die betuchten Fans zu bringen. 350.000 Euro im Jahr verspricht sich Kalt davon.

Bei den Kickers selbst gilt die Belastung ohnehin als tragbar. Noch als Vizepräsident hatte Thomas Kalt einen deutlichen Wettbewerbsvorsprung vor allen anderen Mitbewerbern in der 3. und in der damals angepeilten 2. Liga gesehen: „Es gibt keinen anderen Verein, der so wenig Miete für ein Stadion zahlt.“

Zweifel an der Notwendigkeit des Stadionneubaus kann das sportliche Debakel nicht nähren. Soll in Offenbach weiter Profifußball gespielt werden, ist er wohl unumgänglich. „Das alte Stadion hätten wir auch für die 3. Liga keine zwei Jahre länger genehmigt bekommen“, betont Peter Walther.

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