Kaiserlei: Es läuft nicht mehr rund

+
Der tägliche Wahnsinn auf der Kaiserleibrücke. Momentan kaum vorstellbar: Zwei Kreuzungen sollen dieses ständige Nadelöhr künftig entflechten. Dazu sind umfangreiche Umbauten erforderlich. Links und rechts neben der A 661 führen Rampen die Fahrzeuge auf und ab.

Offenbach -  Die Kreisel-Manie grassiert. Städte und Gemeinden setzen verstärkt auf Kreisverkehre, oft aus Gründen der Verkehrssicherheit. Der tägliche Wahnsinn auf der Kaiserleibrücke. Von Martin Kuhn

„Warum“, fragt Leser Bernhard Thuma, „baut man dann am Kaiserlei von einem Kreisel-Konzept zurück auf Ampel-Kreuzungen?“ Ein guter Einwand, zumal die Stadt etwa am Mainzer Ring in Bürgel den entgegengesetzten Weg wählt. Für Stadtplaner Hans-Joachim Bier-Kruse widerspricht sich das nicht. Er sagt: „Es gibt ein Problem im Kaiserleikreisel. Da wird viel zu schnell gefahren.“

Was das heißt, haben alle Autofahrer sicher schon beobachtet. Oft sind die Lücken im Kreisverkehr wegen hoher Geschwindigkeiten (Bier-Kruse: „50 Stundenkilometer, teils wesentlich schneller“) relativ klein. Folge: An den fünf Einfahrten staut es sich. Daher sagen die Planer unisono, der Kreisel in seiner ungünstigen Geometrie sei völlig überlastet. Nackte Zahlen: Etwa 65.000 Fahrzeuge fließen beziehungsweise stauen sich täglich durch den Kreisel. Ein weiteres Plus – Bau der Europäischen Zentralbank, Planung einer Multifunktionshalle – ziehe den Infarkt des wichtigen Verkehrsmuskels mit sich.

60 Prozent wollen zur oder kommen von der Autobahn 661

Bereits 2005 hat die Stadt erstmals den Verkehr zählen und unter anderen die Verkehrsströme am Knoten Kaiserlei aufschlüsseln lassen. Ergebnis: Zirka 60 Prozent der Fahrzeuge wollen zur oder kommen von der Autobahn 661. Von Offenbach nach Frankfurt oder umgekehrt rollen etwa 25 Prozent aller Automobile. Die restlichen steuern andere Ziele an. Die Schlüsse aus diesen Zahlen bezeichnete Bier-Kruse gestern als „verkehrstechnischen Kniff“: Zwei Kreuzungen ersetzen den Kreisel.

Baubeginn ist für 2014 geplant. Dauer der Arbeiten unter fließendem Verkehr: zwei Jahre. Bauamtsleiterin Susanne Schöllkopf bezeichnet es bereits als „interessante Baustelle“; vielleicht wohlwissend, dass sie zu diesem Zeitpunkt bereits im Ruhestand ist. Experten sind sich jedenfalls sicher, dass dieses Konzept funktioniert und leistungsfähig ist. Beide neuen Knoten entstehen unter der Autobahn, die im Kaiserlei auf den Pfeilern ruht. Sie bilden sozusagen das natürliche Korsett, unter dem geplant wird. Eine der beiden Kreuzungen verbindet künftig die östliche und westliche Strahlenbergerstraße. Über diesen Knoten wird aller Verkehr von und zur A 661 abgewickelt. Für diejenigen, die etwa vom Nordring kommend in Richtung Oberursel wollen, ändert sich eigentlich nichts.

„Das ist schwierig zu erklären“

Anders sieht es aus, wenn diese Autofahrer nach Egelsbach schwenken: Unter der Autobahn durch, nach links auf eine Rampe, die parallel zur 661 ansteigt. Umgekehrte Richtung: Die bisherige Ausfahrt Kaiserlei mit dem Abbieger auf die Berliner Straße entfällt, dafür geht’s über eine Rampe runter und rechts in die Strahlenbergerstraße und die Verzweigung am Goethering. „Das ist schwierig zu erklären“, weiß Stadtsprecher Matthias Müller. Fest steht immerhin: 30.000 Fahrzeuge bewältigt dieser neue Knoten.

Lesen Sie zu diesem Thema auch:

Weiter Krach um den Kreisel

Debatte um Kaiserlei-Umbau

CDU: Noch viele offene Fragen

Kaiserlei-Umbau auf der Zielgeraden

Kommentar: Endlich etwas Gemeinsinn

Kaiserlei: Offenbach und Frankfurt einig

Die zweite Kreuzung (kreuzen wird hier allerdings nur die Autobahn auf zweiter Ebene) nimmt den Verlauf der Berliner Straße auf und führt die Autos zwischen dem Hyundai-Gelände und der Bahnlinie in einem langgezogenen Bogen in Höhe der Schleuse auf die Strahlenbergerstraße. Die Straße verbindet künftig die beiden mainischen Nachbarn. Kapazität: 20.000 Fahrzeuge. Wie hoch der Zuwachs durch EZB-Bau samt Honsellbrücke tatsächlich ist, vermag keiner zu beziffern. Warum nicht? Ganz einfach: Verkehr verflüssigt sich gern, folgt dem geringsten Widerstand. Ist etwa die Hanauer Landstraße dicht, suchen Pendler neue Routen und führen alle theoretischen Berechnungen ad absurdum.

Kommentare