Kette weg, Rücklicht dran!

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Schnell sind Höhe, Breite und Länge des Motivwagens ausgemessen. Ein paar Kleinigkeiten bemängelt der TÜV-Sachverständige Alexander Mai (oben). Thomas Isser und vor allem Fahrzeuginnenausstatter Bernd Meuer (kniend) vom OKV werden sie bis Sonntag behoben haben. Von Anfang an hat sich der Verein beim Bau des Fahrzeugs an das sechsseitige Merkblatt der Technischen Überwachung gehalten, dessen Einhaltung inzwischen streng bewacht wird.

Offenbach - Eine schwarze Sechs auf weißem Grund prangt auf der Rückseite des Komiteewagens. Schrittgeschwindigkeit, mehr ist nicht drin, wenn sich die Fahrzeuge des Offenbacher Karnevalverein s (OKV) am Sonntag durch die Frankfurter Innenstadt und zwei Tage später durch Bürgel schlängeln. Von Fabian El Cheikh

Keine hohe Geschwindigkeit, und doch könnte es für die Narren auf und um die Umzugswagen gefährlich werden, falls Aufbauten oder gar Menschen herunterstürzen, Dekoration in Brand gerät oder die Bremsen versagen.

Mehr als 200 Arbeitsstunden hat der stellvertretende OKV-Vorsitzende Bernd Meuer in diesem Jahr bereits in die beiden Fahrzeuge investiert. Und es dürften noch einige werden, dafür sorgt der TÜV Hessen, der gestern erstmals medienwirksam in Anwesenheit des Hessischen Rundfunks und unserer Zeitung die „technische Einwandfreiheit und Regelkonformität“ überprüft, wie sich OKV-Sprecher Thomas Isser bürokratisch ausdrückt.

„Alles nur Kleinigkeiten“

„Alles nur Kleinigkeiten“, zeigt sich der TÜV-Prüfer Alexander Mai gelassen nach einer ersten Durchsicht. Aufatmen beim OKV? „Ach was, mit Bernd Meuer haben wir einen erfahrenen Mann, der sich beruflich mit Innenausbauten von Transportern auskennt“, sagt Isser. Da habe man auch im Vorfeld keinerlei Bedenken gehabt.

Wer zuvor glaubte, der Sachverständige rücke mit großem Gerät an, sieht sich getäuscht. „Maßband, Kamera, Stift und Zettel – mehr brauche ich nicht“, betont der 48-Jährige, der zusammen mit einem Kollegen seit zehn Jahren für den TÜV Wiesbaden Fastnachtswagen kontrolliert und dafür demnächst personelle Unterstützung bekommt. Der Grund: Eine regelrechte Welle schwappt in diesem Jahr über die eher unbeliebte Institution. Des Autofahrers Alptraum ist auch des Karnevalisten Grauen geworden. Zumindest außerhalb Offenbachs. Urplötzlich, so scheint es, unterziehen alle Vereine ihre Motivwagen einer akribischen Untersuchung, werden einzelne Fahrzeuge gar aus dem Verkehr gezogen, müssen Veranstalter ihre Teilnahme an der Straßenfastnacht kurzfristig abblasen. Dass der TÜV in diesen Tagen vor der Straßenfastnacht so viel zu tun bekommt, führt Isser auf das schreckliche Unglück bei der Duisburger Loveparade vor gut zwei Jahren zurück.

Sicherheit bei Massenveranstaltungen

„Städte und Gemeinden wollen Ähnliches verhindern und achten seither besonders auf die Sicherheit bei Massenveranstaltungen.“ Hätten Polizei und Ordnungsamt in der Vergangenheit hauptsächlich auf die technische Zulassung der Fahrzeuge geachtet, werde nun auch genauer bei den Motivaufbauten hingeschaut. „Wir werden von uns aus nicht tätig“, weist Mai die Verantwortung von sich und dem TÜV. Seine Vermutung: „Darauf ist von ganz hoher Stelle, vielleicht dem Bundesverkehrsministerium, hingewiesen worden.“ In Offenbach wollen’s jedenfalls weder das Ordnungsamt noch die Zulassungsstelle gewesen sein. „Wir sind nicht zuständig“, heißt es auf Anfrage aus dem Knöllchenamt. „Wir haben das nicht dem OKV eingebrockt“, ist aus dem Bürgerbüro zu hören.

Auf dem OKV-Gelände in Waldhof kontrolliert der Sachverständige die Fahrzeuge, die nur für Lasttransporte, nicht zur Beförderung von Menschen zugelassen sind – und die erheblich umgebaut wurden. Sein erster Blick wandert in Richtung Deichsel, die den Anhänger mit der von der Firma Kampfmann überlassenen Zugmaschine, einem roten Lkw, verbindet. Wo ist das Typenschild? Verschwunden. „Das ist dann halt so“, kommentiert Mai und kraxelt unversehens unter den Anhänger. Feucht und dunkel ist’s in der Wagenhalle des OKV. Dort, auf der Achse, ist ein Schild, das Auskunft gibt über die technische Zulassung. 7,2 Tonnen Gewicht lässt die Achse zu. Alles wunderbar. Der Boden ist rutschfest, eigene Bremsen sind vorhanden und funktionsfähig, die Aufbauten bestehen aus feuerfestem Bauschaum, ein Feuerlöscher ist vorhanden. Abgehakt. Der Laternenmast klappert ein bisschen, fällt aber nicht um. Auch kein Problem.

Fastnachtssitzung des OKV

Mehrgang-Menü des OKV

Allein, die Kette, die das Prinzenpaar und andere auf dem hohen Aufbau vorm Umfallen schützen soll, ist Mai zu unsicher. „Da muss was Festes hin.“ Auch der Treppenaufgang zum Wagen darf nicht mehr ausklappen. „Und ans Heck müssen Rücklichter“, gibt Mai vor. „Alles Kleinigkeiten.“ Ein paar Stunden wird Bernd Meuer noch investieren müssen. Dann dürfen auch die OKV-Wagen wie geplant auf die Straße.

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