Ketteler-Krankenhaus

Ab sofort in eigener Verantwortung

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Den besonderen christlichen Geist spüre man schon in der Lobby des Ketteler-Krankenhauses, sagen viele Patienten nach ihrem Aufenthalt am Lichtenplattenweg.

Offenbach - Das Ketteler-Krankenhaus geht seinen eigenen Weg – allein, aber keineswegs einsam. Von Fabian El Cheikh

Mit Unterstützung der hessischen Landesregierung und des Bistums Mainz hat sich das Offenbacher Haus mit seiner Grund- und Regelversorgung aus dem Katholischen Klinikverbund Südhessen (KKSH) herausgelöst, ist gewissermaßen in die Selbstständigkeit entlassen worden. Künftig will es verstärkt mit dem Frankfurter Universitätsklinikum zusammenarbeiten.

Dieser Entscheidung vorausgegangen waren lange Verhandlungen sowie Entbehrlichkeiten seitens der Belegschaft. Seit der Übernahme des Hauses durch den KKSH vor etwa acht Jahren hatten die Offenbacher die weiteren drei KKSH-Kliniken (Bensheim, Lindenfels und Lampertheim) alimentiert. Um weitere Belastungen durch die defizitären Schwesterhäuser zu vermeiden – die Offenbacher hatten in den vergangenen zwei Jahren aus Solidarität auf Gehaltserhöhungen verzichtet –, hatte der Klinikverbund schon vor längerer Zeit die Eigenständigkeit Offenbachs ins Auge gefasst. Immerhin schreibt das Ketteler entgegen dem Trend seit Jahren schwarze Zahlen, während andere Kliniken händeringend den Zusammenschluss suchen, um rentabel zu bleiben.

Universitätsmedizin Mannheim hat 95 Prozent der KKSH-Anteile übernommen

So haben auch die Krankenhäuser des KKSH seit Monatsbeginn einen neuen strategischen Partner: Die Universitätsmedizin Mannheim hat 95 Prozent der KKSH-Anteile übernommen, berichtete gestern Pfarrer Angelo Stipinovich. Er ist Ratsvorsitzender der Stiftung Heilig-Geist-Hospital (HGH) in Bensheim, die nun alleinige Gesellschafterin der neu gegründeten gemeinnützigen GmbH Ketteler-Krankenhaus ist. Stipinovich verwies auf die nunmehr dritte Umstrukturierung des Hauses seit 2001 und dankte der Belegschaft für Durchhaltevermögen und Solidarität: „Es ist kein Geheimnis, dass Sie nicht selbst verschuldet zwei Jahre auf Lohnerhöhungen verzichtet haben.“

Prälat Dietmar Giebelmann nannte gestern Details zur Übernahme der KKSH-Kliniken durch die Universitätsmedizin Mannheim: „Da das Einzugsgebiet des Ketteler nicht identisch ist mit dem der Mannheimer, ist Offenbach von Anfang an außerhalb der Betrachtungen geblieben.“ Aufgrund des „ausgezeichneten Rufs der medizinischen, pflegerischen und hauswirtschaftlichen Versorgung“ in Stadt und Kreis Offenbach sowie der gegebenen Wirtschaftlichkeit und des großen Einzugsgebiets habe man sich entschieden, das Ketteler in die „selbstständige Freiheit“ zu entlassen.

Lange Phase der Unsicherheit geht zu Ende

Künftig will man zwar mit anderen Häusern zusammenarbeiten, jedoch nicht auf institutioneller Ebene. „Die Richtung geht ganz klar nicht nach Süden, sondern eher nach Frankfurt.“ Schon jetzt arbeite man eng mit der Uniklinik zusammen. Von der neuen Gesellschaftsstruktur des Ketteler werde der Patient, so äußerte er eine Hoffnung, nichts bemerken. „Außer, dass wir künftig für das eigene Haus und die eigenen Patienten tätig sein können.“

Für die Belegschaft geht mit dieser Weichenstellung eine lange Phase der Unsicherheit zu Ende. Die Vorsitzende der Mitarbeiter-Vertretung, Jutta Blumberg, erinnerte daran, dass die Angestellten bei gestiegener Arbeit und gleicher Personalzahl auf einiges verzichtet hätten. „Wir hoffen nun auf eine gute Zukunft.“

Wie berichtet, wird das Ketteler unabhängig von den jüngsten Entscheidungen für fast acht Millionen Euro zu einem Geriatrie-Standort ausgebaut. Das lang geplante, neue Hospiz soll voraussichtlich im Frühjahr 2014 eröffnen. Derzeit verfügt das Haus am Lichtenplattenweg über 250 Betten und beschäftigt 500 Angestellte plus 70 Ärzte.

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