Motiviert für guten Zweck

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Start in der Oberen Grenzstraße: Bei der neunten Auflage des Ketteler-Laufs machen 430 Aktive mit.

Offenbach - Selten werden unterschiedliche Fähigkeiten und Charaktere derart deutlich wie bei Volksläufen. Die Ambitionierten, denen das simple „Dabeisein ist alles“ zu wenig ist, stehen am Samstag bei der neunten Auflage des Ketteler-Laufs ganz vorn, direkt an der Startlinie. Von Stefan Mangold

Sie wirken angespannt und konzentriert. Die meisten von ihnen nennen einen sehnig-muskulösen Körperbau ihr eignen. Fällt der Schuss, erinnern sie an Rennpferde, deren Startbox sich öffnet. In den hinteren Reihen variiert hingegen die Art, das Rennen anzugehen.

Gänzlich entspannt unterhalten sich zum Beispiel Carolin Schürmann und Stefanie Oppermann-Stumpf bis kurz vor dem Start auf der Oberen Grenzstraße. Sie treten in der Kategorie Walking an und haben nicht die geringste Absicht, schweißnass und mit hängender Zunge nach den fünf Kilometern ins Ziel zu hecheln. Vor einem Vierteljahr kam den Kolleginnen von Honda Deutschland die Idee, die jeweils acht Euro Startgebühr zu begleichen. Seitdem trainierten die beiden „zweimal in der Woche nach Feierabend für eine Stunde“ mit ihren Nordic-Walking-Stöcken. Was auf jeden Fall bleibt, ist der Wille: „Wir machen nach dem Lauf weiter.“

Bilder vom Ketteler-Lauf 2012

Ketteler-Lauf für die Gesundheit

Hinterher werden die beiden berichten, „wie hervorragend alles organisiert gewesen ist“. Wozu Ordnerinnen wie die Schwesternschülerinnen Kristin Kempka und Lisa Da Silva-Joao beitragen. Sie leiten die Teilnehmer in die richtigen Bahnen. Helferinnen wie Marita Immel-Schelzke, Präsidentin des Lions-Clubs Mühlheim, verteilen auf der Strecke Wasser und Müsliriegel.

Vor dem Start scheint klar, wer bei den Frauen favorisiert sein dürfte. Die vierfache Mutter Alexandra Behrens (40) stellt sich ganz rechts in Position. Ihr Blick und ihre Erscheinung wirken, als wolle sie gewinnen. Ganz links rennt nach dem Startschuss ein Junge davon. Sein hohes Anfangstempo scheint mangelnder Erfahrung geschuldet zu sein.

Taktisch und mit Bedacht

„Das denken immer alle“, sagt später der 14-jährige Aaron Bienenfeld. Wie sich herausstellt, ist er das Rennen keineswegs zu stürmisch angegangen, sondern taktisch und mit Bedacht. Am Ende gewinnt der Gymnasiast von der Leibnizschule mit großem Abstand in 17:47 Minuten. Dabei war sein Training in den letzten Tagen ausgefallen, „wir waren auf Klassenfahrt in Rom“.

Vor drei Jahren trat Aaron der LG Offenbach bei. Seitdem gewann er mehrere Medaillen bei Hessenmeisterschaften. Seine Bestzeit über die zehn Kilometer liegt bei 36:47 Minuten. Mancher dürfte Probleme haben, den Schnitt von mehr als 16 Kilometern pro Stunde mit dem Fahrrad zu halten. Bei den Frauen gewinnt Alexandra Behrens. Sie landet im Gesamtfeld des Ketteler-Laufs auf dem dritten Platz.

Insgesamt 430 Teilnehmer

Insgesamt werden 430 Teilnehmer gezählt. Was 3440 Euro an Startgebühr bedeutet. Ein Betrag, den Professor Vittorio Paolucci für eine zusätzliche onkologische Ausbildung von zwei Krankenschwestern verwenden will. „Lauf dem Krebs davon“, heißt in diesem Jahr das Motto. Das gibt der Ärztliche Direktor am Ketteler-Krankenhaus als medizinischen Rat. Wer raucht, seinen Bauch weit über den Gürtel hängen lässt, der erhöhe sein gesundheitliches Risiko. Wer sich täglich eine halbe Stunde körperlich anstrengt, minimiere nicht nur die Gefahr, „einen Herzinfarkt zu bekommen, sondern auch an Krebs zu erkranken“. Studien aus den USA belegten das.

Nach mehr als einer Stunde kommen die Letzten ins Ziel, das am Eingang des Krankenhauses liegt. Eine Frau hüpft vor Freude über die Linie. Andere halten ihr Tempo eines leicht verschärften Einkaufsbummels bis zum Ende durch.

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