„Kichern für die Kickers“ in der Stadthalle

Durchgängige Lachsalven

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Und jetzt alle: Offenbach-Post-Marketingleiter Andi Mengler zelebriert mit allen Akteuren und den Fans das Kickerslied, das er vor 16 Jahren textete und aufnahm.

Offenbach - Das Motto erweist sich als Untertreibung. Kein dezentes Hihi wispert durch die Stadthalle, es kracht ein sattes Haha. Fast von der ersten Minute an heißt es fast durchgängig: Lachsalven für die Kickers. Von Thomas Kirstein 

Jutta P. gibt die Cher.

Dazu als besondere Form des Applauses vom Publikum im Stehen intonierte Fangesänge vom Bieberer Berg: Steht auf, wenn ihr Kickers seid. 2100 Freunde des notleidenden Vereins lassen sich nicht lumpen und erwerben Eintrittskarten für die vom Veranstaltungsprofi Bernd Reisig auf die Beine gestellte Benefizveranstaltung. Sie brauchen es nicht zu bereuen. Was der ehemalige Geschäftsführer des FSV Frankfurt an auf Gage verzichtenden Spaßmachern für die Bühne der Stadthalle gewonnen hat, trifft genau den Geschmack der OFC-Anhänger.

Verbindende Elemente sind neben der von FFH abgestellten Moderatorin Evren Gezer, einst Handballerin bei den Kickers, die drei Akteurinnen von Mühlheims Kleiner Weltbühne. Zwischen den Comedians überzeugen Jutta P. als Cher und René als Aretha Franklin und sportliches Zwitterwesen, das Männer regnen lässt. Chefin Gerda alias Gerhard Stein beherrscht die Anzüglichkeit wie den deftigen Klartext, hat die Stadthalle schnell im Griff. Und dann gibt es da noch als unfreiwillige Klammer den Herrn Schäfer: Der frühere Handballschiedsrichter sitzt als prädestiniertes Opfer für allerlei Scherze in der ersten Reihe. Die Grundlage für nicht mehr abebbende Heiterkeit legt Knautschgesicht Maddin Schneider, der im breitmäuligsten Hessisch ins „Enerscheißing“ einführt und besonders gekonnt den Gesichtsausdruck einer Elchkuh imitiert. Kollege Johannes Scherer weiß, wo er auftritt, und betont: „Ich komm’ net aus de Nachbarstadt, ich muss dort nur wohne...“ Er philosophiert über Navis und deren Vorgänger („Mutti auf dem Beifahrersitz“), richtet, großer Parodist, der er ist, dem OFC Grußworte aus von Franz Beckenbauer und Lothar Matthäus und bleibt mit Begriffen wie „Fuddel-Ommas“ (an der Supermarktkasse) und „dachbabbedeggelbleed“ in Erinnerung.

Maddin hebt ab.

Jeder hat sein OFC-Sprüchlein parat, weiß von den gepflegten Animositäten mit einem Verein von jenseits des Mains. Die Magierbrüder Ehrlich gewinnen ganz direkt die Sympathien: „Wir lassen die Eintracht verschwinden...“ Die hochgerühmten Westfalen Andreas und Chris verblüffen mit Kartentricks und Geldverwandlung. Wie aus einem 50- ein 100-Euro-Schein wird, bringt Kickers-Präsident Claus-Arwed Lauprecht später auf die Idee, Schatzmeister Thomas Zahn umgehend durch die Ehrlichs zu ersetzen. Wunderbar lustige Kindheitserinnerungen vom Bieberer Berg hat Bodo Bach (das Alter Ego des in Frankfurt geborenen Robert Treutel ist echter Offebächer) parat. Gewohnt lässig und hessisch gibt er Einblicke ins Familienleben mit Sohn Rüdiger (38) und Gattin Gerda (nicht die von der Weltbühne) oder eine Demonstration des Trockeneislaufs. Und einen ganz Kalten über den angeblichen Hang von Italienern, ihr Sexleben in der Öffentlichkeit auszubreiten; schreibt doch Bodos Pizzabäcker auf seine Außentafel: „Penne mit Gorgonzola“.

Nach dem Neue-Deutsche-Welle-Intermezzo von Sänger Markus („Gib Gas, ich will Spaß“) und seiner Familiencombo neigt sich der Abend dem Ende zu. Den furiosen Schlussakkord setzt gemeinsam mit allen Akteuren OP-Marketingleiter Andy Mengler mit seiner Stadionhymne „Forever OFC“, die der ehemalige Sänger der Punkband Straßenjungs vor 16 Jahren getextet und aufgenommen hat: Der Chor hat mehr als 2000 Kehlen.

Kichern für die Kickers

Den Nachhauseweg leiten Dankesworte von Präsidium und OB Horst Schneider für Macher Bernd Reisig ein. Der befindet gestern, es sei ein wunderbarer Abend mit einem großartigen Publikum gewesen: „Ich freue mich sowohl für die Kickersfans, dass ihnen der Abend so gut gefallen hat, als auch für alle Künstler, die ohne Gage aufgetreten sind und von der Atmosphäre durch den Abend getragen wurden. Wenn Benefiz die Kassen füllt und gleichzeitig alle glücklich nach Hause gehen, hat man vieles richtig gemacht.“

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