Kickbox-Zwillinge

Haftentlassung eines Erpressers bringt Furcht

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Das ehemalige Kickbox-Studio der verurteilten Schutzgeld-Erpresser in Offenbach.

Offenbach - Hessens Innenminister Peter Beuth hat Post aus Offenbach bekommen. Absender sind Bürger türkischer Herkunft, die sich ängstigen. Beuth wird ihnen kaum helfen können: Noch fehlt ein belastbarer Hinweis, der ein Einschreiten der Polizei rechtfertigen würde.

Es sind Nachwirkungen mehrjähriger Ermittlungen und eines Strafprozesses um Schutzgelderpressung durch die sogenannten Kickbox-Zwillinge, die ab 2010 für Schlagzeilen sorgten. Jahrelang hatten sie als führende Köpfe einer Bande vornehmlich Geschäftsleute bedroht und eingeschüchtert, sollen unter anderem mehr als 100.000 Euro als angebliche Sponsorengelder für ihr Offenbacher Kampfsportstudio eingetrieben haben.

Der eine, auch wegen Gewalttaten gesuchte Bruder ist weiter flüchtig; der andere wurde im April 2012 wegen Erpressung, Sachbeschädigung, Betrugs, Nötigung, Bestechung (eines Polizeibeamten) und gefährlicher Körperverletzung zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Doch der damals 35-Jährige ist 2015 wieder rausgekommen.

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Dem Innenminister schreiben Offenbacher Türken, der Mann spreche Drohungen aus und kündige Rache für Aussagen im Darmstädter Schutzgeldprozess an. Der Offenbacher Polizei sind die Befürchtungen bekannt, Konkretes fehlt jedoch. Sprecher Henry Faltin weiß etwa von in sozialen Medien kursierenden Videoauftritten, die als Demonstrationen der Stärke und Drohgebärden verstanden werden könnten. Faltin richtet einen dringlichen Appell an Betroffene: „Mut aufbringen und Anzeige erstatten, nur so können wir etwas unternehmen.“ Er erinnert daran, dass es damals nur durch beherzte Aussagen zu einer Verurteilung kommen konnte.

Irritationen erregt der Umstand, dass der Schutzgelderpresser schon drei Jahre nach dem Urteil wieder auf freiem Fuß ist. Das hessische Justizministerium darf zwar zum individuellen Fall nichts sagen, ein Sprecher erinnert aber daran, dass Zeiten in Untersuchungshaft angerechnet werden. Und der Offenbacher saß bereits seit 2010. Wenn er sich im regulären Vollzug nichts hat zuschulden kommen lassen, griff für ihn das übliche Verfahren, dass nach Verbüßung von zwei Dritteln der Strafe deren Rest ausgesetzt wird. Und der heute 38-Jährige hatte bereits 1230 U-Haft-Tage angespart. (red)

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