Sportzentrum Rosenhöhe

Kicken, zocken, absahnen

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Mittelfeldspieler Leon (links) von der SG Rosenhöhe will sich auf dem sanierten Hartplatz den Ball erkämpfen. Das Vorrundenspiel gegen die Fortuna Hattenrod hat die U10-Mannschaft von der Rosenhöhe mit 3:0 gewonnen.

Offenbach - Satte Gewinne, virtueller und realer Fußball locken zum sanierten Bolzplatz am Sportzentrum Rosenhöhe – Wie ein Elektronikriese mit viel Werbung die regionalen Nachwuchs-Kicker fördert. Von Sarah Neder

Trainer, Spieler und Zuschauer haben sich um den Bolzplatz am Sportzentrum Rosenhöhe aufgereiht. Durch die schmalen Gitterstäbe des „Käfigs“ feuern sie ihre Mannschaften an: „Los geht’s! Auf, nach vorn spielen!“ Denn beim Fußball-Turnier zur Eröffnung des Hartplatzes, der von Sony Computer Entertainment Deutschland auf Vordermann gebracht wurde, geht es um etwas: Den Siegern winken nagelneue Spielekonsolen und Karten für ein Champions-League-Vorrundenspiel. Auch die Zweitplatzierten dürfen Computerspielegeräte mit nach Hause nehmen. Doch mit leeren Händen geht kein Nachwuchs-Fußballer vom Platz – alle bekommen einen Satz Trikots plus reichlich Werbegeschenke.

„Das ist eine Riesen-Motivation“, weiß Dennis Bauer, Trainer der U10-Mannschaft der SG Rosenhöhe. Außerdem sei es toll, dass das Turnier kostenlos sei; müssten die Teams doch in der Regel Startgelder zahlen. Das erste Spiel gegen Fortuna Hattenrod hat die SG souverän mit 3:0 für sich entschieden. In den Jahrgängen 2004/2005 und 2002/2003 starten insgesamt 14 Mannschaften. In beiden Altersgruppen gibt es zunächst eine Vorrunde, auf die Viertel-, Halb- und Finale folgen. Jedes Spiel dauert sechs Minuten. Die Kicker kommen zum Teil aus der Region, manche sind aber auch extra aus München zum Playstation Junior Champions Cup angereist.

Zocken schadet nicht

Im Zelt neben dem Bolzplatz hat der Veranstalter des Turniers etwa zehn Spielekonsolen aufgebaut. In den Pausen stehen dort Jungen und Mädchen Schlange, die virtuell kicken möchten. Für Organisatorin Alexandra Wankum muss das kein Widerspruch sein: „Ein bisschen Zocken hat noch niemandem geschadet. Es sollte nur in einem gesunden Verhältnis zu anderen Aktivitäten stehen.“

Wankum ist ganz begeistert vom neuen Hartplatz: „Das hat sich richtig gelohnt.“ Neue Tore, neuer Belag und Trainerkabinen am Spielfeldrand hat Sony gesponsert – ein fünfstelliger Betrag ist in die Renovierung geflossen. Dienstleister aus Offenbach haben die Sanierungsarbeiten ausgeführt. Dabei ist der Platz auf der Rosenhöhe einer von fünf, die der Spielekonsolen-Mogul dieses Jahr erneuert hat. Außerdem bedacht wurden Berlin, München, Düsseldorf und Dortmund. Offenbach habe für die Leverkusen-Anhängerin Wankum jedoch eine ganz besondere Bedeutung, da die Kickers und Bayer 04 schon seit Jahrzehnten eine Fanfreundschaft pflegen.

Laut Organisatorin geht es beim Projekt unter der (zumindest in Offenbach symbolischen) Schirmherrschaft von Ex-Bayernspieler Toni Kroos vor allem um soziale Integration: „Wir wollen hier nicht nur etwas Sinnvolles, sondern auch etwas Nachhaltiges veranstalten.“

Die gefühlten 100 Werbebanner nimmt der Ausrichter wieder mit – der aufpolierte Platz und eine Torwand bleiben. Obwohl Trainer Dennis Bauer und seine Jungs normalerweise auf Rasen spielen, finden sie alles drumherum super, die Organisation, die Regeln, die Preise. Auch der neunjährige Leon, der erst kürzlich von Sprendlingen zur SG Rosenhöhe gewechselt ist, findet’s „cool“ und verkündet: „Ich will die Playstation und die Champions-League-Karten gewinnen.“ Für Leon ist der Traum von der Königsklasse allerdings nicht in Erfüllung gegangen. Bei den Acht- bis Zehnjährigen gewinnt die SKG Rumpenheim. Im älteren Jahrgang die Gruppe BKV Best Soccer.

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