Als der Kickers-Erzfeind noch FSV Frankfurt hieß

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In den 20er Jahren sind Ausschreitungen an der Tagesordnung – „In Offenbach, in Offenbach war Holzauktion“, dichtet ein Reporter 1925.

Offenbach ‐ Bieberer Berg, Oktober 1924. Das Publikum tobt. Die Polizei muss den Schiedsrichter vor der Menge schützen, die mit Messern und Pflastersteinen vor dem Stadion auf den Mann wartet, der das Fußballspiel zum Nachteil der Offenbacher Kickers manipuliert haben soll. Von Markus Terharn

Gegner ist – der Referent legt eine kleine Kunstpause ein – nicht die bürgerliche Eintracht aus der Nachbarstadt. Sondern der als proletarisch geltende FSV Frankfurt. Von einer schon immer da gewesenen Erbfeindschaft zwischen OFC und SGE kann keine Rede sein. Diese These untermauert Dr. Rudolf Oswald mit zahlreichen Fundstücken aus der Sportpresse der Zwischenkriegszeit. Dem Auditorium im Haus der Stadtgeschichte, darunter eine Dame mit Kickers-Schal und ein Herr im rot-weißen Ringelpulli, dürfte vieles bekannt sein. Aber so fachkundig aufbereitet hat es all das noch nicht gehört.

Kein Zufall ist, dass Zeithistoriker Oswald von allen Rivalitäten die zwischen Frankfurt und Offenbach gewählt hat. Bei der Arbeit an seiner Dissertation ist er im Maingau auf eine besonders reichhaltige Quellenlage gestoßen. In den 20er Jahren sind Ausschreitungen an der Tagesordnung – „In Offenbach, in Offenbach war Holzauktion“, dichtet ein Reporter 1925.

Grund ist laut Oswald, dass es in den Kreisligen lauter Lokalderbys gibt. Vor den Bornheimern gilt der Hass des eingefleischten OFC-Anhangs der Germania aus Bieber. Da kommt noch erschwerend der Stadt-Land-Gegensatz hinzu.

Die Geburt der Gegnerschaft zu den Riederwäldern datiert der Fachmann auf Januar 1935. Ein Feldverweis gegen einen Frankfurter wegen Meckerns setzt eine fatale Kettenreaktion in Gang, ein Offenbacher bricht sich nach einem Foul das Bein, die Arena wird zum Hexenkessel. Als der OFC im Februar 1936 mit einem 1:1 in Frankfurt dortige Südhessentitelträume zerstört, stimmen Fans den Schlachtgesang „Hi, ha, ho, die Eintracht ist k.o.!“ an.

Dass die Kickers im Meisterschaftsendspiel 1959 gegen den Rivalen durch einen unberechtigten Elfmeter auf die Verliererstraße geraten, dass sie 1963 bei Gründung der Bundesliga nicht dabei sind, stellt Oswald mal so in den Raum. Als Wissenschaftler ist er neutral, als Fan hält der Münchner zum TSV 1860. Deshalb, hat er eingangs erläutert, gehört dem OFC von Kindesbeinen an seine Sympathie. Grund ist das 6:0 gegen den FC Bayern von 1974.

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