Fest des Kickers-Fan-Museums

„Die Spieler wechseln, wir Fans bleiben treu“

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Vor allem Damen ließen sich gern mit Spielern (hier Robert Wulnikowski) ablichten.

Offenbach - Selbst wenn die Kickers abgestiegen wären: Hinter dem Sparda-Bank-Hessen-Stadion am Bieberer Berg hätte es ihnen zu Pfingsten wohl trotzdem nicht die Laune verhagelt. Von Stefan Mangold

„Wir feiern uns, ganz gleich, was passiert“, spricht Achim Heinrich, Vorstandsmitglied des Fan-Museums, aus. Er organisierte mit seinem Team das Fanfest. „Die Spieler wechseln, wir Fans bleiben treu.“

Vorstandskollege Alexander Knöß war am Samstag noch bange gewesen. Nicht wegen der Mannschaft – die hat den Abstieg sportlich ja bekanntlich schon vor einer Woche vermieden. Er zitterte wegen des Wetters. „Beide Tage soll es durchregnen“, hieß es im Vorfeld. Bittere Aussichten, schließlich finanziert sich das Museum, das mit Beginn der nächsten Saison im neuen Domizil an der Aschaffenburger Straße 65 wieder eröffnet, auch durch solche Feste. Doch alles ist gut. Am Sonntag scheint die Sonne. Für den Montag sollte Knöß mit seiner unerfreulichen Prognose dagegen nicht ganz daneben liegen.

OFC-Profis und Fans feiern Pfingstfest

OFC-Profis und Fans feiern Pfingstfest

Beim Pfingstfest des Kickers-Fan-Museums schauten am Wochenende unter anderem die Profis des OFC vorbei. Da das Fanmuseum derzeit zum zweiten Mal innerhalb von fünf Jahren umzieht, fand die Feier hinter der Waldemar-Klein-Tribüne statt. Da wurde unter anderem über die gute Leistung des OFC beim letzten Saisonspiel in Heidenheim und die drohende Insolvenz der Profi GmbH diskutiert.

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Besser für die Stimmung als das Wetter ist ohnehin der Klassenerhalt. Im Fall eines Abstiegs, der wegen der klammen Kassenlage des Vereins eine immer noch mögliche Insolvenz wohl besiegelt hätte, wären die Fans eher weniger erpicht drauf gewesen, dass die Mannschaft am Sonntag vorbeischaut. Torhüter Robert Wulnikowski ist besonders gefragt, als es darum geht, sich zusammen mit einem Spieler ablichten zu lassen. Bei jungen Damen steht Stürmer Thomas Rathgeber augenscheinlich noch höher im Kurs.

Achim Heinrich kam quasi als Vereinsmitglied auf die Welt: „Mein Vater hat mich sofort angemeldet.“ Seit der Saison 1986/87, als die Kickers sich bald nach dem letzten Abstieg aus der Bundesliga schon das zweite Jahr in der Drittklassigkeit wiederfanden, ist Heinrich praktisch bei jedem Heimspiel dabei. „Für mich war die zweite Liga wie die Champions League.“ Was ihn nicht abhielt, davon zu träumen, eines Tages am Bieberer Berg vielleicht auch mal Bundesligaspiele zu sehen. „Ich bin 35 Jahre alt. Da kann noch viel passieren.“

Erinnerungen an goldene Zeiten

Goldene Zeiten erlebte der anwesende Freddy Schultheiß, über den die „Bild“-Zeitung einmal schrieb: „Dem Riesen Schultheiß liefen Tränen runter.“ Weil die Kickers 1959 verloren hatten. Damals ging es im Berliner Endspiel gegen Frankfurt noch um die Deutsche Meisterschaft. Im selben Jahr spielte der OFC als erste westdeutsche Mannschaft Freundschaftsspiele in der UdSSR. „Nach der Saison flogen wir in die USA und traten in New York gegen die Nationalmannschaft an“, erinnert sich Schultheiß, „wir gewannen 4:2.“ Der Verteidiger streifte zu einer Zeit das Kickers-Trikot über, als die meisten Fußballer noch in regionalem Bezug zu ihrem Verein standen.

Schultheiß trug auch einmal das Leibchen des Erzrivalen. Am 2. Oktober 1962, zusammen mit Berti Kraus und Sigi Gast. In der 65. Minute lief noch Hermann Nuber auf. „Mit dem Adler auf der Brust“, scherzt der Bieberer. Eintracht Frankfurt spielte gegen den amtierenden zweifachen Europapokalsieger der Landesmeister, gegen Benfica Lissabon. Die Eintracht hatte die Kickers wegen Verletzungssorgen um Hilfe gebeten. Gegen Schultheiß bekam der portugiesische Superstar Eusebio keinen Stich. Die verstärkten Frankfurter gewannen vor 72.000 Zuschauern mit 2:0.

Wesentlich später fing das Herz der Stadtverordneten Brigitte Koenen an, für die Kickers zu schlagen. Die gebürtige Holsteinerin verkauft Kuchen und Kaffee. Erst seit sie sich kommunalpolitisch mit dem Thema Sport beschäftige, interessiert sie sich für Fußball. Auf dem Berg bibbert die Grüne seitdem regelmäßig mit.

Den Abstieg des ungeliebten Regionalrivalen Darmstadt 98 kommentiert Alexander Knöß. Mitleid könne er keins empfinden. Die drei Siege über die Kickers hätten dessen Anhänger weidlich ausgekostet: „Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Und das sind wir.“

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