Offenbach

Kickers und Kontrollen

Offenbach - Kann ein Eintracht-Fan den Kickers dauerhaft Glück bringen? An diesem Samstag wird sich um kurz vor 16 Uhr erwiesen haben, ob der Frankfurter Peter Liebeck zum Offenbacher Maskottchen taugt: Seit seinem Wechsel über den Main ist der Polizeioberrat dann zum neunten Mal der Sicherheitschef auf dem Bieberer Berg gewesen.

Bislang hat sich das positiv ausgewirkt. „Seit ich da bin, hat der OFC daheim noch nicht verloren - da bin ich richtig stolz drauf“, sagt der hochrangige Polizist, der im Januar 50. Geburtstag gefeiert hat.

Mitte September kam der 1,93-Meter-Mann auf die führende Position in Offenbach. Der publikumswirksame Fußball stellt nur eine kleine Facette seiner Aufgaben dar. Liebeck ist im Südosthessen-Präsidium neuer Leiter der „Direktion Verkehrssicherheit und Sonderdienste“ in der Abteilung „Einsatz“ (zu der gehören noch die Kriminaldirektion und die Direktionen Offenbach und Main-Kinzig).

Auf dem Berg steuert er je nach Fan-Brisanz der Gegner eine halbe oder das Vierfache einer Hundertschaft. Im Alltag unterstehen ihm 180 Beamte und Angestellte. Sie gehören zur Einsatzbereitschaft, die bei allen Vor- und Unfällen oder für Streifenfahrten gefragt ist, zu den Verkehrsdiensten, etwa der Jugendverkehrsschule, und zur Verkehrsinspektion. Letztere sind jene, die Autofahrer auf Drogen und Alkohol kontrolliert, Radarfallen aufbaut oder den Schwerlastverkehr überprüft. Liebeck ist also ein Ordnungshüter, dessen leitendes Wirken der Südosthesse nicht nur als Fußballfan, sondern auch als Verkehrsteilnehmer spüren kann.

Wie lange das der Fall sein wird, ist schwer zu sagen. Polizeiführer sind heutzutage in der Regel zu einem Dasein als Zugvogel verpflichtet. Seit etwa fünf Jahren schwört das Land Hessen aufs Rotationsprinzip und macht’s der katholischen Kirche nach, die eigentlich keinen Pfarrer länger als sieben Jahre in einer Gemeinde halten möchte.

Liebeck macht das nichts aus, wenn er auch scherzt, für einen echten Frankfurter bedeute es schon eine innerliche Überwindung, nach Offenbach zu gehen. Aber der seit 13 Jahren verheiratete Vater zweier Kinder (7 und 4) ist schließlich schon viel herumgekommen und hat bisweilen viel Härteres als Offenbach erlebt.

1976 beginnt für den Realschulabsolventen Liebeck, der bei der SG Nied Handball spielt, die Polizeikarriere; es kommen Jahre auf dem Revier und an der Front, unter anderem bei der Rauschgiftfahndung im Frankfurter Bahnhofsviertel. Dem Erwerb der Fachhochschulreife schließt sich das Studium mit Abschluss Diplom-Verwaltungswirt an. Dann ist Liebeck wieder auf der Straße, bis 1997 in diversen Führungspositionen.

Was danach kommt, lehrt ihn, eigene Probleme relativiert zu betrachten. Sein halbes Jahr im Nachkriegs-Bosnien war wegen der Zusammenarbeit mit internationalen Kollegen „hochinteressant und spannend“, aber auch bedrückend: „Zerschossene Häuser, Menschen mit nur einem Arm, Kinder, die gerade mal eine alte Puppe zum Spielen hatten...“

Es folgen die Ausbildung für den höheren Dienst an der Polizeihochschule in Münster, die Tätigkeit als Polizeiführer vom Dienst in Frankfurt und bis 2002 zwei Jahre beim Landespolizeipräsidenten. Dort stellt der heutige Südosthessen-Präsident Heinrich Bernhardt als Landes-Vize gerade die Ordnungsmacht auf „computergestützte Vorgangsbearbeitung“ um. Liebeck ist in Wiesbaden dabei, als es landesweit heißt: Schreibmaschine raus, PC rein.

Die neue Technik kann er von 2003 bis 2005 als Pressesprecher des Frankfurter Präsidiums nutzen. Peter Liebeck ist für die Medien der polizeiliche Ansprechpartner, als ein irrer Flieger über Frankfurt Panik verbreitet, als der Fall Wolfgang Daschner hochkocht oder sich ein frei herumlaufender schwarzer Panther als Minipony entpuppt. Bis zum Herbst 2008 zeichnet er anschließend bei der Bereitschaftspolizei in Mainz-Kastell für Ausbildung und bundesweite Einsätze verantwortlich. Diese sind unter anderen der Papst-Besuch in Bayern, der G8-Gipfel in Rostock und - quasi als Übung für die Kickers - die Fußball-Weltmeisterschaft.

Am Offenbacher Posten schätzt er die häufige Gelegenheit rauszukommen. „Operativ tätig zu werden“, sagt er im Polizeijargon, sei ihm ohnehin lieber, als nur am Schreibtisch zu sitzen. Und auf dem Bieberer Berg mache der Außendienst besonders viel Spaß, auch wegen des Kontakts zu den Fans, die er noch gar nicht so erlebt hat, wie sie außerhalb Offenbachs oft verteufelt werden. Wegen der verfeindeten Anhängerschaften als „Hochrisikospiele“ eingestufte Begegnungen entpuppten sich bislang als harmlos.

Da glaubt man dem uniformierten Eintracht-Fan gern, dass er den Kickers die Daumen für den Aufstieg drückt. Nicht ganz uneigennützig ist das freilich: „Da dürfte ich als Einsatzleiter attraktivere Gegner erleben.“

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