Kickers-Museum feiert fünfjähriges Jubiläum

Offenbach - Ein echter Fan schwärme nicht für Vereine wie den AC Mailand, schreibt der Autor Dirk Schümer in seinem Buch „Gott ist rund – Die Kultur des Fußballs“. Der bibbere „für Waldhof Mannheim, den MSV Duisburg oder 1860 München, und zwar ein Leben lang“. Schümer hat Kickers Offenbach vergessen. Von Stefan Mangold

Auch diesen Club wählt niemand als Lieblingsverein, der sicher gehen will, möglichst oft mit den Siegern jubeln zu können. An Pfingsten feiert der Förderverein des Kickers-Fan-Museums auf dem Gelände an der Aschaffenburger Straße 105 fünften Geburtstag. „Egal, wie jung wir noch sind, gefeiert wird richtig“, sagt Alexander Knöß. Der Vize- Vorsitzende nimmt Bestellungen für das limitierte Kickers-Quartettspiel entgegen.

„Wir lassen 1901 Exemplare drucken. Eine zweite Auflage wird es nicht geben.“ Auf den Karten sind Spieler abgebildet, die den OFCs im Laufe seiner Historie prägten. Wie Wilhelm Grimm, der nicht nur 13 Jahre lang bis 1914 gegen den Ball trat. „Der hat auch 1903 im Frankfurter Palmengarten die Deutsche Meisterschaft im Diskuswerfen gewonnen“, erzählt Knöß. Aus jüngeren Tagen blickt Oliver Roth dem Quartettfreund entgegen. Er hat den Verein 1999 im Relegationsspiel in Osnabrück in die zweite Liga geschossen.

Aus der Traditionsmannschaft des OFC

Besucher Winfried Döring (60) spielte zwar nie für die Kickers, sondern für Hessen Kassel und FSV Frankfurt, gehört jedoch den Waldis an, der Traditionsmannschaft des OFC. Die hat am Tag zuvor noch im Schwarzwälder Oberkirch gegen eine Renchtal-Auswahl mit 3:0 gewonnen. Der Ehrgeiz von einst habe sich erhalten, sagt Döring: „Wenn wir auf den Platz gehen, wollen wir auch gewinnen.“ Alleine auch deshalb, weil man im Namen des OFC auftrete, „den will niemand blamieren“. Was seine Karriere betrifft, erzählt Döring aus einer anderen Epoche. Vom KSV sei er damals an den Bornheimer Hang gewechselt, „weil die Kasseler das Vollprofitum einführten.“ Der Mittelfeldspieler wollte jedoch Lehrer bleiben.

Bilder von der Eröffnung des OFC-Museums

Eröffnung des Kickers-Fan-Museums

Heroen aus früheren Tagen schreiben am Sonntag Autogramme. Wie Abwehrspieler Josef Weilbächer, Mitglied der Mannschaft von 1970, die gegen Köln den Pokal gewann. Klarer Außenseiter war der OFC, „mit einer knappen Niederlage wären wir zufrieden gewesen.“

Autogramme von Heroen aus früheren Tagen

Bis neun Minuten vor Abpfiff führte Offenbach jedoch mit einem Tor. Dann der Elfmeter für Köln. „Eine Schwalbe“, sagt der damalige Torhüter Karlheinz Volz. Aus der Sportschau wusste er, „dass der Werner Biskup meist in die rechte Torwartecke schießt“. Volz reckte sich und begrub das Leder im Nachfassen unter seinem Körper.

Was damals auch Gisela Kaczmarek (74) bejubelte, die alle „Kaczy“ nennen. Seit 1954 hat sie die meisten Spiele der Kickers gesehen. Die Seele des Fanclubs „Die Goude“ verkauft Kaffee und Kuchen beim Fest. „Wunderbar war der Sieg nach Rückstand gegen die Eintracht“, erinnert sich Kaczy an den April 1975. Eine Katastrophe dagegen „der letzte Abstieg aus der zweiten Liga.“ Vor ein paar Jahren war sie mal krank gewesen und wollte nicht mehr zu den Auswärtsspielen. Lange hielt der Vorsatz nicht: „Nach zwei Monaten hat es zu stark gekribbelt.“ Kaczy ist der Typ des echten Fans, von dem Autor Dirk Schümer schreibt.

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